Der Feuerfisch – Invasion im Mittelmeer.

Gefährliche Schönheit – Der Feuerfisch.

Er hat bunte Streifen, lange Stacheln und eine verheerende Wirkung auf bestehende Ökosysteme: Wo der ursprünglich im Süpazifik und Indischen Ozean beheimatete Rotfeuerfisch (engl.: Lionfish) einfällt, wird es für viele andere Arten eng. Nun dürfte der gestreifte Räuber Kurs auf das Mittelmeer genommen haben.

Bereits 2015 rund um Rhodos gesichtet, taucht dieser gefährliche Meeresbewohner nun in der Bucht von Gramvoussa bei Kissamos auf.

Manchen Taucher mag das jubeln lassen. Denn optisch machen die zur Familie der Skorpionfische gehörenden Räuber ordentlich etwas her.

Gramvoussa bei Kissamos.

Bis zu 38 Zentimeter können die Fische groß werden, sind einmal braun, einmal orange, einmal rot gestreift und erinnern mit ihren langen Stacheln und großen Flossen an unterseeische Drachen. Doch die Schönheit trügt.

Ein Bote des Klimawandels

Die zuletzt häufigeren Sichtungen des Tropenfisches im Mittelmeer können auch als Zeichen klimatischer Veränderungen verstanden werden. In den vergangenen 25 Jahren erhöhte sich die Wassertemperatur des Mittelmeers um mehr als 0,75 Grad Celsius – und zwar nicht nur an der Oberfläche, sondern bis in tiefere Wasserschichten hinein. Bis 2050 prognostizieren Forscher für das östliche Mittelmeer gar einen Anstieg um 1,5 Grad.

Der Rotfeuerfisch ist so schön wie gefährlich

Fische, denen es im Mittelmeer bisher zu kalt war, könnten in Zukunft ideale Bedingungen vorfinden. So berichteten Taucher bereits von regelmäßigen Begegnungen mit dem Mond- oder Kugelfisch bis in die Adria hinauf. Der bis zu drei Meter große Knochenfisch ist zwar schon länger im Mittelmeer beheimatet, seine Ausbreitung in den vergangenen Jahren dürfte aber sehr wohl mit den höheren Wassertemperaturen zu tun haben.

Experten bezeichneten ihn damals als den „schlimmsten fremdartigen Fisch“ im Mittelmeer. Den Rang könnte ihm nun der Feuerfisch ablaufen. Zwar ist sein Gift – anders als das des Kugelfischs – für Menschen im Normalfall nicht tödlich. Doch den Kugelfisch muss man essen, um sich zu vergiften.

Foto: Kriti24 vom 16.04.2018. Der Feuerfisch / Rotfeuerfisch / Lionfish / Leontopsaro in der Bucht von Gramvoussa.

Beim Feuerfisch reicht ein Stich durch eine der giftigen Stacheln. Heftige Schmerzen, manchmal auch Erbrechen und in seltenen Fällen Atemstillstand sind die Folgen einer solchen Begegnung.

Fressreise durch die Karibik. Und jetzt im Mittelmeer?

Noch gefährlicher als für den Menschen ist der Fisch für andere Meeresbewohner. Wie verheerend das Eindringen des Räubers in ein bestehendes Ökosystem sein kann, zeigte sich in den vergangenen Jahren in der Karibik. Dort breitete sich der Fisch im Golf von Mexiko bis nach Kuba und Jamaika aus.

Den Anfang nahm die Invasion möglicherweise nach dem Hurrikan „Andrew“ 1992 in Florida. Damals entkamen Feuerfische aus einem beschädigten Aquariumbecken ins Meer. Womöglich zeichneten für die Invasion auch Aquaristen verantwortlich, die den Fisch aus ihren Aquarien im Atlantik aussetzten.

Auf jeden Fall fühlte sich der Tropenbewohner im warmen Wasser des Golfs ausgesprochen wohl – sehr zum Nachteil der dort heimischen Tiere. Ohne natürliche Feinde (nicht einmal Haie mögen diesen Drachen) konnte sich der Räuber ungehindert durch die karibische Meeresfauna fressen. Innerhalb weniger Jahre führte das zu einer Dezimierung der ursprünglichen Riffbewohner, darunter sowohl kleine Fische als auch Schalentiere.

