Die Touristensaison 2018 – eine Zwischenbilanz.

Tja, da dödelt sie nun so vor sich hin, die touristische Hochsaison 2018. Und diese Worte sind ganz bewusst so gewählt, denn ein anderer Ausdruck fällt mir dazu leider nicht ein. Dafür ganz viele Fragen.

Zum Beispiel, woher die Tourismusunternehmen incl. des griechischen Tourismusministeriums ihre „Super-Mega-Wahnsinns-Besucher-Boom“-Zahlen so nehmen.

Griechenland soll ja 2018 eine touristische Rekord-„Destination“ sein bzw. werden – allein uns fehlt der Glaube, wenn wir uns mal hier so in Südwest-Kreta umschauen.

Die SAMARIA am 28.08.2018. „Warten auf Godot“.

Okay, Südwestkreta ist sicher nicht repräsentativ für den Rest Griechenlands, aber auch aus anderen Ecken der Insel erreichen uns Nachrichten, dass diesen Sommer irgendwie so gar nix los ist. Aber auch grade GAR nix. Und das können wir leider nur bestätigen.

Haben wir doch in den letzten Jahren in der Hochsaison ob der Besucherfluten geächzt und gestöhnt (keine Parkplätze, kein freier Tisch im Restaurant oder der Lieblingskneipe – vom Lieblingskneipenwirt hat man sich Ende April mit den Worten wir sehen uns im November – schönen Sommer!“ verabschiedet), hat man jetzt freie Bahn.

Parkplätze gibt es ulkigerweise kaum, bleibt nur die Frage, wo die Fahrer und idealerweise ihre Bei- und Mitfahrer denn so abgeblieben sind, denn man findet sie weder tagsüber an den Stränden noch Abends in Bars, Cafés oder Restaurants.

Gediegene Ruhe überall

In den Autovermietungen herrscht gediegene Ruhe, auf den Fähren nach Ost und West ist kaum jemand an Bord, Touren in die Schluchten der Gegend wurden schon mehrfach wegen Teilnehmermangels storniert, sogar in den Supermärkten hat man zu fast jeder Tageszeit bequemes Durchkommen – was ist da los?

Und auch der Eindruck, dass doch die meisten Hotels wohl voll belegt sind, täuscht, denn da werden gerne mal von den Putzfrauen Handtücher über die Balkonbrüstungen gehängt um dem Vorbeigehenden zu vermitteln, dass man ja ziemlich ausgebucht ist. Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist!

Flaute auch in der Gastronomie

Und das aller Absonderlichste, was wir in dieser Saison 2018 zum ersten Mal hier auf Kreta erleben, ist die absolute Flaute im Gastronomiegewerbe. Schön daran ist, dass man immer und zu jeder Zeit einen Tisch in so ziemlich jedem Restaurant hier bekommt.

Blöd daran ist, dass infolge des mangelnden Zulaufs bereits jetzt Anfang September (hier bei uns normalerweise noch absolute Hochsaison!) die ersten Servicekräfte entlassen und die Speisekarten extrem abgespeckt werden. Dafür werden die Preise um zwischen 0,50 und 1,00 Euro pro Gericht angehoben. Weniger Auswahl, höherer Preis. Dafür freie Tischauswahl, weil eh nix los.

Und viele freie Liegen gibt es auch. Hier am Methexis Beach.

Seltsam und irgendwie auch sehr traurig, haben doch sicher viele vom Tourismus abhängige Unternehmen auf die Sommersaison 2018 gebaut – auf dass sie noch besser würde, als die Saison 2017 (denn die war ziemlich ziemlich gut!).

Da drängen sich natürlich die verschiedensten Fragen auf – allen voran: „Warum ist das so, woran liegt´s?“

Fragt man selbst davon betroffene Griechen, gibt es verschiedene Antworten, Hier unsere persönlichen Top 5:

1) Ryanair ist schuld, denn die fliegen ja nicht mehr so oft nach Chania.

2) FRAPORT ist schuld, denn die haben ja die Gebühren so erhöht, dass Ryanair nicht mehr so oft nach Chania fliegt.

3) Das Wetter in Europa im Sommer 2018 ist schuld – sogar in Skandinavien war es stellenweise wärmer als hier – die Leute brauchen ja gar nicht in Urlaub fliegen.

