Das ist neu: Ein „Waldfriedhof“ auf Kreta.

Wir waren zu Besuch in Asfendiles bei Lydia. Am Ortsrand hat Lydia den ersten „Waldfriedhof“ Kretas entstehen lassen.

Warum sie das gemacht hat, beschreibt sie selber hier:

Bestattungskultur in Griechenland

Griechenland ist das einzige Land der EU, in dem die Feuerbestattung bis vor kurzem verboten war. Im ganzen Land gab es kein einziges Krematorium. Die mächtige orthodoxe Kirche lässt ihrem Glauben gemäß nur die Körperbestattung zu. Alles andere hält sie für Sünde. Das führt zur hoffnungslosen Überfüllung der Friedhöfe in den großen Städten. Manchmal werden Verstorbene sogar in schneller Abfolge nacheinander im Familiengrab beigesetzt. Die Angehörigen sind dann verpflichtet, die Gebeine der noch nicht ganz verwesten Vorgänger im Grab zur Seite zu schaffen, sodass für den neuen Leichnam wieder genug Platz ist. Das können traumatisierende Erfahrungen sein.

2006 hat Griechenland endlich als letztes Land der Europäischen Union die Feuerbestattung gesetzlich erlaubt. 13 weitere Jahre mussten noch vergehen, bis das erste – und nach wie vor einzige – Krematorium des Landes in Ritsona nahe Athen in Betrieb gehen konnte.

Die griechische Band Minor Project.

Die Vision von meiner letzten Ruhestätte in der Natur

Wo ich nicht begraben werden will, ist mir schon lange klar. Seitdem ich mit w e i s s über den tod hinaus kunstbasierte Bestattungen durchführe, wird mir immer deutlicher, dass deutsche Friedhöfe mit ihren starren Regeln nicht zu meinem freiheitsliebenden, selbstbestimmten Wesen passen. Als letzte Ruhestätte stelle ich mir einen Ort hoch oben in den kretischen Bergen vor. Ein Refugium, das wie eine Oase in einer Wüste oder eine Insel auf stürmischer See liegt.

Selbstbestimmung über den Verbleib der Asche

In Griechenland gibt es keinen Friedhofszwang für die Totenasche. Das griechische Krematorium in Ritsona händigt den Angehörigen die Urne mit der Asche ihrer Verstorbenen persönlich aus. Aschekapseln aus deutschen Krematorien können problemlos mit der Post ins Ausland geschickt werden. Es ist auch möglich, dass Bestatter:innen oder die Angehörigen selbst die Urnen als Handgepäck im Flugzeug nach Griechenland mitnehmen. Wenn die Angehörigen einen Grabplatz in Griechenland nachweisen können, dürfen sie die Urne selbst dorthin überführen. Sobald die Urne in Griechenland ist, gelten dort die landesüblichen Bestimmungen für den Umgang mit der Totenasche. Und genau hier beginnt die Freiheit: Das Selbstbestimmungsrecht, das ich in Deutschland vermisse. In Griechenland darf die Asche der Verstorbenen überall begraben oder verstreut werden – unterm Olivenbaum, im eigenen Garten, auf einem Berg, im Meer, aus dem Flugzeug heraus oder was auch immer sich der:die Verstorbene gewünscht hat.

Lydia Gastroph auf Kreta.

Urnengrab im griechischen Olivenhain

.Im letzten Jahr habe ich mir einen Olivenhain hoch oben in den kretischen Bergen gekauft – auf 900m Höhe mit phantastischem 180 Grad Rundblick auf das lybische Meer. 14 Olivenbäume wachsen dort, zwei Birnen- und ein Mandelbaum. Und genau so viele Bäume kann ich neu dazu pflanzen – auf persönlichen Wunsch meiner Kund:innen sogar einen Granatapfel- oder Orangenbaum als Begräbnisbaum. Dieser Olivenhain wird meine freie Naturbegräbnisstätte MONOPLATANA werden. Am 3. August 2022 wollen wir sie offiziell mit einem großen griechischen Fest mit kretischem Essen und Trinken an langen Tischen im Schatten der Olivenbäume eröffnen.
Es soll ein Ruheort werden für alle, die sich wünschen, dass Ihre Asche in Griechenland bestattet, oder im Meer vor der Südküste Kretas verstreut wird. Mit einer wunderschönen Trauerzeremonie und einem kretischen Slow Food Leichenschmaus im benachbarten Bergdorf, dass sich die Tische biegen und der Raki und die Musik den Trauernden den Schmerz aus der Seele treibt.

Lydia Gastroph – MONOPLATANA
Naturbestattung im griechischen Olivenhain auf Kreta
Ort der Bestattung:
GR-73001 Asfendiles, Monoplatana, Chania Kreta, Griechenland
Koordinaten: 35,270959 / 23,744098
Tel. Lydia Gastroph: 0049 176 62483342

Mehr Informationen findet Ihr auf der Website von Lydia.

In einer Taverne in Temenia.

Nach unserem Besuch in Asfendilis ging es in eine Taverne nach Temenia. Bei exzellentem Essen und gutem Raki führten wir unser Gespräch fort. Vom Leben und Sterben auf Kreta. Dank an Lydia für die gute Zeit.

2 Kommentare

  1. Ich wusste nicht, dass es bis vor kurzem keine Feuerbestattung auf Kreta gab. Der Grund dafür ist natürlich verständlich. Mich interessieren Beerdigungsinstitute im Ausland sehr.

  2. Das ist ein wunderbares Projekt von Frau Gastroph !!!!!
    Ich denke, dass ihr viel Erfolg beschert ist 🙂
    HG Caro

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