Urlaub unter Palmen: Vai ist schon lange kein Geheimtipp mehr!

„Wo geht’s denn hier zum Palmenstrand?“ Diese Frage hört man auf Kreta öfter als viele vermuten. Schuld daran ist natürlich der berühmte Palmenstrand von Vai, den die meisten Kreta-Neulinge im Süden der Insel vermuten. Stattdessen versteckt sich Kretas bekanntester Geheimtipp im äußersten Nordosten bei Palekastro.

Postkarten vom Palmenstrand in Vai, dem Vai Finikodasos (Βαϊ Φοινικοδασος), gibt es sogar auf dem griechischen Festland zu kaufen, so berühmt ist dieser Palmenhain. Und er ist, in doppelter Hinsicht, etwas Besonderes, denn die grünen Wedel der Palmen beschatten das Tal eines Baches, der an seiner Mündung ins Meer einen wunderbar hellen Sandstrand durchquert. Palmen unter blauem Himmel, weißer Sand, Sonne und Meer: das ist Karibik im Miniformat! Der Umfang des Waldes beträgt ca. 20 Hektar, ca. 5.000 Bäume, größere Palmenansammlungen gibt es auf der ganzen Insel nicht.

Ein bisschen Historie

Schon lange bevor Urlauber den Strand als „Traumstrand“ entdeckten, schätzten Piraten die Felsinseln davor als Unterschlupf, Bauern nutzen bis heute das obere Bachtal für Pflanzungen gut gedeihender Rebstöcke. Als die „Blumenkinder“ und Hippies aus den Höhlen Matalas vertrieben wurden, kampierten sie unter den Palmen von Vai, bis die griechischen Behörden den Palmenhain unter Naturschutz stellten, einzäunten und seitdem nur noch Tagesbesucher am Strand dulden.

Natürlich ranken sich Legenden und Mythen um die Entstehung dieser ungewöhnlichen Oase. So sollen z.B. phönizische Händler, oder gerne vielleicht auch Sarazenen, mitgebrachte Datteln verzehrt und die Kerne achtlos verstreut haben, aus denen dann die ersten Palmen von Vai wuchsen. 

Botaniker haben dafür allerdings eine weitaus realistischere Erklärung:  Die endemische Palmenart „Phoenix Theophrasti“ bildet den Palmenwald von Vai – ihre Früchte sind allerdings ungenießbar, wie bei allen Palmen, die ihr nördlichstes Verbreitungsgebiet im Mittelmeerraum haben. In minoischer Zeit wuchsen wohl mehr Palmen auf Kreta, denn sie wurden auf vielen antiken Keramikgefäßen abgebildet. Der typische Stamm, der am Fuße schlanker ist als am oberen Schaft, war vielleicht sogar Vorbild für die minoische Säule… – aber wer weiß das schon? Es wird halt gemunkelt…. 😉

Ein Tag in Vai

Die Anreise ist nichts für Ungeduldige, denn bei Sitia ist die Fernstraße zu Ende, sodass es ab hier nur noch über eine enge kurvige Landstraße weitergeht über Toplou oder Palekastro. Dennoch gehört ein Besuch in Vai zu den überraschendsten Landschaftseindrücken auf Kreta. Obwohl rund um den großen Parkplatz der Ort touristisch vermarktet wirkt (und wird – in der Hochsaison kann es voll werden, da dann auch viele Pauschaltouristen mit Bussen nach Vai gekarrt werden…. urgs….!), ist der Strand selbst eher eine reizvolle Oase. Im Palmenhain blüht wunderschöner Oleander, der helle Sand kontrastiert mit dem hellblauen Himmel und dem tiefblauen Meer, bizarre Felseninseln rahmen die Bucht. Natürlich sind auch diese legendenumrankt, so soll hier der berüchtigte Chaireddin Barbarossa, der 1537/38 alle griechischen Inseln plünderte und unterwarf, einen Schatz in der Felshöhle vergraben haben. Na dann mal los, Ihr Schatzsucher!

Wichtig: Ein Bikini alleine reicht nicht für einen Tag in Vai, denn für Spaziergänge an der Küste ist festes Schuhwerk erforderlich. Wer keine Wanderschuhe oder bequeme robuste Freizeithosen besitzt, sollte sie rechtzeitig vor dem Urlaub besorgen. Feste Schuhe sind auf Kreta ohnehin immer eine gute Idee, denn die Insel lädt zu vielen herrlichen Wandertouren ein und auch für die Besichtigung bekannter Orte wie Knossos sind Flipflops und dünne Sandalen eher ungeeignet.

Vai ist zwar der berühmteste Palmenstrand von Kreta, aber nicht der einzige: Nicht minder schön ist der Strand von Preveli an der Südküste, etwa 25 km von Rethymno entfernt. Er ist vor allem bei Wanderern beliebt, die zuvor die imposante Schlucht von Preveli durchwandert haben. Da die Bucht jedoch ein empfindliches Biotop darstellt, das ohnehin schon unter dem touristischen Ansturm leidet, wollen wir den Tourismus an diesem Ort nicht noch zusätzlich fördern.

Wenn es am eigentlichen Strand von Vai wieder einmal zu voll geworden ist, ermöglichen Wanderschuhe übrigens auch eine Flucht in die umliegenden Buchten. Da gibt es dann zwar keine Palmen, aber dafür herrliche Ruhe.

Post to Twitter Post to Delicious Post to Facebook Post to MySpace

Ein Kommentar

  1. Moin,
    meine Frau und ich waren vor 4 Jahren zum ersten Mal am Strand von Vai. Es war schön, vlt. auch, weil keine Hauptsaison war. Letztes Jahr unser 2. und gleichzeitig letzter Besuch. Nix typisch griechisches / kretisches (für mich hat das etwas mit Improvisation / Chaos zu tun 😉 ) mehr. Alles nur noch straff organisiert, angefangen bei den „ordnungsgemäß“ markierten Parkbuchten auf dem großen Parkplatz bis zu den in Reih und Glied aufgestellten Sonnenliegen und -schirmen. Aber wir sind halt auch keine Strandurlauber.

    Das Kloster Toplou ist ein schöner Ausflugsort in dieser Ecke Kretas. Sehr interessant, wenn man etwas dafür übrig hat.

    Btw: Wenn mit dem mehrfach genannten „Barcadi“ den weißen Rum von den Bermudas gemeint ist, der heißt übrigens Bacardi ( https://de.wikipedia.org/wiki/Bacardi bzw. https://www.bacardilimited.com/ ).

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte Anti-Spam-Sicherheitsabfrage beantworten: *