Die indische Prunkwinde – auch hier bei uns auf Kreta.

Man wird hier auf Kreta doch immer wieder überrascht. Vom Wetter, von Sonnenauf- und Untergängen, von wundersamen Zwei- und -Vierbeinern, der überwältigen Berglandschaft, der legendären Gastfreundschaft der Kreter und natürlich auch von der Flora der Insel. Die auch im vorliegenden Fall wieder Fragen aufwarf.

Wir saßen also mal wieder zum Feierabendschwätzchen im Innenhof unserer „Burg“, die Besucher sahen sich staunend um – sowohl nach der lustigen Krüger´schen Fauna, als auch nach der ebenso lustig wuchernden Flora – und prompt kam die Frage: „was ist denn das da in der Ecke, das so an der Mauer hochklettert und wunderschöne lilafarbene Blüten zu Tage bringt?“.

Ups – touché… Man sah sich gegenseitig fragend an, dann kam das kollektive Schulterzucken und stante pede die Anfrage an´s Internet. Ergebnis: Es handelt sich um die Indische Prunkwinde!

Eine Indische Prunkwinde auf Kreta?

Ja, in der Tat. Diese Prunkwinde hat ihren Namen nicht umsonst, denn ihre Blüten haben schon etwas von Prunk, Glanz und Gloria! Soviel zur laienhaften Erklärung dieses Gewächses, aber wir haben natürlich auch einige „wissenschaftliche“ Daten zur Ranke: Die indische Prunkwinde hört auch auf den klangvollen Namen „Ipomonea indica“ und – wer hätte das nicht schon vermutet? – gehört zu den Windengewächsen. Und – und das hat auch die Redaktion durchaus überrascht – sie ist mit der Süßkartoffel verwandt! Wäre man jetzt nicht so auf den ersten Blick drauf gekommen….

Und was macht dieses indische Gewächs dann auf Kreta?

Tja, gute Frage. Aber im Zeitalter der Globalisierung breitet sich auch so ein Windengewächs auch gerne mal aus. In diesem – wie auch in vielen anderen Fällen von Fauna und Flora – fing die Globalisierung schon viel früher an und war weniger „gesteuert“ sondern eher zufällige Konsequenz des menschlichen wirtschaftlichen und kriegerischen Treibens.

Denn schaut man sich die Weltkarte an, auf der die Verbreitung dieser Süßkartoffel-Verwandten dargestellt wird, gibt es da die verschiedensten Stati, unter denen man diese Winde einordnen kann. Da ist sie als „einheimisch“, „kultiviert“, gar „invasiv“ (abgeschwächt „potentiell invasiv“) oder „exotisch“ deklariert.

Für den vorliegenden Fall – Kalamos im Südwesten Kretas – trifft gemäß besagter Karte die Klassifizierung „invasiv“ zu. Diesmal sind es halt Windengewächse, die auf Kreta eingefallen sind um die Insel zu erobern. Mit durchaus besserem und länger andauerndem Ergebnis als andere „Besatzer“ vorweisen können. Und mit weniger schlimmen Folgen.

Und wie sieht sie aus, diese Prunkwinde?

In Kurzform: überwältigend. Und das Attribut „Prunk“ im Windennamen hat durchaus seine Berechtigung!

Etwas ausführlicher: Die Indische Prunkwinde hangelt sich irgendwie überall hoch, wo sie auch nur den geringsten Halt findet, also an Mauern, Pergolen, Geländern und allem möglichen Kram, der da irgendwo rumsteht. Hier auf Kreta verschönert sie also auch gerne mal das Landschaftsbild, indem sie sich über „vergessene“ und dem Verfall anheim gefallene Baumaschinen, Kräne und vor sich hin rostende Autowracks hermacht – bis von den „Kletterhelfern“ irgendwann gar nichts mehr zu sehen ist. Gelegentlich rankt sie sich aber auch über den Boden und manchmal entscheidet sie sich sogar zum Schwimmen! Hier auf Kreta ist auf Grund einer relativen Wasserknappheit allerdings eher die vertikale und horizontale Variante vorzufinden. Frei nach dem Motto „Unsere Insel soll NOCH schöner werden“…

Okay, jetzt wisst Ihr immer noch nicht, wie sie aussieht. Also dann etwas sachlicher: die Blüte an sich ist trichterförmig und leuchtend blau bis violett. Mit zunehmenden Alter kann sie sich rötlich bis violett färben. Die sattgrünen Blätter weisen teilweise herz- bis auch „platt“ eichelförmige Formen auf, was einen schönen Kontrast zu besagten violett-blauen Blüten bildet. Um Euch einen „original kretischen“ Eindruck zu vermitteln, gibt es die Bilder „unserer“ Prunkwinden in Kalamos hier im Artikel.

