Wer oder was ist eigentlich diese „Panigiri“?

Mit dem Beginn des Frühlings, der ja auch dieses Jahr nun mal wieder in Nullkommanix in den Sommer übergeht, beginnen auch überall auf Kreta die „Panigiri“-Festivitäten in den Dörfern. Grobe Regel dafür: jedes Dorf, das eine Kirche hat (und selbst die kleinsten Häuseransiedlungen haben gefühlte 8-10 Kirchen und Kapellchen um sich rum….) feiert am Namenstag des jeweiligen Schutzheiligen der betreffenden Kirche oder Kapelle die „Panigiri“ (Πανηγύρι).

Aber was hat es nun mit dieser Panigiri auf sich?

Die Panigiri ist eine jahrhundertealte traditionelle Festivität, die vor allem auf den griechischen Inseln zu Ehren des jeweiligen Schutzheiligen des betreffenden Dorfes zelebriert wird.

Moustakos Schild
Westkreta. „Panigiri“ in Moustakos.

Hier geht es natürlich erst mal wieder um hochheilige Kirchengänge, Prozessionen, viel Weihrauch und kirchliche Gesänge, Segnungen und Weihwasser-Duschen. Aber auch – und eigentlich vor allem – um gute Musik und den entsprechenden Tanz, jede Menge Essen und Wein, denn das sind die integralen Bestandteile einer solchen Feier unter freiem Himmel.

Getrunken wird natürlich jeweils auf das Wohl des/der entsprechenden Heiligen – und selbstverständlich auf das seiner/ihrer anwesenden Namensvetter(inne)n. Zu vorgerückter Stunde spielt dann meist eine Live-Band traditionelle Weisen auf, alle singen mit und fangen an zu tanzen – und das kann bis in die frühen Morgenstunden dauern….

Ganz vom kirchlichen Hintergrund abgesehen vermittelt solch eine „Panigiri“-Feier dem „Xenos“ – dem Fremden, dem Gast – auch das Gleichgewicht zwischen „wild“ und „heiter“, zwischen Tradition und Innovation, zwischen Entspannung und lebensechter Freude. Eine „Panigiri“ ist eine wundervolle Gelegenheit Jung und Alt zusammen zu bringen, „echte“ Einheimische zu treffen, zu tanzen, zu reden, zu trinken und zu essen – und das Leben zu feiern.

Eine solche Veranstaltung ist ein einzigartiges Erlebnis, das man während des Sommers in Griechenland auf keinen Fall verpassen sollte, denn es ist eine wunderbare Mischung aus religiöser Zeremonie und gesellschaftlichem Fest, das man fortan immer im Herzen tragen wird.

Moustakos Karte
Links oberhalb von Paleochora liegt Moustakos. Bei gutem Wetter kann man von dort bis zum Peleponnes sehen.

Wir sind am morgigen Samstag zur Panigiri „Agiou Dikaiou“ (Αγ. Δικαίου) eingeladen, ein paar Kilometer hoch in den Bergen, oberhalb von Voutas, in der Nähe von Moustakós.

Wir treffen uns gegen 9h mit Wasilis und Kimonas, um uns dann gemeinsam auf den Weg zu machen. Wie die ganze Sache ausgeht bzw. ausgegangen ist, erfahrt Ihr dann am Sonntag….

Radio Kreta – Tradition trifft Moderne. Oder umgekehrt.

Update am „Tag danach“.

Wir wurden bereits auf dem Weg zur morgendlichen Hundefütterung und -bespaßung um kurz vor halb acht im Dorf angehalten – und zwar von Kimonas, der uns diesen Ausflug vorgeschlagen und an´s Herz gelegt hat. Kurze Ansage:

„Abfahrt ist bereits um 8h, also bitte heute mal schneller füttern und am Besten Coffee-to-go ordern!“ 

Nun gut, wir waren etwas später, also telefonierte man sich um kurz nach acht Uhr nochmal zusammen. Neuer Plan: wir treffen uns in Elos, da kommen dann auch noch andere hin. Hmmmm, Elos? Wir wären eigentlich die Route über Voutas gefahren, folgten dann aber doch lieber der Anweisung des ortskundigen Kimonas.

