Buchtipp: „Kretische Feindschaft“, von Frank D. Müller.

Der Auftakt zur ersten Urlaubs-Krimiserie, die auf Kreta spielt.

Vorhang auf für Kommisar Michalis Charisteas – stolzer Kreter, hartnäckiger Ermittler, verliebt in eine Deutsche, einer blutigen Fehde auf der Spur.

Wenn Kommissar Michalis Charisteas morgens den Blick auf den malerischen Hafen seiner Heimatstadt Chania genießt, kann er sich nicht vorstellen, an einem anderen Fleck der Erde zu leben.

Geschrieben auf Kreta – erschienen im April 2019.

Hier der Klappentext:

Von den Bergen weht der Duft von blühenden Olivenbäumen herüber und vom Meer der Geruch von Salz und Muscheln. Alles wäre perfekt, könnte in diesem Moment seine Freundin Hannah bei ihm sein. Aber Hannah ist Deutsche und kommt nur alle paar Monate nach Kreta, was für Michalis und seine große Familie jedes Mal ein besonderes Ereignis ist. So auch an diesem Tag Ende April. Doch noch vor Hannahs Ankunft steckt Michalis mitten in einem neuen Fall. Der Bürgermeister des Nachbarorts wird vermisst und kurz darauf tot in einem Autowrack an der Felsenküste gefunden. Ein tragischer Unfall, wie es schnell heißt.

Doch im Gegensatz zu seinen Kollegen gibt sich Michalis nicht mit einfachen Erklärungen zufrieden. Bei seinen nicht immer ganz offiziellen Ermittlungen stößt er auf alte Feindschaften, die weitere Opfer fordern werden …

Unsere persönliche Rezension des Buches:

Kretas Geheimnisse sind tief ….

Wenn Kreter aufeinander sauer sind, dann sind sie sich auch wirklich nicht grün. Jahre- und jahrzehntelange Vendetten waren auf Kreta durchaus langfristige Auswirkungen dieser Unstimmigkeiten. Auch heute noch – so munkelt man – soll das durchaus noch das eine oder andere Mal passieren. Nichts Genaues weiß man nicht. Und nichts Genaues wird auch polizeitechnisch nie ermittelt werden – aus den verschiedensten (persönlichen/familiären/karrieretechnischen) Gründen….

Das ist die Grundlage der Kriminalgeschichte „Kretische Feindschaft“ von Nikos Milonas. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich der kretabegeisterte Deutsche Frank D. Müller, der, wenn er nicht schreibt, in der Medienbranche tätig ist.

Zur Handlung:

In seinem ersten Fall zurück im Heimatort Chania auf Kreta – die Athener Polizei liebte ihn wegen seiner schon beinahe deutschen Gründlichkeit nicht sonderlich – beißt sich der sympathische Ermittler Michalis Charisteas an einem Unfall fest, den er nicht als einen solchen anerkennt. Außer dem Kommissar und dem eingeweihten Leser scheint das aber niemand zur Kenntnis nehmen zu wollen.

Trotz Verbots seines Vorgesetzten ermittelt er weiter bis – endlich – ein richtiger Mord passiert. So um Seite 250 herum. In der Zwischenzeit wird er von seinem direkten Vorgesetzen Koronaios, einem altgedienten Polizeioriginal, und von seiner deutschen Freundin Hannah tatkräftig unterstützt. Wir erfahren viel über unglaublich vielen liebenswerten Familienmitglieder der Charisteas‘. Im Wesentlichen sind das die unermüdliche Mutter, die gänzlich ungriechisch Lunchpakete packt und zur Arbeit mitgibt, der Bruder Sotiris, der die Hafenkneipe vom Vater übernommen hat, wo allabendlich vorbeikommende Familienmitglieder und Besucher mit Raki abfüllt werden, sowie eine große Anzahl an Nichten, Onkels, Tanten und Cousins incl. Schwager und Schwägerinnen 1-3. Grades derselben, die sich allesamt darum bemühen, dass die Beziehung zwischen Hannah und Michalis harmonisch verläuft, weshalb sie das durch ständige Telefonanrufe akribisch verfolgen. Der Autor führt uns bei seinen Recherchen in die westlichen Berglandschaften Kretas und dank Hannah´ss touristischen Ambitionen auch zu einigen Attraktionen.

