27 Jahre Kreta – eine Inselliebe.

Von Dr. Holger Czitrich-Stahl.

Es ist zu einer lieben Gewohnheit geworden, meinen Herbsturlaub auf Kreta zu verbringen. Seit 27 Jahren, also seit meinem halben Leben, bin ich dieser einmaligen Insel verbunden, die doch so griechisch ist und dennoch ihre Eigenheiten und Unverwechselbarkeiten besitzt.

Im Sommer 1987, im Hochsommer genauer gesagt, waren wir aus Bielefeld aufgebrochen: meine Freundin und heutige Frau, unser neuer Bekannter Dimitrios, selbst Halbgrieche aus Bielefeld, und ich. Die Mitfahrzentrale hatte uns an ihn vermittelt, da er Mitfahrer für die lange Strecke zur Chalkidiki suchte, wo seine Familie eine Ferienwohnung besaß. Wir wollten von Thessaloniki aus weiter zum Pilion in Zentralgriechenland und später nach Kreta. Nach zwei Wochen Pilion machten wir beide uns mit dem Zug von Volos aus auf den weg nach Athen, von wo aus wir in Piräus die Nachtfähre nach Heraklion zu nehmen gedachten.

Doch mitten im Gebirge streikte die Lokomotive; es dauerte mehrere Stunden, bis die Weiterfahrt möglich wurde, und wir kamen sehr spät abends in Athen an und nächtigten in einem Youth Hostel am Victoria-Platz mit dem originellen Namen „Zorbas“. Beiläufig muss ich erwähnen, dass wir uns gerade in einer Hitzewelle befanden, die Tage erhitzten sich auf über 40 Grad Celsius, die Nächte kühlten kaum unter 30 Grad C ab. Am Folgetag dösten wir
in Piräus der Nachtfähre entgegen und verbrachten auf dieser die Nacht in Schlafsäcken auf dem Oberdeck.

Stockduster erreichte die Fähre Heraklion und wir nahmen uns ein Taxi in den Süden der Insel. So lernte ich erstmals die Passstraße am Psiloritis vorbei kennen, der Taxifahrer lud uns netterweise auf eine Frappé in Agia Varvara ein, dem höchsten Punkt der Strecke. Anschließend ging es in Serpentinen hinunter nach Mires, am römischen Gortys vorbei und unserem Ziel entgegen. Natürlich kannte der Taxifahrer eine angemessene
Unterkunft, und so landeten wir bei „Acropol“ an der Hauptstraße nach Matala. Die Hitze nötigte uns, in feuchten Bettlaken auf dem Balkon zu schlafen.

Am Kommos Beach.

Bald hatten wir die ersten Gehversuche in Richtung „Kommos Beach“ gemeistert, angeblich 10 Minuten, tatsächlich rund 30 Minuten entfernt. Am Dorfplatz, der „Platia“, machte ich die ersten Erfahrungen mit dem kretischen Raki (Ratschi) bei „Markos“, der stets irgendwann zur Lyra griff und kretische Lieder spielte. Markos lebt schon lange nicht mehr, außerdem machte seine berüchtigte Freigiebigkeit ihm irgendwann einen Strich durch die Kasse. An jenem Abend lernten wir noch eine nette junge Bayerin mit ihrem Begleiter kennen, von der ich mir sicher bin, dass es sich um die Sängerin Nicki handelte, die ebenfalls aus Plattling stammte. Mit dem Motorroller erkundeten wir die nähere Umgebung: Mires, Matala, das Kloster Ogiditrias, Festos, Kalamaki und Agia Triada. Und das Überraschendste: Eines Abends trafen wir meinen Bielefelder Nachbarn Edgar in „unserem“ Acropol, der mit dem PKW unterwegs war, und unternahmen so noch einige weitere Touren.

Ich erspare mir Weiteres aus dem Nähkästchen, aber es ist wohl müßig zu erwähnen, dass dieser Sommer auf Kreta den Beginn einer lebenslangen Liebe zu dieser Insel darstellte.

Damals übrigens begannen meine Literaturstudien zu meiner Examensarbeit und meinem Erstlingsbuch „Konservatismus und nationale Identität in der Bundesrepublik Deutschland“, einige relevante Bücher hatte ich im Urlaub zu bearbeiten begonnen. Und sehr häufig habe ich die mittlerweile regelmäßigen Kretaurlaube zum Anlass genommen, an Büchern oder Texten und an meiner Dissertation zu arbeiten.

Dass das möglich ist, dafür sorgen mehrere Faktoren: Die mittlerweile vertraute Umgebung, die himmlische Ruhe zwischen Psiloritis und dem Golf von Messara und die Anregungen, die Kreta immer wieder Denjenigen schenkt, die einem herben, aber herzlichen Charme verfallen sind, nicht zuletzt auch durch die Herzlichkeit seiner Menschen. Ich wünsche mir weitere 27 Jahre mit Kreta.

(Geschrieben in der Messara/Südkreta. 

Aus dem neuen Buch „Unterwegs nach Süden“ von Holger Czitrich-Stahl.

Buchtipp: „Unterwegs nach Süden“, von Holger Czitrich-Stahl.

5 Kommentare

  1. Impfen
    So einfach ist es nicht. Ich habe mich am 02. Februar online zum Impfen – ohne AMKA- angemeldet. Am 04.April erhelt ich die Antwort, ich müsse eine vorläufige AMKA beantragen. Habe ich gleich gemacht. Warte nun seit fast 4 Wochen auf Antwort. Alle Ausländer mit den Anfangsbuchstaben Sch im Nachnamen haben das gleiche Problem. Andere Deutsche sind ohne AMKA problemlos zu ihrem Impftermin gekommen. Für die Beantragung einer ständigen AMKA verlangt meine Steuerberatung 200 Euro. Ist mir zu teuer. Ich bin 78 Jahre und möchte geimpft werden. Weiss jemand eine Lösung?

  2. Wir sind ebenfalls aus Bielefeld und leben seit längerer Zeit von April bis November an der Nordküste (nahe Georgioupolis). Wir können jeden verstehen, der diese Insel liebt.

  3. Auch mein Mann und ich, ebenfalls Bielefelder, sind mit dem Kreta-Virus infiziert. Das geht soweit, dass wir uns ein zweites Domizil auf der Insel im Apokoronasgebiet geleistet haben, mit dem Ziel in ein paar Jahren viel mehr Zeit auf „unserer“ Insel zu verbringen.

  4. Auch ich bin seit den 80igern Kretafan. Kennengelernt durch die Bundeswehr ( Namfi , Flugzielschiessen ) flog ich regelmäßig auf meine Lieblingsinsel.
    Seit mehreren Jahren nun mit meiner Familie. Der Nordwesten ( Chania, Rethymnon usw.) ist unsere Lieblingsecke.
    Gruss Haui

  5. Auch für mich und meinen Mann ist Kreta fast zur 2. Heimat geworden. Wir haben schon 15 Mal dort unseren Urlaub in Platanias im Nordwesten der Insel verbracht und Freunde gefunden! Die Herzlichkeit der Kreter ist unwiderstehlich! Wir haben schon viele Ecken der Insel erkundet.

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