Wir beschränken uns hier nur auf die auf Kreta „freilaufende“ Prunkwinde – man kann sie wohl auch in eher gemäßigten Breiten per Aussaat sowohl im Innen- als auch im Außenbereich ziehen, aber dafür verweisen wir lieber auf das wwNetz, da werdet Ihr geholfen… 😉

Anmerkung von Marina Blümel: Die Griechen haben ihr den wunderbaren Namen “ Προϊνι Χαρά“ Morgenfreude gegeben. Sie öffnet morgens ihre Blüten und schließt sie dann später.

Achtung! Teilweise toxisch für Mensch und Tier!

Worauf wir aber unbedingt hinweisen wollen, ist die relative Toxizität dieser wundervollen Ranke, denn sie ist für den Menschen mäßig, für Hunde und Katzen aber eher tödlich toxisch.

Für den Menschen sind die Samen der giftigen Prunkwinden vor allem für Kinder gefährlich. Der Grund ist der enthaltene Giftstoff Lysergsäureamid, der Halluzinationen hervorrufen kann. In verschiedenen Foren wurde auch schon berichtet, dass die Samen der Indische Prunkwinde aus genau diesen Gründen bei südamerikanischen Völkern sehr beliebt war/ist. Don´t try this at home!

Für Katzen sind die Reben, Blumen und insbesondere die Samen der Indischen Prunkwinde mäßig bis stark toxisch. Die Aufnahme bereits kleinerer Mengen kann zu Symptomen führen, die einer allergischen Reaktion ähneln. Bei Aufnahme größerer Mengen sind die Symptome deutlich schwerwiegender und umfassen u.a. Erbrechen, Orientierungslosigkeit, Durchfall, Zittern und Halluzinationen. Bei Verdacht auf Vergiftung bitte umgehend den Tierarzt Eures Vertrauens aufsuchen!!!

Nicht wesentlich anders verhält es sich bei Hunden: auch hier kann der Verzehr der Samen der Indischen Prunkwinde leichte bis schwere Vergiftungen verursachen, denn in den Samen stecken verschiedene Arten hochkonzentrierter schädlicher Alkaloide. Symptome einer leichten Vergiftung sind Erbrechen, Durchfall, Verwirrtheit oder Koordinationsverlust. Schwerwiegendere Vergiftungen können Halluzinationen, Zittern oder Leberversagen verursachen. Auch hier die Bitte: sofort zum Tierarzt und ihm auch gleich Euren Verdacht mitteilen, dann braucht er nicht so lange zu suchen!

Noch eine Anmerkung in eigener Sache: die Verfasserin dieses Artikels (also ich) hat in ebensolchem bewusst nicht gegendert – das widerspricht einfach meiner Sprachhygiene. Aber seid gewiss: all das gilt natürlich auch für alle LBGTQ-Kinder- Hunde- und Katzen-Ärzte (und -innen!) 😉

War das jetzt schon alles?

Es gibt noch viel über die Aufzucht und Pflege, den Licht- und Wasserbedarf und die regelmäßige Düngung dieser leicht toxischen Wunderranke zu berichten – auch dazu findet Ihr sicherlich ganz viel Information auf den entsprechenden Seiten im Netz.

Wir haben uns nur mal über „unsere“ wildwachsend- und -wuchernde Indische Prunkwinde informiert und können Euch über die Aufzucht „zu Hause“ in den gemäßigten Breiten somit wenig mitteilen. Nur soviel: „unsere“ wachsen hier komplett ohne Dünger, fast ohne Wasser, haben sich ihren Standort selbst ausgesucht und ranken sich lustig und launig überall hoch, wo es ihnen gefällt.

Radio Kreta – immer mitten drin in der Botanik.

3 Kommentare

  1. Das ist ein sehr informativer Artikel, Ευχαριστώ πολύ. Und toll, das auf das Gendern verzichtet wurde👍.

  2. Die Griechen haben ihr den wundwrbaren Namen “ Προϊνι Χαρά“ Morgenfreude gegeben. Sie öffnet morgens ihre Blüten und schliesst sie dann später.
    Liebe Grüße
    Tina
    P. S. :Ich weiss nicht, ob die griechische Rechtschreibung stimmt

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