Kreuzfahrtschiffe im Mittelmeer – Die schwimmende Pest?

Zwei Herzen schlagen – Ach! – in meiner Brust.

Hat mir doch grade so ein überdimensioniertes Kreuzfahrtschiff („Mein Schiff 2“ von TUI) meine heissgeliebte und seit 10 Jahren nicht gesehene Cousine in Souda an Land geschwemmt, ist mein Verhältnis zu diesen schwimmenden All-Inclusive-Städten (auf so nem Dampfer befinden sich mehr Leute, als unser Dorf außerhalb der Touri-Saison Einwohner hat!) doch relativ gespannt.

Mitso, Suse und Petra, die Biologin aus Neuseeland.

Und auch besagte Cousine, deren Göttergatte Schiffsarzt ist und sie die Gelegenheit genutzt hat, endlich mal auf Kreta an Land zu hüpfen, steht der Sache recht ambivalent gegenüber.

Alkohol – All Inclusive

Sei es nun die bereits etwas in die Jahre gekommene Dame, die ihren ersten Abend an Bord mit ca. 15 Aperol-Spritz begießen musste, sich danach mit 2,6 Promille derart auf die Nase gelegt hat und einen „Star-Alert“ ausgelöst hat (alle anwesenden Ärzte, sowie Krankenbrüder und -Schwestern hatten Gewehr bei Fuß zu stehen – teuer, das…..), seien es die Kreuzfahrt-Touris, die sich ob des überwältigenden Essensangebotes (all inclusive, wie gesagt….) einfach den Magen verrenkt haben – der Kreuzfahrt-Tourismus ist so eine Sache für sich.

Nicht falsch verstehen – gerade hier im Süd(west)en der Insel sind wir durchaus auf den Tourismus in der Sommersaison angewiesen – aber alles hat natürlich seine Grenzen, gerade, wenn man etwas in Richtung „nachhaltig“ denkt…. Und da kommt man bei näherer Betrachtung des Kreuzfahrt-Tourismus‘ dann doch an seine Grenzen.

Denn wie u.a. dimokratianews.gr berichtet, sind auch die damit einhergehenden Emissionen ein wichtiges Thema, dem leider offensichtlich (noch) nicht genug Bedeutung beigemessen wird.

Mein Schiff 2 letzte Woche in Chania.

Mit der Überschrift „Schlote der Schiffe ersticken Santorini“ ist eigentlich schon fast alles gesagt – die ZDF (Zahlen, Daten, Fakten) folgen hier:

Denn die Caldera der griechischen Insel Santorin wird von den ungeheuren Emissionen der jedes Jahr zu hunderten einlaufenden Kreuzfahrtschiffen verpestet. Den Messungen der Griechischen Ornithologischen Gesellschaft im Gebiet der Caldera sind die Rückschlüsse bezüglich der Gesundheit der Einwohner beunruhigend, denn die Schlote der Schiffe schaffen einen außerordentlich belastenden „Cocktail“ atmosphärischer Verschmutzung, der die Gesundheit der Bewohner der Insel in Gefahr bringt.

Ungeheure Feinstaub-Konzentrationen in der Caldera von Santorin

Dies ist die beunruhigende Schlussfolgerung, zu dem die Griechische Ornithologische Gesellschaft nach den Messungen gelangte, die sie in dem Gebiet an den beiden Tagen des 18. – 19. Septembers 2018 zusammen mit Wissenschaftlern des Naturschutzbund Deutschland (NABU) durchführte.

Die Messungen zeigten, dass in der Caldera die Konzentrationen der Ultrafeinstaub-Partikel (UFP) im Verhältnis zu Gebieten mit sauberer Luft 100 mal höher sind. Die Feinstaub-Partikel werden mit ernsthaften Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht, wie es die Herzgefäß- und Atemleiden einschließlich der Schlaganfälle und Krebsleiden sind, welcher Umstand zu einem vorzeitigen Tod führen kann.

„Kreuzfahrer“ pfeifen auf Gesundheit der Passagiere und Einwohner

Die sich mit der Verwaltung und dem Betrieb von Kreuzfahrtschiffen befassen, verdienen aus dieser Tourismusart viel Geld, zumal es der am schnellsten wachsende Sektor in der Tourismus-Industrie ist. Gleichzeitig weigern sie sich jedoch, sich saubereren Treibstoffen zuzuwenden oder Geld für Abgasreinigungs-Technologien auszugeben und bringen damit nicht nur die Gesundheit ihrer eigenen Kunden, sondern auch der Einwohner und Besucher der Insel Santorin in Gefahr„, merkt Konstantina Demiri an, die für die Politik der Ornithologischen Gesellschaft zuständig ist.

