Medizinische Versorgung auf Kreta – Teil I.

Heute wollen wir mal mit der Griechen-Schelte bzgl. der medizinischen Versorgung aufräumen. Also zumindest hier auf Kreta. Naja, hier in (Süd-)West-Kreta, wobei wir sicher sind, dass unsere Erfahrungen und Beobachtungen auch für den restlichen Teil der Insel Gültigkeit haben.

Der Hintergrund

Es wird Winter, die Allerneuesten sind wir auch nicht mehr, manchmal zwickt´s hier oder es hakt da – wobei, mit den Herbsterkältungen sind wir eigentlich (knock knock knock – dreimal auf Holz geklopft….) soweit durch, aber dennoch – irgendwie wäre dann doch mal so ein Check-Up fällig. Und da wir gerade neulich von unserer Nachbarin erfahren haben, dass das Gesundheitszentrum Kandanos (Kentro Ygeias Kantanou – ) mittlerweile sowohl Blutabnahmen als auch Laboranalysen selbst vor Ort durchführt – man also dafür nicht extra nach Chania fahren muss – dachten wir uns, „jetzt oder nie!“

Der große Psarantonis in Kandanos.

Erst mal bei unserer lieben Olga angerufen, die dort arbeitet, aber (natürlich) ausnahmsweise grade mal in Urlaub war. Also das Gesundheitszentrum direkt kontaktiert, nach einem Termin zur Blutabnahme gefragt und dann doch auch prompt einen bekommen. Zwar erst zweieinhalb Wochen später, aber immerhin. Und am vergangenen Freitag, dem 30. November um 9h war es dann auch so weit.

Der Termin

Wir sind vorsichtshalber etwas früher dort aufgeschlagen, denn manchmal ist dort recht viel los – es war aber alles ruhig. An der Rezeption trugen wir unser Anliegen vor und wurden gebeten, doch bitte noch etwas zu warten. Um 9h schlug dann der erste Doc auf, kurz danach der zweite, der uns auch ein paar Minuten später in sein Behandlungszimmer bat.

Er fragte natürlich nach dem Grund unseres Kommens und dann direkt auch nach der Versicherungssituation. Sprich: in Griechenland versichert (IKA, TEVE o.a.?) oder irgendwo anders oder gar nicht? Auf unsere Antworten hin (Su hat IKA, Jörg nicht) wurde uns erklärt, dass die IKA diese Kosten übernimmt, Jörg allerdings erst mal in Vorkasse gehen muss (und mit etwas Glück von seiner Versicherung die Kosten erstattet bekommt).

Die Kosten für ein (nicht ganz) großes Labor belaufen sich auf ca. 80,- Euro, die Kosten für „nur das Nötigste“, sprich Leberwerte, Cholesterin und sonstige vitalfunktionell wichtige Werte auf rund 50,- Euro. Deal!

Dieser freundliche Doc, der erst mal eine erfrischende Mischung aus griechisch und ausgezeichnetem Englisch mit uns sprach, merkte ob der Konversationen zwischen uns beiden aber natürlich schnell, dass wir Deutsch sprachen und grätschte gleich mit ein. In ziemlich ziemlich gutem Deutsch! Sehr sehr nett.

Nun gut, er füllte uns unsere jeweiligen Zettelchen aus und schickte und in den 1. Stock in´s Labor zur Blutabnahme. Die Ladies dort sprachen ausschließlich Griechisch, was aber auch keinerlei Problem darstellte, da wir ja erstens eh unsere aussagekräftigen Zettel bei uns hatten und zweitens unser Griechisch durchaus ausreichend für die notwendigen Konversationen war.

Und dann war´s quasi schon vorbei. Blut abgezapft, Zettel unterschrieben und am Montag können wir unsere Ergebnisse abholen. Ich (da IKA versichert) direkt in Kandanos, Jörg im General Hospital Mournies in Chania. Irgendwann jederzeit nach Montag. Ratzfatz geht das. Und bezahlen mussten wir auch noch nix, da die Menschen in Kandanos sagen wir sind Ärzte, wir machen unseren Job. Mit Abrechnungen haben wir nix zu tun, das müssen andere machen“. Prinzipiell schon richtig, aber die Frage „und wer bezahlt dann wieviel wo?“ bleibt momentan schon noch offen. Aber vielleicht werden wir dann ja in Chania zur Kasse gebeten – wir werden berichten….