Zum Ende hin überschlagen sich dann die Ereignisse. Die Polizisten rasen ins Bergdorf zum Showdown der Bösewichte verfeindeter Familien und können es gerade noch verhindern, dass weitere Morde geschehen. Und es stellt sich heraus: Die Ursache dieser Familienfehde war die bekannteste der Welt seit Romeo und Julia: die Liebe. Aber wie genau und wer mit wem und warum …. das müsst Ihr schon noch selbst lesen.

Ein bisschen Kritik…

Einige Kritikpunkte wollen wir dem Autor und seiner Lektorin aber doch noch mit auf den Weg geben.

Ich persönlich fand es störend, dass die Namen nicht korrekt waren. Delopoulou ist kein griechischer Familienname, er wäre wohl Delopoulos. Frau Kostopoulos wiederum wäre Frau Kostopoulou, denn die Frau erhält die Genetivform des männlichen Nachnamens. Desweiteren haben überraschend wenige der durchaus zahlreichen Protagonisten wirklich kretische Namen, die zu 90% auf -akis enden, sondern eher seltene Vor- und Nachnamen für diese Region Kretas.

Weitere kleinere Fehler haben sich ebenfalls eingeschlichen: Ein griechischer Geistlicher – ob Pappas oder Erzbischof, selbst der Patriach – wird außer zu den Osterfeierlichkeiten niemals sein feierliches Ornat anlegen, sondern grundsätzlich in seiner schwarzen Soutane kommen. Schade auch, dass zwar die Beerdigung des Bürgermeisters, nicht aber die kirchliche Zeremonie geschildert wurde, incl. offener Aufbahrung, die dort üblich ist.

Auch bezüglich der Gastronomie gibt es Fehler: Zucchiniblüten heißen in Kreta als schmackhafter Snack „Anthous“ und nicht „kolokusoluluda“, was die ungekochte Blüte bezeichnet und sich im Übrigen als „kolokitholoulouda“ transkribieren würde – genauso wie „jemista“ als „gemista“. Der Plural von Frappé ist „Frappédes“ und nicht „Frappés, auch bei anderen Köstlichkeiten gibt es zumindest Schreibfehler – vielleicht sollte der Autor dann einfach bei der deutschen Version der Leckereien bleiben….

Kreuzfahrtschiffe sind bei den Einheimischen eher unbeliebt, da die Gäste gewöhnlich an Land wenig oder gar nicht konsumieren, dafür aber viel Lärm, Unruhe und Umweltverschmutzung mitbringen. Und zu guter Letzt wird auch gemeinhin kein Grieche innerhalb der Familie Raki in Massen konsumieren wie der Deutsche seinen Klaren, sondern diesen höchstens in Maßen zu den köstlichen kretischen Vorspeisen, den Mezé (oder Mezédes) genießen.

Desweiteren blühen Olivenbäume in einem – wie mehrfach erwähnt – sehr kühlen April noch nicht, die Orangenbäume schon gar nicht.

Dies kreide ich jedoch eher der Lektorin an, die sich um derlei Ungereimtheiten kümmern müsste, als dem deutschsprachigen Autor, der sich Kreta zum Lieblingsurlaubsdomizil erkoren hat, wo der Raki auf den abendlichen Touristentischen wirklich immer fröhlich kreist.

Aber das sind alles Kleinigkeiten, die dem deutschen Leser in aller Regel nicht auffallen und von daher auch nicht störend sind. Alles in allem ist es ein netter, ordentlich recherchierter Urlaubskrimi, wo auch die Romantik nicht zu kurz kommt.

Lokalkolorit und Urlaubslaune wurden eingefangen und schon das Cover macht Lust auf Kreta.

Sicherlich wird er auf vielen Strandliegen zu finden sein – ganz besonders auf denen im Westen der Insel, wo die Leser die Orte direkt besuchen können, um sich von deren Authentizität zu überzeugen.


