Kreta – Es wird scharf geschossen.

Alle Kreter lieben Waffen.

Fast alle Ortsschilder Kretas sind durchlöchert. An den Einschusslöchern kann man erkennen, dass hier nicht nur mit Schrott, sondern auch mit normaler Munition oder Kriegsmunition geschossen wurde.

Nach Schätzungen der griechischen Polizei befindet sich mehr als die Hälfte aller 1,5 Mio unangemeldeten Schusswaffen Griechenlands auf Kreta. Das wären dann mehr als doppelt so viel, wie Kreta Einwohner hat. Grund des Waffenbesitzes: In den Zeiten der Fremdherrschaften mussten sich die Kreter selbst verteidigen. 

Bleihaltige Luft bei Familienfeiern

Sehr verbreitet ist die – verbotene – Sitte des Schießens in die Luft bei Hochzeiten und Feierlichkeiten auf dem Lande. Hin und wieder kommt es dabei zu Unfällen. Amok-Schießereien gab es jedoch noch nicht.

Vendetta auf Kreta

Was immer noch, aber nur alle paar Jahre und mit abnehmender Tendenz, durchbricht, ist die Praxis der Blutrache. Die hat auf Inseln wie Kreta, Korsika und Sizilien eine lange Tradition. In geschlossenen, unzugänglichen Gesellschaften war der Arm der Staatsmacht stets weit entfernt. Die Bestrafung von Verbrechern, die Verteidigung der Familie und ihrer Ehre oblag den Familien. Bluträcher und ihre Opfer waren in der Regel Männer.

Das Gefühl für die Familienehre (Filotimo) ist bis heute auf Kreta übermächtig. „Familiengeschichten“ nennen die Kreter die Vendetten der letzten Jahrzehnte. Viele begannen während des Widerstandskampfes gegen die Deutschen im Zweiten Weltkrieg und während des Bürgerkriegs, sind also politisch motiviert.

Sicher ist dir aufgefallen, dass Kreter gerne schwarze Hemden tragen. Diese Tradition wurde in alten Zeiten als Trauerkleidung verstanden, bedeutet aber auch die ständige und für alle sichtbare Mahnung, vergossenes Blut zu vergelten.

Wer es genauer wissen will, der lese das Buch „Schattenhochzeit“ von Ioanna Karystiani – ein fesselnder Roman über die kretische Blutrache zwischen zwei Familienzweigen, die über 50 Jahre ein Opfer nach dem nächsten forderte.

Ein Auszug aus dem neuen Reiseführer „Kreta“ von Andreas Schneider, erschienen im Dumont-Verlag.

Und es gibt noch mehr Erklärungen:

Warum sind kretische Ortsschilder so oft zerschossen?

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