War auch schön, nach langer Zeit mal wieder die Strecke nach Elos zu fahren und man traf sich im Ortskern bei den Tavernen. Kurzes Palaver, durchzählen, ob alle da sind, noch das ein oder andere Telefonat und los gings bergauf. Alle folgten nun Panagiotis in die kleine Straße, die links vor der Taverne „Filoxenia“ den Berg hochgeht. Zuerst war das noch ganz schön, ein befestigter Betonweg und immer schönere Aussicht.

„Camel Trophy“ auf Kreta

Nur dann kam´s: der Betonweg ging in eine wüste Schotterstraße über, auf der sich tiefe Schlaglöcher, durch Starkregen ausgewaschene „Flussbetten“ und wahlweise Felsbrocken abwechselten. Dazu linkerhand Felsen, rechterhand steile und immer tiefer werdende Abhänge. Mal gut, wir fuhren alle in die gleiche Richtung, denn Gegenverkehr wäre meist ein großes Problem gewesen.

Und so „humpelten“ wir 12 km bergan, wofür wir eine geschlagene Stunde brauchten!

Beeindruckend war zugegebenermaßen sowohl die atemberaubende Natur ringsrum, als auch die vielen Autos, die sich vor und hinter uns die Serpentinen hochschlängelten. Das gab schon mal einen Vorgeschmack darauf, wieviele Leute sich wohl an der Kapelle zur „Panigiri“ einfinden würden…

Rauchverbot in Griechenland. Gilt auch für Schafe?

Nun gut, meine größte Sorge war, dass wir uns auf diesem Geröll sicher mindestens einen Reifen zerschneiden würden – aber nur so lange, bis die Aufhängung unseres Auspuffs den Geist aufgab… Kurz in den Staub gelegt, den Auspuff notdürftig wieder befestigt und weiter gings. Rumdrehen wär ja eh nicht gegangen…

Panigiri auf kretisch

Endlich am Ziel angekommen waren wir zugegebenermaßen recht beeindruckt. Einerseits von der Menschenmenge, die sich bereits so früh am Morgen dort eingefunden hatte (über die „Parksituation“ schweigen wir jetzt lieber mal….), andererseits von dem wirklich überwältigenden Ausblick ringsherum. Bis zum Peloponnes reichte der Blick zwar leider nicht, da es etwas diesig war, aber was wir sahen, hat auch gereicht.

Die Panigiri an sich war ungefähr so, wie man sich das vorstellt: viele viele Leute, die sich auf kleinem Raum drängten, der Segnung des Priesters nur kurz mal beiwohnten, auf der kleinen, die Kapelle umgebende Burg ein- und ausgingen, sich gegenseitig lautstark begrüßten und dann, beim nach der Segnung eröffneten „Buffet“ beim drängelnden Schlangestehen schwatzten und schmatzten und sich und anderen gegenseitig auf die Füße traten.

Bei klarem Wetter kann man von der Kapelle aus bis zum Peleponnes sehen.

Auch wir trafen unverhofft einige Bekannte dort, was mal wieder schön war, uns aber trotzdem nicht allzu lange dort gehalten hat. Uns war es wichtiger, wieder heil „runter“ und nach Hause zu kommen, bevor sich der Konvoi der Griechen bergab in Bewegung setzen würde. Diese Tour ist auch mit Geländewagen NICHT empfehlenswert.

Das haben wir auch glücklicherweise geschafft, der Auspuff hängt immer noch in seiner provisorischen Hundeleinen-Aufhängung und wir ließen den angebrochenen Mittag in einer unserer Lieblingstavernen in ruhiger „paréa“ ausklingen – wo sich auch kurz nach uns unser Kimonas einfand – selbst ihm war das da oben zuviel geworden….

Radio Kreta – Einfach leben (manchmal gar nicht so einfach….!)


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