4) die Griechen sind dieses Jahr ausgeblieben, denn die haben ja kein Geld mehr und – siehe Punkt 1 – Ryanair fliegt z.B. nicht mehr von Thessaloniki und Athen nach Chania. Und die Türken sind schuld. Werten einfach die Lira ab und klauen uns so Touristen.

5) die Leute haben alle kein Geld mehr und kaufen sich ihr Essen lieber im Supermarkt und verzehren es dann auf dem Hotel-Balkon.

In all diesen Antworten mag sicherlich ein Funken Wahrheit stecken – aber liegt es wirklich daran? Oder nicht vielleicht auch daran, dass die meisten Touristen einfach keine Lust mehr auf Autofahren, Konsum und Souvenir-Kaufrausch haben? Weil sie einfach SATT sind?

Wenn wir urlaubende Landsleute treffen und fragen, was sie denn gerne wollen, ist die Standard-Antwort mittlerweile: „Nix!“. Hmmmmmmmm, schwierig, das… Welchen Preis kann man denn für „nix!“ berechnen, welchen Wert hat „nix“?

Eines wollen sie aber doch irgendwie alle: Betreuung und Anschluss. Da kommen Fragen auf wie „Wo ist denn nun mein Manolis?“, „Hat jemand den Salz-Tassos gesehen?“, „Ihr seid doch die von Radio Kreta – wir müssen mal reden!“, etc.etc.

Dennoch – nix los in West-Kreta. Meine Ahnung, dass die ganzen Touristen vielleicht eher an der Nordküste sitzen, wurden beim letzten sonntäglichen Ausflug nach Georgioupolis auch ad absurdum geführt. Eigentlich wollten wir ja nur Schwiegerpapa vom Flughafen abholen, als wir – 500 m vor dem Ziel – die Nachricht von Ryanair bekamen, dass der Flieger noch gar nicht von Bremen losgeflogen war und die Verspätung locker mal 4h betrüge.

Das ist Herbert im Waters Edge Cafe. Hat uns eingeladen zu einer Sammelklage gegen Ryanair (Raki wär uns lieber). Die Vorbereitungen laufen….

Hmmmmm, 4h auf dem Chaniotischen Flughafen rumhängen? Och nööööö. Also los in Richtung Georgioupolis, sich ärgernderweise, dass man nicht an die Schwimmsachen gedacht hatte. Na gut, dann halt einfach mal schauen, was sich da touristisch so tummelt. Aber – hmpf!: auch nix! Also nicht so, wie man das normalerweise aus der Hochsaison kennt. Also irgendwie gar nicht.  

Nun gut, wir haben uns an die verschlimmbesserte, u.E. total verkorkste und zubetonierte „Plateia“ gesetzt, dort ein zugegebenermassen sehr leckeres Eis gegessen (Preise wie hier auch, 1.50 €/Kugel), sind dann nochmal rumflaniert in der Hoffnung, doch irgendwo noch diese Touristenmengen zu finden – und sind unverrichteter Dinge und ratlos kopfschüttelnd wieder gen Flughafen Chania abgedampft. 

Auch in Georgioupolis plätschert die Saison so vor sich hin.

Mag sein, dass sich das Blatt jetzt im September noch wendet – Paleochora zumindest erscheint uns dieser Tage etwas voller als bisher (dieser Ort hat ja seine „Stammgäste“. Die kommen schon seit gefühlten 40 Jahren: Auch eine aussterbende Spezie). Aber mal ehrlich: die Saison ist so gut wie vorbei –  6 Wochen noch und das war´s mit dem Sommer 2018. Mal sehen, wem für die Saison 2019 noch Luft übrig bleibt…. Schade und traurig, das. 

Andererseits – wer nicht auf Veränderungen reagiert und immer mehr vom Selben macht („hat bisher ja auch immer prima geklappt….!“), verliert halt irgendwann den Anschluss. Aber Schuld sind ja eh immer die anderen.

Paleochora: Der Tourismus in Zahlen. Eine Erhebung aus dem Jahre 2015. 

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7 Kommentare

  1. „Gediegene Ruhe überall“ = Ruhe, daß ist doch genau das was wir suchen. Wer nicht auf die Sommer-Schulferien angwiesen ist, besucht Kreta doch eh in der Vor – und Nachsaison oder im Winter.