Die Kirche in Kandanos.

Guter Dinge, weil wieder mal wieder was erledigt, begaben wir uns dann auf den Weg zum Ausgang, als uns unsere liebe Olga über den Weg lief, die uns natürlich erst mal ganz entsetzt fragte „was macht Ihr beide denn hier!!?!??!????“ (sie kennt mich u.a. auch aufgrund meiner beiden Mittelfussknochenbrüche – ihr schwante von daher sicher schon Fürchterliches…..). Auf unsere lapidare Auskunft hin, dass wir uns zwecks eines Checks einfach mal einem Aderlass unterworfen hatten, bekamen wir erst mal ein dickes Lob und auf den Fuß folgte die Frage „wann gehen wir denn nun endlich mal Kaffee trinken?!?“. Okay, für „demnächst jetzt im Winter“ verblieben, dann noch ein bisschen Palaver bzgl. des spontan-akuten Wintereinbruchs und dann – wenn man dann doch schon mal eine Spezialistin vor sich hat – gleich auch noch bezüglich der „Hausarzt“-Regelung nachgefragt.

Jeder Versicherte braucht hier auch einen Hausarzt

Hatte uns unsere Nachbarin doch neulich erzählt, dass nun jeder in Griechenland Versicherte auch einen registrierten Hausarzt (Ikogeniakos Iatros – οικογενειακός γιατρός ) haben muss (was im Falle der Nichterfüllung dieser Auflage passiert, entzieht sich momentan noch unserer Kenntnis, aber das kriegen wir auch noch raus!) – und dass die Frist für besagte Registrierung am 30.11. auslaufen würde. Und dieser Tag WAR der 30.11.! Aber Olga konnte mich dahingegend beruhigen, als dass die Frist erst zum Ende des Jahres ausläuft – uff, noch ein paar Tage Zeit gewonnen. Und – noch viel wichtiger! – sie konnte mir auch genau sagen, welche Unterlagen ich dafür brauche, nämlich:

  • Personalausweis oder Reisepass
  • AMKA
  • Nachweis des Wohnsitzes (auf den Versicherten laufende Strom- oder Telefonrechnung, Mietvertrag o.ä.)
  • Telefonnummer
  • Polizeiliche Anmeldung respektive Aufenthalts-/Arbeitsgenehmigung (Adeia Diamonis – άδεια διαμονής)

Mit all diesen gesammelten Werken (zur Vorsicht und aus Behörden-Erfahrung nehme ich auch noch Geburts- und Heiratsurkunde, die Steuererklärungen der letzten 3 Jahre, mein Seepferdchen-Abzeichen und mein Abi-Zeugnis mit….) werde ich also nächste Woche dort nochmal auftauchen und direkt nach der Abholung meiner Laborwerte zwei Zimmer weiter auf der rechten Seite die nette Dame vom Büro kontaktieren, die mir dann meinen Hausarzt (der vermutlich eine Hausärztin sein wird) zuweisen. Und für den Fall der Fälle hat mir Olga ihre tatkräftige Unterstützung angeboten – ich hoffe, ich werde nicht darauf zurückgreifen müssen….

Kurzum: Für griechische Verhältnisse verlief unsere Kandanos-Aktion überraschend und erfreulich geschmeidig und problemlos – alle Beteiligten waren extrem hilfsbereit und freundlich, so wohl kann man sich in einem Krankenhaus eigentlich gar nicht fühlen, auch wenn die Einrichtung natürlich eher an die späten 60-er Jahre des vorigen Jahrhunderts erinnert. Aber die Menschen, die dort schalten, walten und arbeiten, erfüllen die Räume mit Zuverlässigkeit und einer Atmosphäre des Vertrauens. Und das ist sicher nicht selbstverständlich. Nirgendwo.

Radio Kreta – unterwegs im griechischen Bürokratie-Dschungel.

Ausflugstipp: Das „Märtyrerdorf“ Kandanos.

 

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