Slow-Traveling auf Kreta: Ein Reisebericht.

05. Mai 2019, von Bernd Grosseck.

Slow-traveling in Kreta (Teil 1).

Pünktlich um 04.20 Uhr hob der Flieger in Wien Schwechat ab und nahm Kurs auf unser Ziel, Chania auf Kreta, der größten griechischen Insel. Eine kurze Nacht lag hinter uns. Da wir die Koffer leider nicht am Vorabend aufgeben konnten, war um 01.30 Uhr im Flughafenhotel Tagwache und um 02.15 Uhr die Kofferabgabe am Check-In Schalter unserer Fluglinie.

Das Panorama der Lefka Ori, der weißen Berge (Felsmassiv mit alpin anmutenden Gipfeln, höchster Punkt rd. 2450 m)  begrüßte uns beim Landeanflug und unsere Koffer fanden auch den Weg wieder zu uns; natürlich waren diese unter den Letzten, die sich auf dem Gepäckband befanden. Ein paar kleine Blessuren trugen Sie von ihrer ersten großen Reise gleich davon, hatte ich sie davor erst neu gekauft. 

Foto: Bernd Grosseck.

Unser bestelltes Mietauto haben wir am Flughafen übernommen, hier hat auch alles bestens funktioniert. Etwas müde, aber glücklich und mit viel Vorfreude ging es dann zu unserem Hotel, das wir als Ausgangspunkt für zehn Tage “slow traveling” in bzw. durch Kreta gewählt haben.

Über das fahrerische Können, die Freude der Kreter am Kurven schneiden und ihrer Vorliebe entweder am Pannenstreifen zu fahren (so es einen gibt) oder eher die Fahrbahnmitte zu verwenden, habe ich im Reiseführer vorweg schon gelesen. Wir sind in den zehn Tagen rd. 1300 km gefahren und ich muss bestätigen, es hat alles gestimmt. Enge Kurven sollte man wirklich so weit rechts wie möglich befahren. Das war aber in den Tagen, an denen wir in Kreta waren nicht ganz so einfach, da schwere Unwetter die großteils ohnehin schlechten Straßen nochmals vielerorts in noch schlechtere Zustände gebracht hatten. Das Warnschild “Achtung Steinschlag” fand sich an vielen Orten wieder, nur durfte es bald ausverkauft gewesen sein, da immer wieder kleinere Felsen, Steine plötzlich vor einem am Fahrbahnrand auftauchten, ohne dass man dezidiert darauf hingewiesen worden ist.

Allerdings passt man sich beim Fahren bald den Gegebenheiten an, fährt sehr vorausschauend und immer neugierig, was sich so nach der nächsten Kurve ergeben könnte. Im Landesinneren nutzen ohnehin auch Ziegen und Schafe die Straße, auch kleinere Bäche änderten an manchen Stellen ihren Lauf und man fuhr halt hindurch. Vorbildlich sind viele kretische Autofahrer, wenn sie erkennen, dass man überholen möchte. Sie fahren dann ganz rechts und so es die Fahrbahnbreite zulässt, ist ein Überholen kein Problem. Zu schnell sollte man es halt nicht angehen, da viel Schlaglöcher die Fahrbahnen zieren und diese mitunter recht groß sind, dass man sich in manchen darin sogar verstecken könnte… .

Abgesehen von den Straßenzuständen ist eine Fahrt durch Kreta im Frühjahr ein wunderbares landschaftliches Erlebnis. Ein Blütenmeer ziert die Hochebenen im Landesinneren, an jeder Ecke finden sich kleine Kapellen oder auch manchmal große Kirchen, die aus der Landschaft monumental und prachtvoll herausragen.

Wir hielten uns überwiegend im Westen von Kreta auf, wo die Gegend noch eine unheimliche Ruhe ausstrahlt. Ich war vor knapp 30 Jahren mit dem Rucksack ebendort (heute würde man als “backpacker” sagen) und dieser Teil der Insel hat meines Erachtens noch nichts von seinem ursprünglichen Charme eingebüßt. Eine Fahrt durch das hügelige Gebiet kann mitunter recht einsam sein, da sich um zu der Jahreszeit noch nicht allzu viele Touristen in diese Gegend verirren.

