Leben auf Kreta: Nie mehr ohne Haustier(e).

Die Natur auf Kreta ist erwiesenermaßen überwältigend, sowohl, was die Fauna als auch die Flora angeht. Also Vieh- und Grünzeugs. Und so war auch Scheffredakteuses eigentlich einzige „Bedingung“ bzgl. des „Ja“ zum nie so wirklich echt erfolgten Heiratsantrag (Scheffredakteur behauptet selbst knapp 10 Jahre später immer noch, dass die Münchner  Kaffeemaschine einfach viel zu laut war und Scheffredakteuse besagten Antrag nur deswegen rein akustisch nicht wahrnehmen konnte…), dass ein Hund in´s Haus kommt. 

Hatte sie doch selbst über 14 Jahre lang einen treuen, vierbeinigen Weggefährten durch Pubertät, Abiturstress, ersten Liebeskummer und die wildesten Zeiten, ging das während ihrer „professionellen Karrierezeit“ in verschiedenen südeuropäischen Ländern einfach nicht mehr. Dem Tier – welchem auch immer – zuliebe. Da hätte ob vielzähliger Dienstreisen und verrückter Arbeitszeiten an 7 Tagen/Woche nicht mal ein Goldfisch oder eine Schildkröte ihren Spaß gehabt. Also: kein Haustier. Weder in München noch in Madrid oder Mailand.

Und dann kam der „Cut“. Der konsequente, wenn auch nicht ganz schmerzfreie, aber durchaus gewollte Ausstieg aus all diesem Trubel, dem „höher-größer-weiter“, dem permanent steigenden Erfolgsdruck ohne reelle Chance auf ebendiesen eingeforderten Erfolg (Stichwort: eierlegende Wollmilchsau). Und – manchmal spielt das Leben einem ja auch wirklich schöne Streiche! – dem dazu passenden Zusammentreffen bzw. sich gegenseitig auf die damals noch virtuellen Füße tretenden Scheffredakteur.

Also – sich kurz selbst wegrationalisiert und auf nach Kreta. Besagte Bedingung „dann will ich aber wieder nen Hund“ mit im Gepäck. Ganz ohne Eile, aber halt doch immer da. Und dann war er da, unser Mitso. Und mit ihm einhergehend sehr viel Spaß, Bewegung, Freude, Lachanfälle, Gartenarbeit und Knuddelrunden. Das ging alles so von 2009 bis 2013. Und dann kam Willi dazu. Willi, der Kater, von dem allerdings alle erst mal dachten, dass „es“ ne Lilly sei, hihi…

Zwischendurch standen schon auch noch ein paar Piepmätze auf der Liste – und dann schwurbelte sich 2015 unser Linus in unser Leben. Mitso war nicht allzu „amused“, aber die kleine Knutschkugel hatte ja nun mal „Welpenschutz“ – ebenso wie Lilly-Willi zuvor. 

Und dann kamen noch die Katzenkinder Pünktchen und Anton in die Familie. Die Babies saßen an der Bushaltestelle in Vlithias, wo wir sie dann auch abgeholt haben (kam an dem Tag eh kein Bus mehr…). So langsam wurde die Bude voll – aber alle vertrugen sich, Suse schleppte mehr Tier- als Menschenfutter an und alle vertrugen sich auf´s Wunderbarste. 

Boooaaaah, sind die klein!!!! Riesenbaby Linus mit den Neuzugängen Pünktchen und Anton.

Und man kam sich dann auch näher. Baby-Tölpel, egal wie groß oder klein, traut vereint.

Leider ist es aber halt auch immer mal wieder ein „Kommen und Gehen“ mit solchen „Freigängern“, denn eingesperrt wird hier niemand. Willi war der Umzugsstress nach Koundouras, die 2 zusätzlichen Katzen Pünktchen und Anton, der schnell wachsende Linus, diverse Pflegehunde und die „dazugemietete“ Schäferhündin Ira wohl zu viel – er ist bei der ersten sich bietenden Gelegenheit leider stiften gegangen. Alles Suchen half nichts – er war und blieb verschwunden und wir hoffen, dass das kleine Löwenherz sich seinen Weg in sein „wildes“ Leben gut erkämpft hat.

