Ausflugstipp: Das Kloster Moni Kapsa bei Ierápetra.

Und wieder ein Ausflugstipp für den Ostteil der Insel, man will sich ja nicht nachsagen lassen, dass die Berichterstattung und Tipp-Gebung einseitig wäre, nur weil die Radio Kreta Redaktion sich halt im Südwesten Kretas niedergelassen hat…. Dafür haben wir auch zu lange im schönen Südosten gelebt, als dass wir Euch dieses wundervolle Fleckchen Insel vorenthalten würden!

Heute geht es mal wieder um ein sehr schönes Kloster incl. der quasi dazugehörigen Schlucht – nämlich um das Kloster Kapsa – Moni Kapsa (Μονή Καψά).

Moni Kapsa liegt ca. 32km östlich von Ierapetra und 40 km südlich von Sitia und zeigt sich dem Besucher als schneeweißes Kloster in grauer Felswüste zwischen Himmel und Meer.

Moni Kapsa im Osten Kretas.

Kompromissloser kann man Jesus, der 40 Tage in der Wüste verbrachte, kaum nachfolgen, näher kann man dem Schöpfer kaum sein, als in den Felshöhlen der weltabgeschiedenen Steinöde Südostkretas. Die wasserarme, von höhlen durchlöcherte Südflanke der Thripti-Berge ist genau der Ort, den christliche Eremiten suchten, um sich von irdischen Sünden zu lösen, über Läuterung zur Erleuchtung zu gelangen. Wie in der Thebanischen Wüste fanden sich hier die Einsiedler zunächst nur einmal wöchentlich zum gemeinsamen Gebet zusammen. So entstanden mehrere Kirchen der Südküste, auch Moni Kapsa. 

Ein bisschen Historie

Das Johannes Prodromos (dem „Vorläufer“ = Täufer) gewidmete Kloster soll im 15. Jahrhundert gegründet worden sein. Die Datierung stützt sich auf einen Text der ältesten Ikone „Enthauptung des Johannes“ in der Klosterkirche, der nach 1500 nicht mehr in Gebrauch war. Im 17. Jahrhundert wurde das Kloster nach mehreren Türkenüberfällen verlassen, in der Kirche fanden aber weiterhin sporadisch Gottesdienste statt.

Erst 1861-1863 erfolgte durch den heute als Ortsheiligen verehrten Jerontojiannis (Γεροντογιάννης) eine Restaurierung und Erweiterung des Klosters. Er war 1799 als Bauernsohn bei einem Klosterbesuch seiner Eltern in Kapsa zur Welt gekommen – so etwas verbindet wohl…. 1841 überfiel ihn ein tiefer, 43 Stunden währender Schlaf, der ihn verwandelte: von da an lebte er wie ein Heiliger, vollbrachte Krankenheilungen und zog sich schließlich, weil der Zustrom an Hilfe suchenden Menschen den Türken missfiel, in eine Höhle oberhalb vom Kloster zurück. Zehn Jahre vor seinem Tod wurde er Mönch und erhielt den Namen Josef, dennoch wurde er weiter unter dem Namen Jerontojiannis verehrt („Jerontas“ ist die Anrede für einen Abt oder älteren Mönch, Jiannis ist die Kurzform seines Vornamens Johannes). Nach seinem Tod war sein Enkel Josef einige Zeit Abt in Kapsa, bis das Kloster 1901 seine Unabhängigkeit verlor und zwei Jahre später dem Kloster Toplou unterstellt wurde. Seit 1982 sind die als wundertätig geltenden Gebeine des Jerontojiannis in einem Glasschrein der Klosterkirche zu bewundern.

An jedem 29.August feiert das Kloster den Namenstag des Kirchenpatrons Johannes Prodromos. Viele Bewohner aus der Umgebung und auch aus Ierapetra machen sich schon einen Tag vorher zu Fuß auf den Weg dort hin. 

Besichtigung

Bereits bei der Anfahrt sieht man die großartige Pervolakia-Schlucht, an deren Steilwand Jerontojiannis 17 Jahre lang in einer Höhle lebte. Wie ein leuchtend weißes Band ziehen sich die Klostergebäude über eine schmale Felsterrasse hin, die kühne Lage zwischen Himmel und Meer erinnert an das berühmte Chozoviotissa-Kloster auf der Insel Amorgos. Da der Parkplatz vor dem Klostertor winzig ist, sollte man den letzten steilen, aber kurzen Anstieg zu Fuß unternehmen. 