Messwerte (Feinstaubbelastung) im Hafen von Santorin am 18 September 2018

Feinstaubbelastung am 18 September 2018 im Hafen von Santorin in Griechenland
Für den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und umweltbezogenen Druck, unter dem Santorin infolge der Explosion des Tourismus steht, ist der Umstand bezeichnend, dass im Jahr 2015 insgesamt 636 Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 790.000 Passagieren die Insel ansteuerten, was sogar den Hafen von Piräus übertrifft. In der Bemühung, die Situation handhabbar zu machen, verhängte der Gemeindeverband Santorin eine Höchstgrenze von 8.000 Kreuzfahrt-Passagieren je Tag. Chania hat ca. 150.000 Kreuzfahrtbesucher diese Jahr. Tendenz steigend. Erst gestern kamen drei Schiffe mit 5.000 Besuchern in Souda an.

Die Experten betonten, dass die Schiffe im Mittelmeer mit Schweröl und ohne den Einsatz von Abgasfiltern betrieben werden dürfen, da entsprechende gesetzliche Regelungen fehlen, wie sie für Autos und Lastwagen gelten. Daher enthalten die Abgase der Schiffsmotoren ungeheure Mengen an Ultrafeinstaub-Artikeln sowie krebserregenden atmosphärischen Verunreinigungen wie Ruß, die einen signifikanten Anteil an dem Klimawechsel haben.

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2 Kommentare

  1. Moin und Kalimera, in den letzten Wochen/Monaten gab es eine vermehrte Berichterstattung zum Thema Kreuzfahrttourismus zu beobachten. Etliche kritische Dokumentationen im Fernsehen und auch kritische Artikel in Zeitungen über die Schattenseite des zunehmenden Kreuzfahrttourismus sind erschienen.

    Die Schattenseite der Kreuzfahrschiffe müsste sich inzwischen bis in jeden Wohnzimmer (in Deutschland, Österreich und der Schweiz) herumgesprochen haben, das die Kreuzfahrschiffe totale Drecksschleudern sind und die Arbeitskräfte massiv ausgebeutet werden.

    „Das Gros der Schiffe pustet große Mengen Schwefeloxide, Stickoxide, Ruß, Feinstaub und Schwermetalle weitestgehend filterlos in die Umwelt.
    Auf hoher See wird weiterhin hochgiftiges Schweröl verbrannt, in den Häfen laufen die Schiffe rund um die Uhr mit Schiffsdiesel, der die Grenzwerte der Autoindustrie deutlich überschreitet. Auch die CO2-Emissionen einer Kreuzfahrt sind beträchtlich.“

    „Nur wenige Schiffe sind mit Rußpartikelfilter ausgestattet. Ohne Filter stößt ein Kreuzfahrtschiff laut Nabu pro Kilometer so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Pkw. Im Gegensatz zur Straße gibt es auf See keine gesetzlichen Regelungen für die Filter. Hinzu kommt: viele Kreuzfahrtschiffe fahren noch mit Schweröl. Auch in den Häfen brauchen die Schiffe viel Energie. Um zum Beispiel Klimaanlagen, Licht, Gastronomie, am Laufen zu halten, läuft ein Kreuzfahrtschiff im Liegebetrieb mit Schiffsdiesel.“

    „Hochsee-Kreuzfahrtschiffe sind in aller Regel nicht in den Ländern registriert, in den die Reedereien operieren. Alle deutschen Hochsee-Kreuzfahrtschiffe fahren unter fremder Flagge, sie sind in Steueroasen wie Malta oder Ländern wie Italien, US-amerikanische Schiffe z.B. auf den Bahamas oder in Panama registriert. Dort gelten Arbeits- und Sozialstandards, die weniger streng sind als die deutschen Vorschriften. Auch steuerlich bietet das Ausflaggen den Reedereien Vorteile.“

    makro: Kreuzfahrt Fieber – Zwischen Traum und Albtraum Doku (2018)
    https://www.youtube.com/watch?v=0A5nxF5RaZM

    Ta Leme, kv

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