Der Oleander und Kreta. Von Imtraut Gotsis.

Der OLEANDER – ein Zeitreisender

Im Wimpernschlag der Erdgeschichte fällt ein Oleander Samenkorn in einen Baumharztropfen. Für Millionen von Jahren bleibt es dort verschlossen – und kann so der Nachwelt erhalten  bleiben.  Der Bernstein ist der Überbringer seiner Existenz von jenem Ort, wo die Oleanderpflanze einst blühte und fruchtete.

So geschehen im Hukawang Tal im Bundesstaat Kachin im Norden Myanmars – ein Burmesischer Bernstein aus der Kreidezeit. (Burmite, Birmit, Burmesischer Bernstein Wikipedia).

„Die Gattung Nerium, deren bekanntester Vertreter N. Oleander L. ist, existierte in Europa schon während der jüngeren Kreideperiode, und zwar war sie damals, wie auch noch während der Tertiärperiode, in Mitteleuropa ebenso wie in Südeuropa anzutreffen. Schon in der jüngsten Tertiärperiode existierte eine unserm jetzigen Oleander verwandte Pflanze in Südfrankreich (Meximieux und Valentine), und  Ferdinand Pax  hat kürzlich aus den tertiären Schichten von Hermannstadt in Siebenbürgen ein Nerium Bielzii beschrieben (Grundzüge Pflanzenverbr. Karpathen II (1908)23). Auf Grund dieser Tatsache ist es ganz unmöglich, dass der Oleander erst in historischen Zeiten nach Europa gelangt ist; nur ist seine Nordgrenze infolge der Glazialperiode weiter nach Süden verschoben worden.“ (Victor Hehn, Berlin 1870).

Der WILDOLEANDER mit der rosa Blüte.

Wie der blaue Himmel und das Meer, die heiße Sonne, der Duft der Wildkräuter und das schrille Lied der Zikade, so gehören auch die leuchtenden rosa Blütenwolken der OLEANDER seit 2000 Jahren zur Schönheit der Mittelmeer-Landschaft. Die diesbezügliche Begeisterung kommt aber erst im 20. Jahrhundert in das allgemeine Bewusstsein der Menschen. Damals, nach Ende des zweiten großen Krieges, beginnt der Massen-Tourismus am Mittelmeer. Es lockt der Süden mit seinem Licht und seiner Farbe. 

Bei Imtraut im Oleandergarten.

„Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen . . .“ Diese Reise in den Süden war vor etwa 150 Jahren nur priviligierten Bürgern möglich.  Sie schreiben ihre Eindrücke auf, schwelgen in ihren Erzählungen von der Schönheit der Landschaft, ihrer Flora und Fauna und widmen dabei dem rosa blühenden Oleander viel Aufmerksamkeit. Nur, die Landbevölkerung dieser Regionen, die über Jahrhunderte von ihren Schaf- und Ziegenherden lebt, sie fürchtet die Giftigkeit dieser Pflanze und vernichtet sie, wo immer sie in der Landschaft sichtbar wird. Doch die Pflanze überlebt die Jahrtausende . . .

„Wie so manche andere Pflanze dieser Gegenden schwebte er mitten inne zwischen dem Kultur und wilden Stande, d.h. einmal herüber gebracht wusste er sich selbst zu helfen und nahm den Schein eines freien Naturkindes an. So fand ihn schon Plinius; auf den ersten Blick mochte er das Bäumchen eingeboren in Italien halten, aber als er sich auf den Namen besann, der ein griechischer ist ‚Rhododaphni‘ oder ‚Rhododendron . . .“

„Und dann verbreitet er sich im freien Lande, als Ziege und Esel, die Feinde aller jungen Bäumchen, die nichts aufkommen zu lassen pflegen, es verschonen, und von da an leuchten die hellroten Oleanderrosen wie gewundene rötliche Bandstreifen an beiden Ufern der vom Gebirge herabkommenden Wasserrinnen Südeuropas.“

Auf KRETA standen einst dichte Wälder, die die Heimat einer reichen Fauna und Flora swaren. Die antike Vegetation, die aus Zypressen, Zedern, Pinien, Kiefern und Steineichen besteht, sie lieferte das Holz für die Minoische Flotte der Handelsgaleeren und auch für die Segelschiffe der Venezianischen Kriegsflotte. Wie überliefert, gab es hier auch Oleander, die zu Bäumen empor wuchsen und deren rosarote Blütenwollken in den Tälern der ‚Weißen Berge‘ leuchteten. Heute ragt der graue nackte Fels in den blauen Himmel und tiefe Schluchten teilen das Bergmassiv, durch die die Mythen der Vergangenheit wehen.  

Irmtraud Gotsis

Irmtraud Gotsis ist gebürtige Wienerin, die im Süden Europas zur OLEANDER EXPERTIN wurde. In ihrem großen Garten in Messinien/Griechenland pflegt, vermehrt und züchtet sie Oleander seit 30 Jahren. Ihre Arbeit brachte viele Erkenntnisse, besonders bei der Gewinnung von neuen OLEANDER SORTEN >>dort, wo der Samen Pate stand<<. Ihre Erfahrungen sind zusammengefasst in einer „Oleander-Geschichte“, die diese Reise in die südliche Natur und ihre Faszination beschreibt; bereichert mit Fakten, die wir noch nicht wussten und Fantasien, die anregen können.

Alle Infos über den Oleander findet ihr bei Oleanderhaus.at.

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