Das Wanderfieber auf Kreta.

Eine kleine Geschichte von Sigrun Steinwender.

Als ich heute eure Seite anklickte, kam nur der an englische Höflichkeit gemahnende Satz: „Wir respektieren Ihre Privatsphäre“ – nothing else! Wenn dem so bleiben sollte, auch wenn ich wieder in Austria bin, muss ich mich wohl heute schon von Radio Kreta verabschieden, denn andere reagieren allergisch z.B. auf Milch oder Katzenhaare, ich leider genau auf „COOKIES“!

Das hat lustigerweise eine kretische Vorgeschichte, ja sogar eine paleochorische: in grauer Vorzeit, also vor vielen, vielen Jahren, als es auf der Welt noch keine Computer und ähnliche völkerverbindende -im guten und im schlechteren Sinn- Kommunikations-Techniken gab, hauste einst ein Berliner Halb-Aussteiger (halbjährlich in Berlin, halb in Kreta) des Nachts in Paleochora, tagsüber meist an den Stränden am Ausgang der Mini-Anidri-Schlucht. Damals hatten die Wanderer das unberührte Paradies noch für sich und der Berliner, nennen wir ihn K. (Datenschutz) herrschte quasi wie ein König über sein Naturreich.

Wanderer auf Kreta.

Aber immer wieder packte ihn das Wanderfieber, noch unbehaustere Schluchten und Gipfel auch per Wanderschuh sich untertan zu machen, zu welchem Behufe er oft andere Wanderwillige um sich scharte, die ihn zu diesem Zwecke zum Führer erkoren. Und nun kommen wir -auf den von der Autorin schon gewohnten Umwegen- zum Thema „COOKIES“: bei einer dieser Wanderungen handelte es sich bei den meisten Teilnehmern um Österreicher, sprich Wienern. Und diese Unternehmung wäre beinahe  -kretisch-makedonisch mit Sorbas auf den Punkt gebracht- „the full catastrophe“ geworden, eben wegen der Cookies.

Es begann mit einem idyllischen Abend irgendwo in den Bergen um Omalos, erfüllt von der Vorfreude auf die am nächsten Tag geplante Schlucht-Begehung, von den Wienern mit einem lukullischen Picknick samt krönendem Abschluss des Festmahls, mit vielen COOKIES, zelebriert. Ich kenne die Tour nur von K. nachträglicher Schilderung der Ereignisse.

Eine kleine Wanderung durch Rethymno.

Er, der immer so stolz darauf war, seinen in Berlin angezüchteten Winterspeck auf Kreta im Zeitraffer-Tempo loszuwerden, betrachtete das zügellose Treiben der allzu lebensfrohen Österreicher aus dem Abseits mit wachsendem Widerwillen und Sorge, wurde der Durst dieser Cookies-Süchtigen doch trotz seiner mahnenden Worte mit dem mitgebrachten Wasser hemmungslos bis auf die letzte Reserve gestillt, mit dem Hinweis darauf, am nächsten Tag ohnehin die Vorräte bei der Zisterne auffrischen zu können – K. hatte nämlich im Zuge der Planung der Wanderung sich bei einem Hirten der Gegend Information über die genaue Lage dieser Zisterne eingeholt. Dazu sei erwähnt, es war ein herrlich und dementsprechend heißer Tag im Wonnemonat Mai und die Wanderroute meist in baum- ergo schattenlosen Gelände geplant.

Der nächste Morgen kam, nur die erwartete Zisterne nicht. K. suchte lange und mit wachsender Verzweiflung -leider vergebens – darnach. An einen Abstieg in die tolle Schlucht war nicht mehr zu denken, als sich herausstellte, dass die Cookies-Schlemmerei ihren Preis gefordert hatte – so gut wie alles Wasser war verbraucht! Ja sogar der Rückweg wurde problematisch ohne das lebenserhaltende Nass, eine der Wanderinnnen erlitt einen Kreislaufkollaps und alle waren heilfroh, als sie dann zwar leicht ausgedörrt, aber heil das rettende Paleochora wieder erreichten.

Ich weiß nur noch, dass sowohl K. als auch die Wiener wortlos voneinander schieden und – was war die Ursache für die ganze Misere: die „COOKIES“!!!

Noch mehr kleine Geschichten von Sigrun.

Ein Kommentar

  1. Wie schön diese Geschichte und wer K.der Datenschutz ist heilig kennt ,weiss was er litt.Nicht Nikos K. Und w.L aus dem damaligen Russland konnte mit was tun die Situation retten.Schön diese Geschichte aus der grauen Vorzeit von Paleochora zu lesen.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.