Über den Autor

Nikos Milonás alias Frank D. Müller hat sich bereits im jungen Alter von 17 Jahren bei seiner ersten Kreta-Reise in die Mittelmeerinsel verliebt. Aus einem kühlen norddeutschen Sommer kommend, war er überwältigt, als er vom Schiff aus die Küste zu Gesicht bekam und der intensive Duft von wildem Thymian übers Meer zu ihm herüberwehte.

Seither verbringt er so viel Zeit wie möglich auf Kreta und hat Land und Leute fest ins Herz geschlossen. In seinem deutschen Leben wohnt der gebürtige Hamburger mittlerweile in München, arbeitet als Regieassistent und Dokumentarfilmer und ist (Co-)Autor diverser TV-Sendungen (u.a. »München 7«). »Kretische Feindschaft« ist sein erster Krimi und der erste Fall für Kommissar Michalis Charisteas.

Hier kann man das Buch auch bestellen:

Wir verlosen das Buch: Welche Stadt ist auf dem Buchcover zu sehen. Wer die Antwort weiss, der schreibe es in den Kommentar.

20 Kommentare

  1. Schönes Buch.
    Ich liebe Lektüre über Griechenland.
    Auch Romane finde ich supi.
    Man spürt beim lesen das Land und wie die Menschen dort sind.
    Ach ja die Stadt auf dem Buchcover ist CHANIA.

  2. Kalimera!
    Als langjährige Kreta-Reisende sollte ich doch wissen, dass es sich bei der Stadt auf dem Cover um Chania handelt! Ich liebe Kreta Krimis, mein letzter war „Schmetterlingsschwestern“ von Doris Köhl – auch sehr empfehlenswert! Sollte ich zu den glücklichen Gewinnern gehören, würde ich mich sehr freuen, die neue Lektüre beim nächsten Kretaurlaub im September lesen zu können! Lg Kerstin Hamacher

  3. Moin und Kalimera, habe den Krimi „Kretische Feindschaft“ gelesen, kann ich absolut empfehlen, sehr spannend und die Tradition/Kultur der kretischen Familien kommt gut rüber.

    Davor habe ich die Kreta-Romane „Dionysos Bar“ und „Licht über Kreta“ gelesen, die ich nicht empfehlen kann, zu langweilig geschrieben bzw. zu schnulzig.

    kaló savvatokyriako, kv

  4. Das ist das wunderschöne Chania!
    Ein Buch was ich empfehlen kann:
    Der kretische Gast
    Liebe Grüße an alle aus Schleswig-Holstein
    Maike Schumacher

  5. Da ich 2012 ein dem Cover entsprechendes Foto selbst gemacht hatte (allerdings mit der Festung hinter dem roten Gebäude), weiß ich, dass das Chania ist.
    Sollte ich der glückliche Gewinner sein, könnt ihr das Buch nach Agia Galini schicken, wo es uns Anfang September hintreibt 😀 Dann spare ich mir das „Schleppen“ des Buches im Reisegepäck, und natürlich werde ich es nach dem Durchlesen auch auf Kreta lassen, damit andere Urlauber sich daran erfreuen können.

  6. Das Buchcover fängt die Atmosphäre von Chania ein, wenn man am Abend in einem Restaurant am Hafen sitzt.
    Einfach eine traumhafte Insel, die wir ab September auch in Matala wieder spüren werden.
    Über das Buch würde ich mich sehr freuen.

  7. Chania… NATÜRLICH CHANIA
    OH JA; ÜBER DAS BUCH WÜRDE ICH MICH FREUEN; ICH HABE INZWISCHEN SCHON EINE RICHTIGE KLEINE BIBLIOTHEK VON BÜCHERN, DIE AUF KRETA SPIELEN::: DA FEHLT DIES NOCH !

  8. Total genialler Krimi mit autentischem Kreta Feeling. Man lebt total mit – wenn man die Orte kennt wo sich der Kommissar befindet. Echt super empfehlenswert. Hoffentlich gibt es eine Fortsetzung!

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