Aus der Backstube: „Paximadakia Charoupiou“ – Johannisbrot-Paximadi.

Manchmal ärgert man sich oder ist leicht genervt, manchmal hat es aber auch sein Gutes, an einen tendenziell eher muffeligen, phlegmatischen und überhaupt scheinbar arbeitsunlustigen Schlachter zu geraten. Das geht sogar soweit, dass man am frühen Morgen (ca. 8h) mit einem fröhlichen „Kalimera!“ in die Schlachterei reinschneit, den Hausherren meteo.gr-studierend am PC vorfindet, sich seinen halb fragenden, halb vorwurfsvollen Blicken aussetzt und auf die lapidare Frage „hast du Haxe (wahlweise Leber, Schweinelendchen oder auch mal Rindersteak)?“ erst mal ein promptes, fast reflexartiges „Ochi!“ erntet. 

Dieses „Ochi“ kommt aber meist so schnell und so wenig überzeugend, dass sich der Schlachter dann ob meiner ungläubig gerunzelten Stirn und der tiefen Enttäuschung in meinen Augen doch meist aufrappelt, seufzend erhebt und komplett unmotiviert in sein Kühlhaus schlappt, von wo er dann doch meist das Gewünschte anschleppt.

So auch heute wieder. Warum ich trotzdem immer wieder in diese Schlachterei gehe? Nun, weil die Qualität der Ware einfach einwandfrei ist, man hier fast immer frische Lammleber zum günstigen Preis von 5€/kg bekommt, weil er einem sogar ohne nachzufragen (er schaut einen halt nur immer etwas fassungslos an) ein schönes Stück Bauchfleisch – wahlweise Haxe – MIT Haut  verkauft und dann sogar den kg-Preis runtersetzt, da man ja schließlich den „Abfall“ (also die Haut) mitkauft, und weil sowohl des Schlachter´s Frau als auch sein kleiner Angestellter extrem freundlich sind und damit einiges wieder wett machen. Und außerdem hat er – wenn er denn welchen hat – den leckersten kleinen, törtchenförmigen Anthotiro (den leckeresten griechischen Weichkäse überhaupt!) des ganzen Dorfes!

Beim Schlachter in Paleochora

Nun traf es sich heute, dass ich so ziemlich um Punkt 8h in die Schlachterei reinschneite. Des Schlachters Frau brachte grade die Kinder zur Schule, Monsieur studierte mal wieder meteo.gr und die Auslage war noch leer. Meiner angesichtig geworden erhob sich der Maestro unwillig vor sich hin grummelnd, begab sich hinter die Auslage und fing erst mal an, in aller Seelenruhe ebendiese einzuräumen. Wohlgemerkt: bis dahin war außer meines gut gelaunten „Kalimera!“ noch kein Wort gefallen! Schlapp schlapp schlurf in die Kühlkammer, schlurf schlurf schlapp zurück – aha!: Schnitzel. Dasselbe nochmal: hui! Souvlakia! Und noch einmal: auch nicht schlecht – Hühnerkeulen! Und so weiter und so fort.

Da ich ziemlich genau wusste, was noch kam (Kouneli, Rindfleisch, ganze Hühner, Hühnerbrust, Rinderleber etc.) ging ich dazu über, mich noch ein bisschen in dem mir eigentlich recht gut bekannten Laden umzusehen, hatte der Herr des Etablissements doch vor nicht allzulanger Zeit auch Paximadia der verschiedensten Arten mit in sein Sortiment aufgenommen. Da gibt es „normale“ Paximadi, solche mit Oliven, mit Sesam und mit getrockneten Tomaten, sogar Vollkorn-Paximadi und – und das war neu und deswegen umso interessanter für mich – Paximadi aus Johannisbrot! Das MUSSTE ich haben! 

Paximadi Johannisbrot
Lecker Zwieback.

Und da mein Wunsch nach einem Kilo Lammleber heute ausnahmsweise leider unerfüllt blieb, hatten wir doch beide ein Erfolgserlebnis: ich zog mit einer Tüte mit 350 gr. „Paximadakia charoupiou“ (Παξιμαδάκια χαρουπιού) für € 3,40 von dannen und der Schlachter hatte immerhin besagte € 3,40 Umsatz. So kann der Tag doch beginnen!

Leider durfte ich ob des Vetos des Scheffredakteurs nicht gleich im Auto über den Inhalt der Tüte herfallen, da vor dem Verzehr neuer Produkte bei uns immer erst mal das Foto steht – hmpf! Also ab nach Hause, schnell ein Foto gemacht und dann die Tüte aufgerissen. Und was soll ich sagen: Lecker. Einfach lecker. Die Konsistenz von herkömmlichem Paximadi, knusprig, aber nicht zu hart, nach längerem Kauen leicht süßlich (wie Charoupia – Johannisbrot – halt…) und passend zu herzhaft-salzigem wie auch zu süßem Belag wie Marmelade und Honig – und ganz arg lecker auch in Suppen!

Gesund soll´s auch noch sein, reich an Eisen, Kalzium und anderen Mineralstoffen und Spurenelementen. Und aus Kreta ist es auch noch, genauer gesagt, sogar aus Chania!

Radio Kreta – kulinarischen lokalen Geheimtipps auf der Spur.

Auch eine prima Idee für schwere Zeiten: Kaffee aus Johannisbrot.

3 Kommentare

  1. Kalispera Su, eine bisschen genaure Beschreibung wo sich genau der Schlachter in Pale befindet würde nicht schaden.

    vg, kv

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