Linus hat was am Popo. `Nen Anton nämlich….

Im Jahr 2017 stand ein erneuter Umzug an – der treue Radio-Kreta-Fan kennt die Geschichte schon – vorher war aber noch das gewaltsame Ableben unseres Chaoten-Riesenbabies Linus zu betrauern. Und anzuzeigen. Und dann gab es immer mal wieder wechselnde Pflegehunde, die wir bis zu ihrer Ausreise bei uns betreuten. Da war auch immer Leben in der Bude – und wir haben jeden der kleinen Reisenden dermaßen in´s Herz geschlossen, dass jeder Abschied ziemlich tränenreich vonstatten ging. 

Frühmorgendlicher Abschied von Max, der jetzt als Michel in der Gegend von Kiel rumtobt. Ziemlich schwer, nach mehr als 3 Monaten bei uns….

Und dann zogen wir nochmal um, diesmal nach Kalamos – und da ist das mit den Pflegehunden nicht mehr so einfach, da da nix eingezäunt ist und die Nachbarn meckern würden – dafür kam die Chilli-Katze zu uns. So ein blöder Name – wir haben ihn aber beibehalten, weil sie wohl so ziemlich die gechillteste und entspannteste, sanfteste und ruhigste Katze ist, die man sich vorstellen kann.

Dazu sei noch gesagt, dass ich seit Ewigkeiten – also bis „Lilly-Willi“ – unter einer ziemlich heftigen Katzenallergie litt. Was dagegen hilft? Nur eins: Katze. Am Besten zur Mittagsstunde auf dem Gesicht und an den Augenwimpern rumknabbernd – da nimmt jede Allergie einfach so Reißaus. Autoimmunisierung oder so. Gegen Katzenallergie hilft halt einfach nur ne Überdosis Katze….

Nun gut, dann war da Chilli, die sich nach 2 Tagen vervierfachte. Alles wunderschön, bis dann der Mittlere der Brut – Paul – leider einem verrückten Motorrad- oder Autofahrer zum Opfer fiel und nicht mal mehr der Röntgen-Doc aus Chania weiterhelfen konnte. Und irgendwann wurde auch noch der Hundeflüsterer Anton (das ist der auf Linus´ Popo, siehe oben….) krank und war irgendwann abgängig – mit freilaufenden Vierbeinern ist es halt doch oft ein Kommen und Gehen.

Ach ja, dann war da zwischendurch auch noch das diverseste Geflügel, von kleinen Exoten bis hin zu richtig fetten Legehennen – aber nun ja, irgendwann segnen sie alle mal das Zeitliche, machen aber Zeit ihres Lebens viel Freude. Viel Arbeit auch, aber halt mehr Freude!

Aber um dann jetzt mal zur langen Schreibe tieferen Sinn zu kommen: ein Leben auf Kreta – wenn man denn wirklich und ehrlich hier leben will – ohne Haustiere ist für uns absolut nicht denkbar. Und wir wundern uns immer wieder um die „endlich-hab-ich´s-hinter-mir“-Umsiedler, die sich nicht mal einen Goldfisch anschaffen, da man ja nicht gebunden sein – und schon gar keine Verantwortung für so ein kleines oder auch größeres Wesen übernehmen will. Egal, wie hilfsbedürftig besagtes Wesen vielleicht auch sein mag. 

Allein die Kommentare auf verschiedene Posts, z.B. auf Facebook, über neu gefundene Streuner-Welpen lassen einen schon fast verzweifeln. Da kommentieren die Leute „wir wünschen den Kleinen alles Gute“, „hoffentlich finden sie ein gutes zu Hause“, „wer tut denn sowas und wer kümmert sich denn nun um die Babies?“.

