Ausflugstipp: Das Töpferdorf Thrapsano (Θραψανό).

Und wieder ein wunderschöner Ausflugstipp in´s Hinterland Kretas. Mal weg von der Küste und vom All-inclusive-Tourismus, rein in die Berge, mal wieder was traditionelles und ursprüngliches sehen. Und dafür ist Thrapsano (Θραψανό) ein wirklich richtig guter Tipp. Dieses kretische Dorf mit knapp 2.500 Einwohnern, liegt auf einer Höhe von ca. 340 m, etwa 30 km südöstlich von Heraklion. Thrapsano ist durch seine Keramik und vor allem durch die Herstellung von großformatigen keramischen Vorratsbehältern, die hier Pitharia (πιθάρια) genannt werden, bekannt – eine Tradition die bis in die minoische Ära der Insel zurückreicht.

Sogar der Name „Thrapsano“ lässt vermuten, dass er sich bereits auf die Töpferkunst bezieht, denn vermutlich leitet er sich von den Worten „Thravsi“ (θραύση – Bruch) und „Psino“ (ψήνω – backen) ab, da viele Gefäße während des Backvorgangs brachen.

Töpferkunst in Thrapsano.

Nach Angaben des Historikers Stergios Spanakis wurde Thrapsano erstmals 1379 als Siedlung erwähnt.

Nur hier und im Töpferort Margarites arbeiten nocoh einige Berufstöpfer nach alter, minoischer Tradition. Die Töpfer-Erde wird einer großen Tongrube nördlich des Dorfes entnommen, es handelt sich also tatsächlich um eine lokale Produktion. Leider werden die „Halden“ der Tongefäße immer größer – es scheint, dass dieser Beruf im Aussterben begriffen ist.

Dennoch sind in Thrapsano natürlich die zahlreichen Töpferwerkstätten besonders sehenswert, in denen man die traditionelle Töpferkunst vorfindet und aus einer großen Vielfalt von irdenen Utensilien auswählen kann. Desweiteren gibt es in der Nähe auch noch die Kirche Panagia Pigadiotissa (Παναγία Πηγαδιώτισσα – Heilige Mutter des Brunnens) mit ihrem Wunderbrunnen. Ein Mythos besagt, dass einige Leute in den Brunnen fielen, dieser dann überlief und sie so vor dem Ertrinken rettete. 

Dann gibt es da auch noch den See von Livada, einen knappen Kilometer nördlich des Dorfes. Die Einheimischen nutzten früher für ihre Töpferwaren den Lehm aus der Gegend und bildeten einen Teich, der mit der Zeit vergrößert und in ein Reservoir umgewandelt wurde. Heute erstreckt sich der Stausee über eine Fläche von 21.000 m² und speichert etwa 210.000 m³ von Wasser, mit  saisonalen Änderungen des Wasserstandes, natürlich (in diesem Winter ist er vermutlich mehrmals über die Ufer getreten….).

Bei einem Besuch im Juli, kann man Thrapsano während der 3-tägigen Veranstaltungen besuchen, die jedes Jahr vom 17. bis 19. Juli zu Ehren der Töpfer abgehalten werden.

Ohne Worte, trotzdem (oder gerade deswegen) beeindruckend, ein kleines Video von Seppel-TV.

Das Dorf ist auf der Insel Kreta vor allem wegen der „Ventema“ (βεντέμα) bekannt. Vendema (vom venezianischen Wort Vendemmis – Ernte) war eine saisonale Bewegung und blieb in einem Teil von Kreta haften, begann um den 20. Mai herum und dauerte bis zum 14. September – dem Feiertag des Timios Stavros, dem Schutzpatron des Dorfes. Die Erde war in dieser Zeit ideal für die Töpferei und es gab viel Holz für den Ofen für die Thrapsano-Töpfer, die in dieser Zeit eben jene große Krüge herstellten, die heute noch – genau wie in minoischen Zeiten – als „Pitharia“ bezeichnet werden.

Ein funktionierendes Team zur Herstellung der Töpferware

Zur Herstellung der traditionellen tönernen Gebrauchs- und Schmuckstücke gab es jeweils ein mindestens sechsköpfiges „Team“: 

Da war der „Mastoras“ (Ο Μάστορας) – der Meister, der natürlich auch der Führer und Organisator der ganzen Bande war. Er war der beste Töpfer von allen und hatte natürlich das Sagen. 

Der Meister.

Der „Sotomastoras“ – (Ο Σοτομάστορας) war im Allgemeinen der Assistent des Handwerkers.

Dann gab es den „Trocharis“ (O Τροχάρης). Der drehte das Rad und formte den Ton zu seiner endgültigen Form – Vase, Aufbewahrungsbehälter, Schmuckstück – was auch immer. Seine wichtigste Aufgabe war das Backen der Tonbehälter. Er musste auf die Faktoren, die bei der Verbrennung berücksichtigt werden mussten verantwortlich, so zum Beispiel für die Größe und die Qualität des zu verwendenden Holzes, die Erwärmung des Ofens usw.

Der „Homatas“  (Ο Χωματάς) musste den richtigen Boden für den Ton erkennen und hatte die Verantwortung, ständig vorgefertigten Boden für das „Kneten“ und das Erzeugen des später verwendeten Tons zu liefern. 

Der „Xylas“ (Ο Ξυλάς) war – wie der Name schon sagt – verantwortlich für die Sammlung des notwendigen Holzes verantwortlich, das er als Brennstoff für die Brennung verwendete. Der arme Kerl musste oft lange Strecken zurücklegen, um das geeignete Holz zu finden und es – damals noch – mit Eseln zu den jeweiligen Öfen zu transportieren. Jeder Ofen benötigte tausende von Hölzern für einen Brennvorgang!

Und dann gab es auch noch den „Kouvalitis“  („O Κουβαλητής„) – den „Kurier“, der normalerweise der Jüngste im Team war – und er hatte logischerweise die beschwerlichste und härteste Arbeit zu leisten. Er machte alle Nebenjobs, organisierte andere Handwerker, half bei der Erd-/Tongewinnung und beim Holz sammeln und kümmerte sich um alle. 

Der Meister und sein albanischer Gehilfe.

Das Schwierigste an der ganzen Sache war weniger die Herstellung, als vielmehr der Transport, der in früheren Zeiten ja immer mit Eseln von statten ging, Und da klapperte in den engen Straßen der Dörfer schon mal ein „Pithi“ an den anderen – oder gegen eine Hausecke –  und dann war mindestens einer kaputt (wie beim Eierpecken….) – im nicht so idealen Fall auch gerne mal beide. Deswegen sicherte man die Töpferwerke auch gerne mit Zweigen u.ä. 

Denn diese traditionell hergestellten, irdenen Gefäße, sind sehr zerbrechlich und der Transport von Thrapsano zum Käufer durch Esel und Maultiere  war viel zu riskant. Ein Sprichwort sagt: Jeder fürchtet Gott –  und die Thrapsaniotis die Mauern.“

Für Neugierige und Unternehmungslustige: Noch mehr Ausflugstipps.

 

 

Ein Kommentar

  1. Moin und Kalimera Susanne, sehr interessanter und informativer Artikel über das Töpferdorf Thrápsano.

    kali evdomada, kv

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