Essen gegen die Invasion

Der Raubfisch wurde zu einer Bedrohung für das Ökosystem und damit auch der Fischer, die in den Gewässern ihre Lebensgrundlage haben. Mittlerweile versuchen die Karibik-Staaten des Fisches auf kulinarische Weise Herr zu werden – und forcieren seine Verwendung als Speisefisch. Das sollte auf Kreta auch möglich sein.

Wunderschönes Gramvoussa.

Die einzige Chance, die Zahl der Fische einzudämmen, sei, sie aus dem Meer zu fischen, stellten die Wissenschaftler damals fest. Auf geht’s, Wassilis.

Nicht immer ist eine invasive Art verantwortlich

Darauf müssen sich wohl auch die Küstenbewohner des Mittelmeers einstellen. Sollte sich der Feuerfisch im Mittelmeer ausbreiten „könnte das einen großen negativen Einfluss auf das Ökosystem und auch die lokale Wirtschaft haben“, so Carlos Jimenez, Meeresbiologe am Cyprus Institute. Laut Jimenez könnte eine solche Schwächung den Einfall weiterer invasiver Arten begünstigen.

Foto: Gerhard Stelzhammer, 19.07.2018 in der Bucht von Grammeno.

Vielleicht braucht es dazu aber auch gar nicht den Feuerfisch. Denn anders als in der Karibik ist die unterseeische Tafel im Mittelmeer schon seit Jahren nicht mehr reich gedeckt. Dafür verantwortlich ist kein eingewanderter Tropenfisch, sondern einzig der Mensch mit seinem Fischhunger.

Foto: Gerhard Stelzhammer, ein Bildhauer auf Kreta. Und Danke für die Fotos.

Der Feuerfisch auch in Anidri

Hallo, 
wir haben heute beim Schnorcheln am Anidristrand auf ca. 4 Meter Tiefe einen mittelgroßen (ca. 20 cm) Rotfeuerfisch gesehen und fotografiert. Das Foto sende ich im Anhang.

Der Feuerfisch in Anidri.

Wir schnorcheln und tauchen schon seit vielen Jahren immer wieder bei Paleochora. Einen solchen „Alien“ haben wir aber heute zum ersten Mal gesehen.

Viele Grüße
Wolfgang Luber

Das marode Kläranlagensystem in ganz Griechenland und die Einleitung von Chemikalien aus der Agrarwirtschaft haben desweiteren dafür gesorgt, dass der Fischbestand um ca 70%-80% dezimiert wurde.

Mehr Geschichten und Rezepte vom alten Fischer Wassilis.

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10 Kommentare

  1. hab heute 2 rotfeuerfische gesehen – koutsouras südkreta ca. 20 km von ierapetra entfernt; scnorchle seit 25 jahren hier auf kreta – hab jedoch noch nie welche gesehen….12.09.2018

  2. Einen Vortei haben sie! Die schmecken einfach fantastisch. Werden mit einfachen Speeren harpuniert.
    Im Net und auf Tube gibt es Anleitungen zum Bau der Aufbewahrungsboxen für unter Wasser, damit man sich nicht verletzt. Die Stachel werden dann mit einer Schere abgeschnitten.

    Viele Grüße aus Agia Galini

  3. Vor Pigadia habe ich heute einen ausgewachsenen Rotfeuerfisch beim Schnorcheln entdeckt.
    Viele Grüße von Karpathos
    Hansjörg

  4. Hallo wir waren am 5.10.2018 im Südosten von Kreta 6km vor Makrigiales schnorcheln und haben 2 Rotfeuerfische gesehen.

  5. Hallo zusammen,

    mein Sohn Moritz und ich haben heute in Sougia nur ca. 15 Meter vom Strand entfernt beim Schnorcheln drei Rotfeuerfische in ca. 4-5 Metern Tiefe gesichtet – wir konnten sie lange beobachten und waren total überrascht.

    LG

    Andi

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