Souvlaki wird in Griechenlands Krise zum Fastfood-Star

Von STELIOS BOURAS

ATHEN—Giorgos Fragioudakis steckte in der Sackgasse: Seine Werbeagentur war der griechischen Wirtschaftskrise zum Opfer gefallen, und er war arbeitslos. In seiner Geldnot entschied sich der Familienvater, den Beruf zu wechseln und in einen der wenigen Zweige der griechischen Wirtschaft einzusteigen, der noch wächst: die Souvlakibranche.

Das Geschäft boomt. Das Restaurant, das er vor nur wenigen Monaten mit zwei Partnern eröffnet hat, hat schon fast die Gewinnzone erreicht. Obwohl er zuvor keine Erfahrung darin hatte, Grillfleisch am Spieß zu servieren, sieht Fragioudakis doch Parallelen zwischen der Werbebranche und Fastfood. „Ich hatte keine Ahnung von Souvlaki, ich lerne jeden Tag etwas dazu“, berichtet er. „Aber die Organisationsfähigkeit, die man für den Abschluss eines Werbeprojekts braucht, ist riesig. Und das hilft auch in diesem Geschäft.“

Was dem Deutschen seine Bratwurst, sind dem Athener seine Souvlaki. Der griechischste aller Snacks prägt die Küche des Landes bereits seit der Antike. Homer erwähnt ihn in der Ilias und der Odyssee. Archäologische Funde lassen vermuten, dass die Fleischspießchen schon seit 3.500 Jahren verkauft werden.

Nun feiern die Souvlaki in Griechenland ein Comeback. Obwohl es kaum harte Zahlen gibt, so dürften in den letzten Jahren hunderte neue Läden geöffnet haben – während internationale Ketten wie McDonald’s Filialen geschlossen haben.

Lecker: Souvlaki vom Grill

Sterneköche verfeinern Snack-Klassiker

Sterneköche haben es sich zur Aufgabe gemacht, die alten Rezepte aufzufrischen. Statt traditionellem Fleisch wie Hühnchen oder Schwein gibt es jetzt Souvlaki mit Garnelen, Schwertfisch oder Speck. Einige Grills bieten statt dem gewöhnlichen Fladenbrot Pitas aus Roggen oder Maismehl dazu an.

Was steckt hinter dem Souvlaki-Hype? Für einige ist es ein in der Wirtschaftskrise neu entdeckter Patriotismus, der die Griechen die Nase über Hamburger oder Sushi rümpfen lässt. Andere sehen die Kräfte des Marktes am Zug. Billiger als Souvlaki geht es kaum, bei 2 Euro oder weniger je Spieß. Wiederum andere sehen in Souvlaki, meist serviert mit Tomaten, Pommes frites, Zwiebeln und Tsatsiki, das ideale Fastfood.

„Tsatsiki. Kartoffel. Zwiebel. Tomate“

Alt und Jung, Reich und Arm greifen derzeit zum Souvlaki. Trotz der Krise essen die Griechen noch immer gerne im großen Kreis, auch wenn das Geld knapp wird. Von diesem Trend wollen immer mehr Arbeitslose profitieren, die ihren eigenen Grill eröffnen. „Für Griechen gibt es keine Krise, wenn es ums Essen geht“, sagt Fragioudakis. „Griechen haben eine erotische Beziehung zum Essen. Ein Grieche kann in der Krise vielleicht nicht viel tun, aber er wird auswärts essen gehen.“

Die griechische Punkband Mpliax 166 greift den Trend in einem Song namens „Souvlaki mit Pita“ auf. Nicht nur der Refrain „Tsatsiki. Kartoffel. Zwiebel. Tomate“, lädt zum Headbangen an:

Quelle und mehr: The Wall Street Journal
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Auch lecker. Gyros Pita (hier ein Rezept). Die Preise liegen z. Zt. zwischen 1,50 – 2,50 €uro.


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