Insel(che)n rund um Kreta.

Die Insel Kreta ist, wie ganz Griechenland, von vielen kleinen und kleinsten Inselchen umgeben, von denen die meisten aber von Menschen unbewohnt sind – und somit kleine Paradiese für Tiere. Viele dieser Inseln liegen in Küstennähe um das „Festland“ von Kreta verstreut. Einige, wie z.B. die ehemalige „Leprainsel“ Spinalonga hatten Teil an der Geschichte Kretas und zeigen in einem Mikrokosmos dessen Schönheit und Vergangenheit. Andere sind entlegener und schwer zu erreichen, bieten aber gerade deshalb eine wertvolle Rückzugsmöglichkeit – sowohl für die Natur als auch für die wenigen Besucher.

Wir haben uns mal die interessantesten dieser Inseln herausgepickt und folgen bei deren Beschreibung einfach dem Uhrzeigersinn einmal rund um Kreta. 

Die Insel, die wohl die meisten Kretabesucher als erste zu sehen bekommen, ist Dia (Δία), direkt vor Heraklion und ziemlich direkt in der Haupteinflugschneise des dortigen Flughafens gelegen. Tatsächlich handelt es sich dabei um zwei Inseln, eine größere und eine kleinere. Natürlich ranken sich um fast jede Insel auch Mythen – hier besagt der Mythos, dass die Insel nach einer Nymphe benannt ist, die seinerzeit ein Techtelmechtel mit dem Göttervater Zeus hatte und daraufhin mir nichts dir nichts von dessen eifersüchtigen Frau Hera hier ausgesetzt wurde. Ein anderer Mythos besagt, dass es sich bei den beiden Inseln um ein versteinertes Krokodil und eine Schildkröte handelt – die Geschichte hierzu findet Ihr am Ende des Artikels. Dia ist Naturschutzgebiet und Lebensraum des immer seltener werdenden kretischen Steinbocks „egragos“ und kann von Heraklion aus mit dem Boot besucht werden.

Weiter im Osten befindet sich Spinalonga, die ehemalige Leprakolonie – auch hierzu gibt es ausführliche Informationen weiter unten. Hinter der angrenzenden Halbinsel liegen die beiden Kolokithia-Inselchen (Κολοκυθιά) mit ihren langgezogenen Landzungen.

Agii Pándes (Άγιοι Πάντες) direkt vor Agios Nikolaos ist ein weiteres Kreta-Steinbock-Schutzgebiet.

Auf Pseira (Ψείρα), malerisch im Golf von Mirabellou gelegen, gibt es eine teilweise ausgegrabene minoische Stadt mit Friedhof zu sehen. Boote dorthin fahren von Agios Nikolaos und Mochlos aus. 

Mochlos (Μόχλος) selbst ist sowohl kleines Dörfchen, als auch Insel, ca. 40 km östlich von Agios Nikolaos gelegen. Die weißen Häuser des Dorfes liegen am Meeresufer verstreut, die Insel Mochlos genau davor. Diese war, bevor der Meeresspiegel entsprechend anstieg, eine Halbinsel. Auf ihrer dem Land zugewandten Seite kann man die Überreste eines minoischen Hafens besichtigen, oder einfach ein bisschen herumwandern und den schönen Blick auf das Dorf Mochlos und die dahinterliegenden Berge genießen.

Vor der nordöstlichsten Spitze Kretas liegen die drei „Dionysádes“-Inseln Gianisada (Γιαννισάδα), Dragonada (Δραγονάδα) und das abgelegene Paximada (Παξιμάδα) , wo Eleonorenfalken brüten. 

Elássa (Ελάσα) liegt fünf Kilometer vor dem berühmten Palmenstrand von Vai und bietet, wie schon in dorischen Zeiten, einen sicheren Ankerplatz.

Fährt man weiter nach Süden, Richtung Xerokampos, hat man einen schönen Blick auf die Insel Kavalli (Καβάλοι).

Und weiter geht’s entlang der Südküste Kretas in Richtung Westen

Unterhalb des südlichsten Zipfels Kretas liegt das heute verlassene, aber geschichtsträchtige Inselchen Koufonisi (Κουφονήσι). Die Insel lag günstig auf dem Seeweg nach Nordafrika und dem Mittleren Osten. Schon die Minoer wussten, den roten Farbstoff aus der Purpurschnecke zu gewinnen und die Römer entwickelten dieses Gewerbe auf Koufonisi weiter. Von Ierápetra aus kann man mit dem Boot auf die Insel fahren.

Gaidaronisi (Γαϊδουρονήσι) – besser bekannt als Insel „Chrysi“ (Χρυσή) (oder auch „Donkey Island“), liegt 7 km südlich von Ierápetra. Die wunderbaren Strände machen die „goldene Insel“ zu einem idealen Ausflugsziel, das man ebenfalls von Ierápetra aus mit dem Boot erreichen kann. Auch zu „Chrysi“ gibt es im Abspann mehr Informationen – übrigens ein MUSS für alle Verlobten!

