Kreuzfahrttourismus auf Kreta.

„Mein Schiff“ in Chania

Die „Mein Schiff 2“ ist ein Kreuzfahrtschiff der Reederei TUI Cruises. Es wurde am 2. November 1997 durch den Vorbesitzer von der Werft übernommen, hat eine Länge von 262,5 Metern und ist für 1912 Passagiere zugelassen. Besatzung 780 Personen.

Die Kreuzfahrtbranche boomt. Doch die Bilder von weißen Schiffen auf hoher See unter blauem Himmel lassen gerne die Schattenseiten vergessen. Das aktuelle Dossier der NaturFreunde Internationale blickt hinter die Kulissen des Kreuzfahrttourismus. 

Ein Kreuzfahrer in Chania.

2016 haben weltweit 23 Millionen Menschen Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff gemacht, im Jahr 2010 waren es noch rund 18 Millionen.

Auch bei den eingesetzten Schiffen geht der Trend zu immer größeren: Sie sind bis zu 300 Meter lang und verfügen über 20 Geschosse. Mit bis zu 6.000 Passagieren an Bord plus der Besatzung mit oft über 2.000 MitarbeiterInnen hinterlassen die „Traumschiffe“ auch negative Spuren auf ihren Reisen um die Welt. 

Stichwort Emissionen: Viele Kreuzfahrtschiffe sind nach wie vor mit schwefelhaltigem Schweröl unterwegs, bei dessen Verbrennung Emissionen entstehen, die dem Menschen und der Umwelt schaden. 

Stichwort wirtschaftlicher Effekt: In einem Hafen angekommen, strömen die Passagiere für einige Stunden durch die Stadt und gehen wieder an Bord – meist ohne viel konsumiert zu haben. Für die Betriebe und die Bevölkerung vor Ort fällt meist nur ein kleines Stück vom wirtschaftlichen Kuchen ab.

Stichwort Arbeitsbedingungen: Die Urlaubsangebote werden immer günstiger, Kreuzfahrten sind auch für Durchschnittsverdiener erschwinglich geworden. Der Wettbewerb unter den Reedereien erhöht aber auch den Druck auf die Löhne und die Arbeitsbedingungen an Bord. 

Kreuzfahrer auf Kreta 

Jährlich kommen hunderte Kreuzfahrtschiffe nach Kreta. Die meisten davon besuchen Chania. Bis zum heutigen Tage schon über 100.000 Besucher.

Wie Kälber werden sie zu einer Stadtführung dann durch die Altstadt gejagt („Ach wär ich doch in Düsseldorf geblieben“). Drei/vier Stunden Aufenthalt sind für Kreta und Chania wohl doch etwas knapp.

Wir besuchen ein Schiff.

„Mein Schiff 2“ kommt Ende September. Das gibt uns die Gelegenheit, den Dampfer mal zu besuchen. Der zuständige Schiffsarzt hat uns eingeladen ( Gute Beziehungen muss man haben. Familie eben).

Im obigen Dossier kommen auch zwei Experten zur Wort, die Einblick in die Branche geben: Alexis Papathanassis, Professor für Cruise Management an der Hochschule Bremerhaven und Steffen Spiegel, Cruise Director.

Alexis Papathanassis, 40 Jahre, Grieche.

Alexis ist gebürtiger Grieche und arbeitet seit 2005 als Professor Cruise Tourism Management an der Hochschule Bremerhaven und ist Studiendekan des zweiten Fachbereichs.

Bevor er nach Bremerhaven kam, beendete er in Griechenland seine Schullaufbahn mit einer Schulabschlussprüfung, vergleichbar mit dem deutschen Abitur.

Sein Motto:
„Man soll am Anfang anfangen.“

Im Anschluss daran machte er in Großbritannien seinen Bachelor in Betriebswirtschaft sowie seinen Master in Wirtschaftsinformatik. Nachdem Alexis sein Studium absolviert hatte, wurde er von der griechischen Regierung zum Wehrdienst einberufen.

Nach zwei Jahren Wehrpflicht erfüllte er sich den Wunsch, in der Tourismusbranche tätig zu werden und begann seine Karriere bei der TUI AG. Zudem promovierte er und wurde in Folge zum Professor berufen. Seitdem lehrt und forscht er an der Hochschule Bremerhaven.

„Jeder perfekte Reisende schafft immer das Land, in das er reist.“ (Nikos Kazantzakis)

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Ein Kommentar

  1. Moin und Kalimera, wundere mich das es hier noch keine kritischen Kommentare über den
    Kreuzfahrttourismus-Boom gibt.

    In den letzten Wochen/Monaten gab es etliche kritische Dokumentationen im Fernsehen und auch kritische Artikel in Zeitungen über die Schattenseite des zunehmenden Kreuzfahrttourismus.

    Die Schattenseite der Kreuzfahrschiffe müsste sich inzwischen bis in jeden Wohnzimmer (in Deutschland, Österreich und der Schweiz) herumgesprochen haben, das die Kreuzfahrschiffe totale Drecksschleudern sind und die Arbeitskräfte massiv ausgebeutet werden.

    „Das Gros der Schiffe pustet große Mengen Schwefeloxide, Stickoxide, Ruß, Feinstaub und Schwermetalle weitestgehend filterlos in die Umwelt.
    Auf hoher See wird weiterhin hochgiftiges Schweröl verbrannt, in den Häfen laufen die Schiffe rund um die Uhr mit Schiffsdiesel, der die Grenzwerte der Autoindustrie deutlich überschreitet. Auch die CO2-Emissionen einer Kreuzfahrt sind beträchtlich.“

    „Nur wenige Schiffe sind mit Rußpartikelfilter ausgestattet. Ohne Filter stößt ein Kreuzfahrtschiff laut Nabu pro Kilometer so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Pkw. Im Gegensatz zur Straße gibt es auf See keine gesetzlichen Regelungen für die Filter. Hinzu kommt: viele Kreuzfahrtschiffe fahren noch mit Schweröl. Auch in den Häfen brauchen die Schiffe viel Energie. Um zum Beispiel Klimaanlagen, Licht, Gastronomie, am Laufen zu halten, läuft ein Kreuzfahrtschiff im Liegebetrieb mit Schiffsdiesel.“

    „Hochsee-Kreuzfahrtschiffe sind in aller Regel nicht in den Ländern registriert, in den die Reedereien operieren. Alle deutschen Hochsee-Kreuzfahrtschiffe fahren unter fremder Flagge, sie sind in Steueroasen wie Malta oder Ländern wie Italien, US-amerikanische Schiffe z.B. auf den Bahamas oder in Panama registriert. Dort gelten Arbeits- und Sozialstandards, die weniger streng sind als die deutschen Vorschriften. Auch steuerlich bietet das Ausflaggen den Reedereien Vorteile.“

    makro: Kreuzfahrt Fieber – Zwischen Traum und Albtraum Doku (2018)
    https://www.youtube.com/watch?v=0A5nxF5RaZM

    schönes Wochenende, kv

Kommentare sind geschlossen.