    Im Juli und August würden mich keine 10 Pferde nach Kreta bekommen, auf den Trubel und die Hitze im Sommer verzichte ich gerne…..

    Ta Leme, kv

  2. Also wir sind gerade auf Kreta, weil es so schoen ruhig ist! Privatunterkunft gebucht, Auto gemietet und Insel erkundet…zudem viele Wanderungen gemacht und Tavernenessen genossen. Touristen gibt es schon noch sehr viele, gerade in Georgiopoulis war vor drei Tagen irre viel los, sodass wir gleich wieder die Flucht ergriffen haben. Aber der Muell ueberall…das ist wirklich schlimm geworden u leider hat sich an der Gleichgueltigkeit, nennen wir es mal so, gegenueber den Tieren rein gar nichts geaendert…wir kommen trotzdem wieder, gerade auch weil es eine irre Natur und nette Menschen gibt…und Griechisch lerne ich dann auch, denn ich will wissen, worueber sich die alten Herren bis in die tiefe Nacht hinein in Ihren Gespraechen immer so echauffieren.?

  3. Liegt hoffentlich nicht an uns. Waren als Familie in den letzten 3 Jahren jeweils auf Kreta bzw. in Paleochora, heuer leider nicht, haben aber für nächsten Sommer schon gebucht. Hoffen, wir können die Bilanz wieder aufbessern. Paleochora ist einfach der beste Ort zum Urlauben und um zur Ruhe zu kommen.Leider hat man es bei uns in Ö noch nicht geschafft einheitliche Herbstferien umzusetzen, sonst wären wir ja heuer noch gekommen.

    Wir sehnen uns schon auf ein Wiedersehen mit netten Leuten!

    Karl

  4. Also wir sind gerade zurück aus Chania und waren erstaunt wie voll es noch ist oder war. Marathi war extrem voll. Wir waren im Mai da und es war so angenehm leer:-) Also gefühlt fanden wir Chania es viel voller als im letzen Jahr…

  5. Vieleicht liegt es ja auch daran, dass die Veränderungen in Palaiochora zum Teil auch abschrecken. Wenn am Sandstrand z. B. Die „Bespassboote“ die Bucht permanent mit Abgasen verpesten, man den Strand vor lauter Sonnenschirmen und Liegen kaum noch sehen kann etc. Das Besondere an Palaiochora ist, war für mich immer, dass es sich von der Touristen -Bespassung und der Anpassung an die gesichtslosen Touristendestinationen sehr unterschieden hat.
    Ich komme immer noch gerne, noch…
    Gruß aus Berlin

  6. Wir sind momentan auf Kreta, das erste Mal waren wir es vor 27 Jahren. Es ist erschreckend, wieviel sich auf der Insrl verändert hat. Extrem vermüllt überall. Noch viel erschreckender allerdings, dass immer noch Hunde und Katzen streunen. Es bricht mir fast das Herz. Habe auf unseren Touren immer Futter dabei und versorge die Tiere auch mit Wasser. Heute waren wir am Strand von Amoudara, dort lag ein schwarzer hübscher Hund unter den Sonnenschirmen. Auf dem Rückweg zur Küstenstraße am Kraftwerk? lief ein ziemlich dünner Bobtail am Wegesrand. Vielleicht habt ihr die Möglichkeit, diese Hunde einzusammeln und zu versorgen? Ich werde bei jeder Amazon und zooplus Bestellung für den Tierschutz spenden. Haben zuhause 2 Katzen, ebenfalls aus dem Tierschutz.

  7. Hi ich war von 4 bis zum 19.9 da und dass zweite mal nach Kreta verreist. Ich fand es an einigen Stellen voller fast schon überlaufen als wie dass letzte Jahr. Zu viele Menschen auf Kreta ist auch nicht gut, denn dadurch kann auch dass Ökonomische Gleichgewicht gestört werden. Obwohl ich ja auch ein Touri war. Ich mag Kreta sehr, hab mich aber dennoch entschlossen in 2 Jahren eine viel kleinere Griechische Insel zu besuchen, die zwar etwas teuerer ist aber noch nicht so überlaufen.

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