Thomas Cook: Was sind die Ursachen für die Pleite?

Das erklärt uns Thomas Drensek vom Reiseradio.

Was sind denn die Ursachen für die Pleite?

Da gibt es hausinterne Gründe, aber auch externe Einflüsse. Wir reden ja immer über den britischen Teil von Thomas Cook. Die deutschen Veranstalter, wie Neckermann, Thomas Cook Signature, Öger und so weiter machen eigentlich einen guten Job – werden jetzt aber mit in den Strudel gerissen. 

Die Brexit Sorge ist ein Riesenthema in England. Das Pfund ist jetzt schon abgewertet. Urlaub ist teurer geworden in Europa. Und viele bekommen mittlerweile doch Angst, was passiert, wenn Crazy Johnson sich ohne Abkommen vom Acker macht? Sollte man da nicht lieber etwas Geld auf der hohen Kante behalten…? Dazu kommt: Thomas Cook ist eher ein Veranstalter für das Proletariat. Und in diesen Gesellschaftsschichten ist man extrem preissensibel.

Jetzt die hausinternen Gründe:

In weiten Teilen ist Thomas Cook auch heute noch vor allem ein Vermittler von reservierten Urlaubsbestandteilen. Man hat Zugriff auf Hotelzimmer, Flüge, Transfer-Busse und so weiter und bastelt daraus ein Paket und verkauft das. Schön, aber damit kann man kein Geld verdienen. Die Gewinnmarge liegt bei etwa 2 Prozent. Also bei einem 1.000 Euro Urlaub verdient Thomas Cook 20 Euro. Das muss man sich mal vorstellen. Da wird so ein Riesenrad gedreht mit tausenden von Angestellten und einem weltweiten Netz von Service, und am Schluss plumpst da so etwas Mickriges ins Gewinntöpfchen.

Andere Veranstalter, wie die TUI, haben da schon längst umgesteuert mit ganz vielen eigenen Hotels, wo natürlich viel mehr Marge hängenbleibt. Oder die eigene Mein Schiff Flotte. Dann, habe ich schon gesagt, hat Thomas Cook eher die Urlauber, die nicht so viel Geld ausgeben können. Der Durchschnittserlös pro Ferienbuchung ist geringer. Sie macht aber leider nicht weniger Arbeit und Personalaufwand. 

Und warum es damals Anfang der 2000er Jahre wegen der Hybris einiger Manager diese Schnapsidee gab, ein gesundes deutsches Unternehmen an die Londoner Börse mit ihrer Zocker-Mentalität zu bringen, wo seitdem der Schwanz mit dem Hund wackelt, darüber könnten wir mit Wissen von heute noch Stunden diskutieren…

Den gesamten Beitrag findet ihr auch als Audio auf der Website von Thomas.

 

Der griechische Hotelverband rechnet mit einem Verlust von bis zu 500 Millionen Euro. Viele Hotels müssen vorzeitig schliessen. Angestellte werden vorzeitig entlassen und erhalten dadurch nur ein verringertes Wintergeld. Diese Krise betrifft jeden auf Kreta.

Während man das hier schreibt, verfolgt man immer noch mit halbem Auge die aktuellen Nachrichten. Mittlerweile berichtet die Tagesschau von Krisenstäben, weil 50.000 Menschen in Griechenland von der Not betroffen sind.

Damit sind natürlich nicht die Beschäftigten in der Tourismusbranche gemeint oder die Beschäftigten der Thomas-Cook-Unternehmen, auch nicht die Flüchtlinge in den Lagern, sondern die Urlauber.

Der Pauschalurlauber.

Die wahnsinnige Anfälligkeit der Deutschen für All-inclusive-Urlaube und Pauschalreisen. Sie sind nicht nur gerne Propellerväter und Propellermütter, sie mögen es auch, im Ausland propellert zu werden.

