Im Sommer beim Bäcker.

Von Paul Gourgai

der „summer slump“ beim Bäcker, bei unserer Bäckerin jedenfalls hat kuriose Gründe:

Bei uns im Dorf, am Rand der Ebene, die sich bis zur Küste ausdehnt, gibt’s eine Bäckerei, die im Sommer recht oft menschenleer ist; am Brot wird’s nicht liegen, denn das schmeckt im Winter, wenn der Laden vom Vormittag bis zum Nachmittag ziemlich frequentiert wird, nicht anders, nämlich eigentlich nach nichts; und es schmeckt uns doch so gut, weil wir es bedächtig kauen, so wie es die Menschen hier alle tun; viel Muße für gerade ein paar Cents.

Den wahren Preis zahlt man freilich anders: Wenn eine Kundschaft die Backstube betritt, so verschwindet im selben Moment die Bäckerin im troglodytisch angelegten Ofenzimmer neben ihrer Wohnhöhle und kehrt erst zurück, wenn man in diesem Glutofen schon halb umgekommen ist.

Morgens beim Bäcker in Paleochora.

Wir hatten sogar schon das Gefühl, dass sich die liebe Frau Bäckerin richtig daran delektiert, wenn sie sich möglichst viel Zeit dabei lässt, das Brot aus dem Fach zu nehmen, und dann wieder Zeit zäh verstreichen lässt, bis sie ganz langsam, ganz umständlich das Wechselgeld herauskramt. Und wenn sie spürt, dass dir der Schweiß schon in den Nacken rinnt, dann lässt sie sich ein wenig noch, ein diabolisch zögerndes Etwas noch Zeit, bis sie dir endlich das Brot über die Budel herüberreicht.

Wir sagen uns dann, dass wir einfach zu ungeduldig sind. Die Leute hier sind nicht so hektisch.

In den Wintermonaten hingegen ist der Laden voll, es gibt genug ältere Männer in der Gegend, die sich das Heizen nicht leisten können; da ist es eine willkommene Gelegenheit, wenn man um den Preis eines Brotlaibs einen ganzen Vormittag lang die von der Nacht her gefrorenen Gebeine in der wohligen Wärme der Backstube auftauen kann; obendrein kann man über dies und das plaudern; und manchmal rennt dann sogar richtig der Schmäh.

Schöne Grüße

Paul

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