Im Golf von Messará liegen ca. 12 km vor der kretischen Küste die beiden Paximadia-Inseln (Παξιμάδια): Mikro Paximadi (Μικρό Παξιμάδι) und Megalo Paximadi (Μεγάλο Παξιμάδι) – die kleine und die große Paximadi-Insel. „Paximadia“ ist ja der Name für kretischen Zwieback und den es in härteren und poröseren Versionen gibt. Und tatsächlich: von der Küste bei Agia Galini oder Tymbaki aus betrachtet, sehen die beiden Inseln tatsächlich aus, wie zwei dieser Zwieback-Stückchen. Diese Inseln spiel(t)en übrigens schon immer eine große Rolle für die Fischer, um sich bei rauher See dort einen sicheren Ankerplatz zu suchen, wenn die Heimfahrt zum „Festland Kreta“ zu gefährlich war. Und auch im 2. Weltkrieg spielten sie für die kretischen Partisanen eine wichtige Rolle – mehr dazu ebenfalls am Ende des Artikels!

Weiter geht es mit dem Finger auf der Landkarte, immer nach Westen, wo man dann auf die Insel Gavdos (Γαύδος) und ihre „kleine Schwester“ Gavdopoula (Γαυδοπούλα) stößt. Auch um diese Insel ranken sich Legenden und Mythen, z.B. dass sich hier die Nymphe Calypso sieben Jahre lang mit Odysseus vergnügte und – als dieser sie verließ – vor lauter Kummer starb. Irgendwann später kamen dann die Hippies…. – und ausführliche Informationen gibt es ebenfalls weiter unten.

So, und nun geht es um die südwestliche Ecke Kretas schon wieder in Richtung Norden!

Im Prinzip müsste man hier auch Elafonisi (Ελαφονήσι) als Inselchen anführen (das suggeriert ja alleine schon das „nisi“ im Namen…) und dann tun wir das auch. Bekannt ist Elafonisi eher als Traumstrand (naja, von November bis April….), in den Sommermonaten extrem überlaufen, aber der Namen dieses Strandes stammt von dem vorgelagerten (Halb-) Inselchen Elafonisi. „Halbinselchen“ deswegen, weil das Wasser zwischen Festland und Insel so flach ist, dass man es auch mit kleinen Kindern locker zu Fuß erreichen kann. Aber: zwischen Festland und Inselchen ist Wasser, also ist es ne Insel, so!

Weiter im Norden, genau gesagt gegenüber dem alten Hafen von Falassarna, liegt die kleine Insel Petalida (Πεταλίδα).

Und nochmal westlich der nach Norden ragenden Spitze der Halbinsel Gramvousa (Γραμβούσα) (das ist der erste „Fühler“ – von links gesehen – der „Schnecke Kreta“. Denn wie eine große Nacktschnecke im Meer sieht Kreta doch aus, oder?), befindet sich die Doppelinsel „Agria Gramvousa(Άγρια Γραμβούσα) und „Imeri Gramvousa(Ήμερη Γραμβούσα) – die wilde und die zahme Gramvousa. Dort befindet sich ein venezianisches Fort, denn die Insel erlebte als venezianische Festung gegen die Türken, später als türkische Festung gegen die Piraten und dann als Piraten-Festung bewegte Zeiten. Die „Xainides“, eine Widerstandsgruppe, die Kreta von den Türken befreien wollte, hatte einst ihr Hauptquartier auf Imeri Gramvousa.

Und schon geht´s wieder gen Osten

Jenseits von Platanias, westlich von Chania, liegt die Insel Agii Theodori (Άγιοι Θεόδωροι) – der Legende nach einst ein Wal, der versucht hatte, Kreta zu verschlucken und zur Vergeltung in Stein verwandelt wurde. Von der Küste aus kann man das höhlenartige Maul des „Wales“ sehen. 

Und schließlich gelangen wir zur Souda-Bucht bei der Halbinsel Akrotiri (die gilt definitiv nicht als Insel, ist aber trotzdem einen Besuch wert – siehe unten….): hier liegen drei Nymphen in der Meerenge – ihnen hat man die Flügel abgerissen, nachdem sie den Wettstreit mit den Musen verloren hatten. Und da liegen sie nun – die „weißen Inseln„.

So, nun sind wir einmal „rum“ um die Insel Kreta – wie gesagt, diese Aufzählungen und Ausführungen haben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, aber da es hier  – wie um ganz Griechenland herum – auch Eilande mit weniger als  0,1 km² Fläche gibt es hier zuhauf. Das sprengt leider den Rahmen unserer Ausflugsempfehlungen….

Wie oben mehrfach erwähnt, sind einige Insel(che)n ja durchaus mit dem Boot – allerdings nur wenige wirklich leicht und bequem zu erreichen. Neben den regulären Fährfahrten nach Gávdos, Dia, Chrissi, Spinalonga und vielleicht noch ein, zwei anderen, muss man oft kostspielige Privatvereinbarungen mit einheimischen Bootsbesitzern treffen. Für Liebhaber kleiner und weitgehend unberührter Inselchen ist das manchmal frustrierend, doch bleiben diese Inseln dadurch eben auch unberührt – sehr zur Freude von Flora und Fauna, kretischer Steinböcke und Eleonorenfalken übrigens….

Nun nun die oben versprochenen weiterführenden Informationen:  Dia, Spinalonga, Chrysi, Gavdos und Elafonisi. Und über die sehr bewegte Vergangenheit der Paximadia Inseln findet Ihr tolle Hintergründe im Buch „Der kretische Gast“ von Klaus Modick. Und auch wenn sie als Halbinsel eigentlich nichts in diesem Artikel verloren hat, soll die Halbinsel Akrotiri – wie oben versprochen – hier auch nochmal ihren Auftritt haben.

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