Und wer tut wirklich was? KEINER! Außer den lokalen Tierschützern, die sich die respektiven Är…e aufreißen, um Geld für Futter, Tierarztbesuche und Pflege aufzutreiben – alle anderen schlendern mal vorbei, tätscheln eben mal ein Welpenköpfchen, bringen vielleicht mal ein bisschen Futter vorbei und sind dann eben mal wieder weg. Da sind die Kinder nun aus dem Haus, da hängt man sich doch kein Hundewelpen oder Katzenbaby an den Hacken!

Wir finden: konsequent ist anders, vor allem angesichts der vielen Streuner, die es hier auf der Insel gibt und die sicherlich mehr als dankbar für ein liebevolles, warmes und kuscheliges Zuhause wären. Wir sehen durchaus auch ein, dass es in vielen Fällen aus den unterschiedlichsten Gründen einfach nicht möglich ist, sich eines Streuners anzunehmen – aber wir kennen so unendlich viele Fälle, wo es einfach nur aus Gründen der eigenen Bequemlichkeit nicht passiert, dass wir einfach mal wieder nicht genug Köpfe haben, wie wir schütteln möchten und müssen.

Und dabei wissen diese Leute nicht mal, was ihnen entgeht! Arme Zweibeiner!!!

Radio Kreta – Tierschutz ist wichtig.

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2 Kommentare

  1. Sehr schön und vor allem treffend geschrieben. Wir haben mittlerweile 2 Hunde aus Kreta und 2 Katzen die mit uns mal mehr oder weniger im Haus leben…
    Die Katzen im Dorf sind mit einer Futterstelle versorgt und die Dorf Hunde sind versorgt mit Nahrung durch Einheimische, viel zu gut wie ich täglich sehe, den die lieben ihre 4 beinigen Aufpasser sehr als Alarmanlage…
    Tierschutzarbeit ist selbstverständlich, Kastrationaktion ist eine Arbeitswoche, nach der ich erst mal 2 Wochen brauche…aber ich mache es gerne…
    Wenn JEDER Kretafreund der die Insel besucht, für die Kastration „seiner“ Katze sorgen würde, statt Katzenfutter im Lidl auszukaufen, sorry aber gerade dort steh ich selbst immer im Sommer vor leeren Regalen, und ich brauche 8kg die Woche…
    Das ärgert mich, die Hilfsbedürftigkeit sehen und dann die Arbeit den Anderen überlassen.
    Kommentare und Anrufe helfen den Tieren nicht. Katzen und Hunde haben eine Aufgabe und erfüllen diese gerne. Wieviele Ratten wären ohne die Katzen unterwegs und auch mit Fütterung werden weiter von den Tigern die Ratten gefangen…
    Hunde bewachen und beschützen und sind die treuesten Gefährten auf unserer Reise durch das Leben…die Einschränkungen oder Unbequemlichkeit sind so gering im Vergleich zu dem was sie und geben, zeigen und uns zu lernen geben können…
    Ohne Tiere gelebt zu haben? Hast du dann gelebt oder nur den Prozess des Alterns durchlaufen?
    Dieses Welt gehört nicht nur den Menschen und das Wichtigste und Wertvollste ist nicht bezahlbar!

  2. Ich habe mit großer Aufmerksamkeit den Bericht gelesen. Meine höchste Hochachtung haben die einheimischen Tierschützer die jeden Tag mit den Schwierigkeiten sich auseinander setzen müssen. ALLERDINGS darf man die Hilfe aus dem Ausland nicht vergessen, ohne diese Unterstützung wäre manches nicht mehr möglich. Es wird gern getan und wir leiden und freuen uns aus der Ferne mit. V. G. WIEBKE von den Kivos. Diese Kommentare bei Facebook bringen mich zum Kochen.,!!!!

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