Syrtaki Tanz

„Γεια μας“ – Der Retsina kehrt zurück – „Yiamas“

Bei griechischem Wein denken viele an Udo Jürgens oder laue Sommerabende mit Retsina. Seit den 70ern ist der geharzte Weißwein, den es schon in der Antike gab, aus der Mode gekommen. Das ändert sich jetzt.

In den griechischen Straßencafés wird Retsina nur noch wenig getrunken. Doch das soll sich ändern.

Viele mögen ihn, ebenso viele trinken ihn nur mit Widerwillen. Aber wenn man vor 30 Jahren in einer griechischen Taverne eine Karaffe Hauswein bestellte, hatte man meist keine Wahl: Es gab Retsina – den geharzten, trockenen Weißwein, dessen Geschmack manche angeblich an Seife, andere an Terpentin erinnert. Wieder andere schwören auf Retsina: Er mache keinen schweren Kopf, und wenn man nur genug davon getrunken habe, gewöhne man sich auch an den etwas merkwürdigen Geschmack.

Inzwischen haben Griechenlandreisende nur noch selten Gelegenheit, den Wahrheitsgehalt solcher Aussagen empirisch zu überprüfen. Wenn man sich heute mit dem Wort „Yiamas!“ (auf unser Wohl) in einer Taverne oder im Familienkreis zuprostet, ist fast nie Retsina im Glas.

Der einst allgegenwärtige Tischwein ist aus der Mode gekommen. Die Griechen bevorzugen Flaschenweine. Nur noch wenige Firmen vertreiben die Retsina – im Griechischen ist diese Wein-Variante weiblich. Einer der größten Hersteller ist Kourtakis in Attika. Das Unternehmen bietet den geharzten Wein unter anderem in kleinen bauchigen Flaschen an, die jedoch schon wegen ihres Kronkorkens bei vielen Weinliebhabern keine Gnade finden. Ein Großteil der Produktion geht in den Export, vor allem in die USA, nach Deutschland und Australien – die dort lebenden Diaspora-Griechen halten an der Retsina-Überlieferung offenbar fest.

Aber jetzt wollen einige Winzer dem Traditionswein auch daheim wieder zum Durchbruch verhelfen. „Wir möchten der Retsina wieder den ihr gebührenden Platz geben“, sagt Winzer Giorgos Vassiliou. Von den vier Millionen Hektoliter Wein, die Griechenland im vergangenen Jahr produzierte, entfielen 600 000 Hektoliter auf Retsina, also 15 Prozent – Tendenz: steigend.

Vassilious Erfolgsrezept für die „neue Retsina“ lautet: hochwertige Trauben und größte Sorgfalt beim Herstellungsprozess. Man nehme einen trockenen Roditis-Weißwein aus der Gegend um Korinth als Basis, versetzt mit einer genau dosierten Menge Harz von der weißen Aleppo-Kiefer. Es wird dem Wein in kleinen Stücken während der Gärung zugegeben und vor der Abfüllung wieder entnommen. Das Harz gibt der Retsina nicht nur ihr charakteristisches Aroma sondern macht den Wein auch länger haltbar.

Die Geschichte der Retsina geht zurück bis in die griechische Antike.

Die Ton-Amphoren, in denen der Wein damals meist gelagert wurde, mussten mit Harz abgedichtet werden – sonst wäre Sauerstoff durch die porösen Gefäße gedrungen und hätte den Wein innerhalb weniger Monate verdorben. Das Harz war allerdings nicht nur ein Dichtmittel sondern gab auch sein Aroma an den Wein ab. Bereits in der Antike allerdings gingen die Meinungen auseinander, ob das erwünscht oder ein notwendiges Übel sei.

So riet der kurz nach Christi Geburt lebende römische Autor Columella, man solle wirklich gute Weine nicht mit Harz in Berührung bringen – „wegen des unangenehmen Aromas“. Nachdem die Römer im 3. Jahrhundert die Herstellung von Holzfässern perfektionierten und später Wein in luftdichten Glasflaschen gelagert wurde, gab es eigentlich keine Notwendigkeit für die Verwendung von Harz mehr. Aber weil viele Griechen auf den Geschmack gekommen waren, hielt sich die Tradition. Erst seit sich Ende der 70er immer mehr griechische Winzer auf hochwertige Qualitätsweine umstellten, kam die Retsina allmählich aus der Mode.

Eine Schande, wie manche Winzer finden. Sie wollen dem Traditionswein nun mit modernem Marketing und ansprechenden Flaschen ein schickes Image geben. Retsina, so sagen Liebhaber, passe geschmacklich nicht nur besonders gut zu den meisten Mesedes, den traditionellen griechischen Vorspeisen. Dem geharzten Wein wurden schon im Altertum heilende Kräfte nachgesagt, etwa bei Magenleiden und Herzkrankheiten. Sogar als Schmerzmittel sei die Retsina geeignet, behaupten Kenner. Allerdings kommt es wohl auf die Dosierung an – sonst ist am nächsten Morgen der Kopfschmerz umso schlimmer.


Gesundheitstipp: Schon 3 Flaschen Wein decken den Tagesbedarf an Kalium.


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7 Kommentare

  1. Hmmmm….. Retsina.
    Den besten (kräftigsten) kaufte ich letzten September in Spili, Kreta, Marke „Chanion“. Eine Delikatesse. Mit den herzlichsten guten Wünschen für das geplagte griechische Volk grüßt Euch
    Horst apo Jermania

  2. hab mich sehr gewundert, dass im Artikel nicht der exzellente Retsina „Chanion“ erwähnt wurde – nach unserer reichen diesbezüglichen Erfahrung zählt der nämlich mit dem von „Cair“ (Rhodos) zu den allerallerbesten seiner Art. Wir trinken den schon jahrelang immer im Urlaub in Frangokástello!!! Leider wird er nicht exportiert….
    Wir freuen uns jedenfalls auf wieder mehrere Gläschen davon, wenn wir demnächst wieder dorthin fliegen:))))

  3. Hallo Helga. Dem Retsina Chanion widmen wir uns in Kürze in einem gesonderten Artikel. Nicht alles kann exportiert werden, darum einfach wiederkommen. Gruß, Jörg.

  4. Hallo Jörg, macht ohnehin nichts, dass wir den nicht auch daheim in österreich bekommen – er schmeckt ohnehin viel, viel besser in kreta – vielleicht ist es uns sogar vergönnt, einige gläschen dieser köstlichkeit demnächst an ort und stelle zu genießen:))) Lg Helga

  5. Erstaunlicherweise gibt es keinen Kommentar aus der „Neuzeit“ über das Thema RETSINA.
    Wir lieben diesen Wein. Trinken ihn jedoch nur auf Kreta, da wir selbst in einer Weingegend leben.
    Wir freuen uns bereits jetzt auf ein gutes Essen mit Retsina am 9. Mai, da dann unser Urlaub beginnt.
    Barbara und Jürgen aus dem Rheingau.

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