Gleichermaßen geliebt und gehasst: der famose griechische Stuhl.

Der geneigte Radio Kreta Leser und auch ansonsten grecophil angehauchte Weltenbummler (der allerdings auch sehr gerne hier auf Kreta hängenbleibt…) kennt dieses Phänomen sicher: den griechischen Stuhl.

Von Reinhard Mey sehr treffend besungen, ist dieser Stuhl ein wirklich integraler Teil der griechischen und kretischen Lebensart – denn – wir erleben es täglich – braucht ein Kafenion-Besucher schön besungene und auf den Punkt gebrachte 3 Stühle (tris karekles), um sich stabil und sicher zu fühlen.

Am Hafen vonPaleochora.

Wir wollen uns heute aber einmal dem Singular der „Tris karekles“ widmen – nämlich dem (so gesehen) einsamen Vertreter seiner Zunft – also: dem griechischen Stuhl.

Eine Abhandlung über einen Stuhl????

Ähm….Ja!!! Drückt ein solcher griechischer Stuhl doch sehr viel mehr über die griechische Mentalität, das Bewusstsein der „parea“ (des Gefühls der Zugehörigkeit) und der Stabilität aus, als es jeder europäische Barhocker jemals könnte!

Denn so ein einfacher griechischer Stuhl – im Kafenion, im Restaurant oder an der Bushaltestelle – erinnert erst einmal an eine ganz normale Sitzgelegenheit. Für Griechen, die daran seit frühester Kindheit gewöhnt sind, mag es eine Solche sein – nicht aber unbedingt für den doch eher an gepolsterte Sessel gewöhnten Mittel- oder gar Nordeuropäer.

Zu Letzteren gehört übrigens auch die Mutter der Redakteuse, die sich immer entweder über seltsame Muster auf Po und Rückseiten der Oberschenkel beschwert hat (ein Sitzkissen hat da auch nicht wirklich Abhilfe geschaffen…), oder aber galt ihr Grimm der adstringierenden (soll heißen: Blut abstremmenden) Wirkung dieser Höllensitze.

In Paleochora.

Da Tückische daran ist, dass diese griechischen Stühle auch dem vom Touri-Sightseeing bei knapp 40°C durchaus erholungsbedürftigen Touristen ein wortloses, aber einladendes „komm her, setz dich hin, hier gibt es Schatten und kühle Getränke!“ quasi entgegen schmettern.

Odysseus´ Sirenen hätten nicht verführerischer säuseln können als diese – meist blau bemalten, mit Bast oder Binsen, oder (DER Frevel schlechthin) mittlerweile auch mit Plastik – bestückte und bespannten Sitzgelegenheiten es tun.

Griechische Verführung – ganz ohne Sirenen

Rein optisch laden sie zum Verweilen, zur Rast und zur Erholung ein. Rein physiologisch sind sie für viele Menschen eine Tortur, es sei denn, die Beinlänge des Sitzenden überschreitet locker die 90cm. Ansonsten tritt gerne die o.g. adstringierende Wirkung ein.

Das weiß der Grieche natürlich auch aus eigener frühkindlicher Erfahrung. Und ich bin fest davon überzeugt, dass er sich gegen seltsame Muster auf Hintern und Oberschenkeln, eventueller Hornhautbildung an ebendiesen Stellen und „stuhlbedingten“ Krampfadern diese wunderbare Lösung der 3 Stühle (tris karekles – τρεις καρέκλες) gefunden hat. Egal, welche Bespannung das jeweilge Sitzelement auch hat.

Um es ganz kurz mit Reinhard Mey zu beschreiben:

Einen, da stehn die Füße drauf,
Einen, da lehnt der Arm sich auf,
Den dritten, zum drauf Sitzen, um sich im Gleichgewicht zu fühl‘n.

So gehts! Auch ganz ohne Schwielen, seltsame Muster und Krampfadern!

Manch ein Prominenter ist allerdings schon daran verzweifelt

Und wer jetzt den Hinweis auf zu konsultierend ÄrztInnen oder ApothekerInnen bzgl. etwaiger Langzeitschäden und Nebenwirkungen vermisst…. – der bleibt leider hier aus, da es dazu unseres Wissens noch keine belastbaren Studien gibt.

Man könnte lediglich einen sehr prominenten Maler des 19. Jahrhunderts zitieren, der dieser Sitzgelegenheit sogar ein Gemälde gewidmet hat – sei es aus Begeisterung oder Pein…. Die Rede ist von Vincent van Gogh, der im Jahr 1888 das Bild „Vincents Stuhl“, das derzeit in der Tate Gallery in London beherbergt ist, in Öl verewigt hat.

Am Meer in Paleochora.

Wie allgemein bekannt, wurde Vincent van Gogh (nachdem er sich erstmal ne Ohrmuschel abgesäbelt hat) nach und nach „verrückt“ (vermutlich war er klarer im Kopf als wir alle, aber das ist eine andere Diskusion….) und beendete sein Dasein im Hier und Jetzt (also im Damals und Dann) durch Selbsttötung.

Es bleibt dahin gestellt, welchen Einfluss diese Sitzgelegenheit auf seinen Entschluss, seinem irdischen Leben ein Ende zu setzen, hatte…. So ein Stuhl ist ja nicht für alles verantwortlich. Und wer damit nicht zurecht kommt: einfach ein ergonomisch und den eigenen Ansprüchen entsprechendes Möbel (oder Hüpfball) mit in den Urlaub nehmen…. Dabei aber bitte auf verwirrte Nachfrage von Einheimischen vorbereitet sein!

Radio Kreta – wir wünschen einen schönen und „authentischen“ Urlaub auf den „tris karekles“!

2 Kommentare

  1. ich leide bei einer Körpergröße von 157 cm jedes Jahr, am schlimmsten die Stühle mit Vertiefung in der Mitte!
    Ich freue mich wirklich auf Kreta, auf die Gastfreundschaft, das Dorfleben, die kleinen Kneipen. Nur die Stühle verfluchen ich!
    Bitte an die Götter Kretas, schafft mehr Bänke aus Stein, Holz oder sonstiges.

  2. Mit Raki (innerlich angewandt) lässt es sich auf diesen Stühlen äußerst bequem und über viele Stunden hinweg aushalten.

    Und falls das nicht stimmen sollte, verschafft Raki (äußerlich angewandt), danach wohltuende Linderung.

    Viele Grüße vom Insel Max!

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