Apropos Jahreszeit: Die Klimakarten zeigen für Kreta im April durchschnittlich drei Regentage und Höchsttemperaturen knapp über der 20 Grad Marke an. Vor unserer Reise habe ich natürlich den Wetterbericht schon emsig studiert und mich unheimlich gefreut, dass bis zu unserer Ankunft die drei Regentage bereits Geschichte sind, weil es davor sehr schlechtes Wetter gab; im Osten von Kreta kam es leider sogar zu großflächigen Überschwemmungen. Nach unserer zehntägigen Reise habe ich wieder eine Erkenntnis dazugewonnen: Beim Studium von Klimatabellen soll man dem Wort “Durchschnitt” wirklich die Bedeutung geben, das es hat und man soll daraus nicht schließen, dass man zu der Zeit, wo man selbst dort ist, sich auf den “Durchschnitt” verlassen kann…. .

Wir hatten also ziemlich durchwachsenes Wetter…, während es in der österreichischen Heimat in dieser Zeit T-Shirt – Wetter unter blauem Himmel gab, waren wir froh, dass Fleece- und Regenjacke den Weg mit in den Süden gefunden hatten. So saßen oder spazierten wir halt mit mehreren Schichten am Strand , ließen uns trotz starken Windes und mitunter wenig Sonnenstunden die Freude am Meer, an der Natur, am Urlaub in keinster Weise nehmen.

Das Meer hatte satte 16 Grad, bis auf ein paar hartgesottene “Winterschwimmer” reizte es in den Tagen, wo wir zu Besuch auf Kreta waren kaum jemand mehr als die Füße ins Wasser zu stecken. Kreta hat viele schöne Strände. Einer der schönsten im Südwesten ist “Elafonisi”.  Bilder auf Instagram zeigen eine Märchenlandschaft, mit rosa Muschelsand, türkisfarbenen Meer, unberührten Dünen und eine Lagune mit nur zentimetertiefem Wasser, durch das man zu einer Insel schreiten kann.

Die Fahrt dorthin war verheißungsvoll, das Außenthermometer unseres Mietautos kletterte rd. 15 Minuten vor unser Ankunft auf 20 Grad. “All time high” in diesen Tagen für uns!  Wir kamen an, der Himmel zog zu. Unbeeindruckt dieser Tatsache marschierten wir vom Parkplatz los und ließen uns am Strand nieder. Bis der Regen kam. Zurück zum Auto, Regenjacke angezogen und wieder losspaziert. Wir hatten damit den Vorteil, dass wir einer der wenigen Strandbesucher waren, die sich trotz der widrigen Umstände aufmachten, die Gegend zu erforschen und wurden dann sogar mit rd. 15 Minuten Sonnenschein belohnt. So leuchtete auch für uns kurz das Meer türkis, der Sand glitzterte an manchen Stellen rosa und da kaum Menschen (im Gegensatz zum Sommer!) sich mit uns am Strand tummelten, gehörte uns dieser Anblick in diesen Momenten fast ganz alleine.

Foto: Bernd Grosseck.

Eine weitere Stadt, die wir im Süden aufsuchten, war Paleochora. Der Ort liegt auf einer schmalen Halbinsel und wird von zwei Stränden geteilt; einem kiesigen Strand und einem sanft abfallenden Sandstrand. Da die Transferzeit vom Flughafen nach Paleochora vielen einfach zu lange ist und die Fahrt durch das Landesinnere sehr herausfordernd, gibt es zwar einige Appartements, die man mieten kann, aber  keine größeren Hotels. Abend werden die Straßen (nicht die Gehsteige!) hochgeklappt und das Zentrum verwandelt sich in eine riesige Taverne, wo man die vielschichtige regionale Küche genießen kann.

Die weitere Reise führte uns dann zum geschichtsträchtigen Kloster Moni Arkadiou, in die „Hippiestadt“  Matala in den Süden, zu den archäologischen Stätten Knossos und Festos; weiters statteten wir Chania und Rethymnon einen Besuch ab. 

Die gesamten Reisebericht (Teil 1-3) mit vielen genialen Fotos von Bernd findet Ihr auf seiner Website Bildausschnitte.at. Unbedingt mal anschauen. Sehr empfehlenswert.

 

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Ein Kommentar

  1. Lieber Autor,
    bei der Beschreibung der Fahrgewohnheiten der Kreter und dem Zustand ihrer Strassen bedienen Sie sich gängiger Klischees. Ich finde das Fahren auf Kreta gerade wegen der durchweg rücksichtsvollen Fahrweise der Kreter und wegen des relativ guten Zustandes der Strassen im Vergleich zu Deutschland als ausgesprochen entspannend.
    Ludger Maria Schäfer

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