Durch den von einem Turm beschützen Eingang gelangt der Besucher auf die unterste Terrasse, die unter einem Dach aus Weinlaub und Reben einen wunderbaren Ausblick auf´s Libysche Meer ermöglicht. Unterhalb der Terrasse wachsen Mispeln, Granatäpfel, Orangen und Kohl in prächtigem Durcheinander; es heißt, dass erst Abt Josef eine Wasserleitung zum Kloster bauen und die Erde korbweise herbeischaffen ließ.

Gute Aussicht.

Mehrere Stufen höher liegt die obere, mit schönem Kieselmuster geschmückte Terrasse, die den Zugang zur zweischiffigen Kirche gewährt. Das elegante Renaissanceportal ist mit antiken Reliefs verziert. 

Die Nordkirche wurde direkt in den Felsen geschlagen und hat daher unregelmäßige Wände, an der Ikonostase befindet sich die erwähnte Johannes-Ikone. Die aus Zypressenholz geschnitzte Ikonostase des Südschiffs entstand im 19. Jahrhundert. Neben dem Reliquienschrein ist ein zwölfeckiger Leuchter auffallend: das Symbol für das Himmlische Jerusalem.

Nun kann man über schmale Felsstufen oberhalb des Klosters die Eremitenhöhle besuchen, in der Jerontojiannis und vor ihm andere Einsiedler ihr gottgeweihtes Leben verbrachten – nah am Abgrund, der sicherlich auch symbolische Bedeutung besaß.

Ein schönes Ausflugsziel in der direkten Umgebung

Die wilde und imposante Schlucht von Kapsas liegt 8-9 km östlich von Makrigialos und 33 km östlich von Ierapetra. Sie ist die tiefste Schlucht in der Gegend, mit reicher Vegetation, die Durchwanderung dauert ca. 2 Stunden.

Die Schlucht wird auch „Schlucht von Pervolakia“ genannt, weil ihr nördlicher Eingang in der Nähe des abgelegenen und malerischen Dorfes Pervolakia liegt. Der Ausgang der Schlucht ist neben dem Kloster von Kapsa, am Libyschen Meer. Man kann wunderbar an dem schönen ruhigen Kieselstrand schwimmen und sich so von den „Strapazen“ der Wanderung erholen..

Das Innere der Schlucht ist spektakulär, mit hohen hohen Felswänden links und rechts – wie gesagt, es ist die tiefste Schlucht der Gegend. Die Vegetation ist spärlich, die Landschaft ist trocken. Entlang des Weges gibt es auch mehrere ausgewiesene Kletterpunkte.

Die Pervolakia-Schlucht ist nicht einfach.

Die Straße, die Makrigialos und Goudouras verbindet, passiert direkt neben dem Ausgang der Schlucht, in der Nähe des Klosters, für die Infrastruktur zum hin- und wieder zurückkommen ist also auch gesorgt.

Anfahrt: Bei der Anfahrt aus Richtung Sitia NICHT 4 km südlich des Dorfes Lithines dem Schild „Moni Kapsa – 5km folgen, denn hier werdet Ihr über eine Schotterpiste in miserablem Zustand geleitet. Lieber bis zur Südküste durch und von Analipsi aus die 8 km bis zum Kloster wieder hoch fahren.

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3 Kommentare

  1. Schöner Artikel , wäre toll wenn ihr mehr Tipps für den Osten noch hättet.

    Weiter so!

  2. Das Kloster Moni Kapsa ist ein einsamer aber sehenswerter Ort!
    Für die Schluchtwanderung reichlich Wasser zum Trinken mitnehmen, hier ist es in den Sommermonaten sehr heiß und trocken.

  3. Das Kloster hat sozusagen Öffnungszeiten. Die Tür wird zumindest momentan und vermutlich den ganzen Sommer über nach einer zweistündigen Mittagspause um halb 4 nachmittags geöffnet.

Kommentare sind geschlossen.