Die meisten Deutschen lassen sich in ein Hotel ans Meer bringen und bewegen sich in einem Radius zwischen Buffet, Pool und Bar. Das beantwortet natürlich ganz nebenbei die Frage, warum sich kaum eine Nation so viel und häufig in der Welt bewegt und genauso unwissend zurückkehrt wie zum Zeitpunkt der Abreise.

Niedriglohnbeschäftigte Griechen, Italiener, Ägypter, Marokkaner, Portugiesen und so weiter tragen den Deutschen die gebratenen Koteletts und Cocktails an die Liege. Aber wenn man ihn fragt, den Deutschen oder Engländer, ob diese Leute umgekehrt auch mal kommen und arbeiten dürfen, dann lautet die Antwort: AfD, Pegida, Brexit.

Der Pseudo-Kapitalismus in Griechenland.

Das schreibt der gut informierte Griechenland-blog.gr dazu:

Lassen wir uns jedoch einen Blick auf die Reaktion der Übrigen werfen. Die Firmenleitung der Thomas Cook in Britannien verlangte staatliche Hilfe und fand – wie vorstehend angeführt – eine Wand vor sich. Indessen verlangte in Griechenland das gewerkschaftliche Organ der Hoteliers (SETE) ab dem ersten Moment staatliche Unterstützung und fand eine Erwiderung.

Hier wird aber eine Frage geboren: Wie normal ist es, dass Unternehmer der Tourismusbranche, die mitteilten, vom Staat Handlungsfreiheit gewollt zu haben, nun für ab dem ersten Moment eingegangene (unternehmerische) Risiken staatliche Hilfe verlangen? Ein wie sehr kapitalistisches Verhalten ist das? Die Antwort lautet, dass es sich nicht um den Kapitalismus mit der klassischen Bedeutung des Begriffs, sondern um einen Kapitalismus auf griechische Art handelt.

Leider ist die Mentalität sehr verbreitet, gemäß der die Unternehmer sich selbst dann, wenn die Verluste aus ihren eigenen Risiken herrühren, wegen staatlicher Unterstützung an die jeweilige Regierung richten sollen. Und sie ergänzt die jahrzehntelange Gepflogenheit, gemäß der die große Mehrheit wenig eigenes Geld in das Aktienkapital der Firmen einbringen und sich auf Kredite, Subventionen usw. verlassen soll.

Diese Mentalität hat in Griechenland tiefe Wurzeln und es wird viel Zeit nötig sein, damit sie sich ändert. Leider. Bis dahin werden ein Teil oder sogar alle der Verluste weiterhin sozialisiert und die Gewinne privatisiert werden.

Ein Kommentar

  1. „… sie mögen es auch, im Ausland propellert zu werden.“

    😀

    Treffender Beitrag!

    Die Pauschal-Hoteliers hier verdienen pro Tag am Gast auch verschwindend gering. Manche lassen sich halt trotzdem drauf ein. Prinzip Aldi. Ich rede nicht von den Grossen, die müssen auch nach anderen Gesichtspunkten entscheiden, nicht immer ökonomisch…

    Beim Touri-Alkoholkonsum kannst Du Umsatz und Gewinn erzielen, weil die Briten und Deutschen auch wie daheim, sogar verstärkt, weiter-saufen: auf Kreta dann halt: entschuldigtes Urlaubs-Saufen in der Sonne…Frau kriegt ’ne Gold-Kette, dass sie’s Maul hält und die Kinder 5 Eis, dass das Maul voll ist und sie nicht plärren…

    Vielleicht hat diese Pleite auch was Gutes (persönlich tut es mir für Betroffene natürlich Leid).

    Die value-chain wird somit korrigiert. Das gehört auch zum Kapitalismus. Eine Woche Kreta AI für 400Euro geht nicht mehr. Hoffentlich. Endlich!

    Sauft’s ruhig weiter, aber zahlt’s halt angemessen.

    Grüsse aus Άρβι

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