Bezauberndes Kreta: Die Weißen Berge (Levka Ori).

Die weißen Berge (Levka Ori – λευκά όρη) tragen ihren Namen mit vollem Recht. Im Sommer ragen ihre kahlen Kalksteinfelsen bleich in den blauen Himmel über Kreta, im Winter sind sie schneebedeckt und strahlend weiß. Stets vermitteln sie den Eindruck einer weißen, kargen Landschaft, wild und schön – egal, ob man sie vom Meer oder von Chaniá aus sieht.

Sie sind die wildeste Landschaft Kretas, die kargste und am wenigsten kultivierte, in der die Traditionen im Leben und Denken der Menschen trotz Tourismus und Konfrontation mit der modernen Welt fortleben.

Winter in den Bergen Kretas.

Sie sind berühmt, und dennoch kommen hierher weniger Touristen, als in das Psiloritis- oder Dikti-Gebirge weiter westlich. Das liegt sicherlich sowohl an der relativ großen Entfernung nach Heraklion, sowie an den wenigen Straßen und touristischen Einrichtungen in dieser wunderschönen, aber steilen Küstenregion. Sfakiá ist lediglich ein kleiner Fährhafen, und nur Sougia, am Ende einer langen, gewundenen Straße gelegen, bietet alle Annehmlichkeiten eines modernen Ferienortes.

Wilde Küsten, historische Stätten

Die südliche Küste der Weißen Berge ist die einsamste und wildeste von ganz Kreta. Zwischen Soúgia und Sfakiá wird sie von steil aufsteigenden glatten Felswänden überragt, die wie wehrhafte Türme gegen die Libysche See hin stehen. 25 Kilometer Küste, wo keine Straße hinführt, kaum ein Mensch zu finden ist.

Wandert man hier durch die Weißen Berge, so kommt man über staubige Straßen in abgelegene Bergdörfer, nach Ágios Ioánnis zum Beispiel, einem Dorf oberhalb des Küstenortes Loútro, oder nach Prodrómi, nordöstlich von Paleóchora, wo man stehts willkommen ist. Man stößt hier auf historische Sehenswürdigkeiten, wie man sie z.B. im hellenistischen Stadtstaat von Lissos westlich von Sougia oder in Aradiana nahe Anopolis findet.

Der einsame Süden Kretas.

Einen Ausflug ist auch Pikilassos, ca. 6 km östlich von Sougia und nur mit dem Boot erreichbar, oder der alte Hafen von Phoenix, unmittelbar westlich von Loutro gelegen wert. In Letzterem hatte der heilige Paulus nicht landen können, so dass er schließlich Schiffbruch auf Malta erlitt.

Die weißen Berge sind der mächtigste Gebirgszug Kretas, ein 500 Quadratkilometer umfassendes Bergmassiv, dessen höchster Gipfel der 2.453 Meter hohe Berg Pachnes ist – nur 3 Meter niedriger als der Psiloritis, jedoch sehr viel schwieriger zu begehen. Vom Touristenzentrum oberhalb der Samariá-Schlucht gelangt man in ca. anderthalb Stunden zur Berghütte „Kallergis“ (Καλλέργης) der griechischen Bergsteigervereinigung, von wo aus man den Gipfel der Weißen Berge erklimmen kann.

Empfehlenswert ist allerdings auf jeden Fall, einen ortskundigen Bergführer (z. B. Pierre Pisano, ein Bergführer auf Kreta) mitzunehmen!

Die Kallergis-Hütte.

Große Schluchten zerschneiden den Berg zur Küste hin, darunter die berühmte Samariá-Schlucht und die Imbros-Schlucht. Aber auch fruchtbare Hochplateaus wie das von Omalos oder Askifou bieten sich dem Blick des sicherlich überwältigten Besuchers.

Berühmt-berüchtigte Bergbewohner

Die Region der Weißen Berge ist die Heimat der berühmt-berüchtigten Sfakioten, eines stolzen, kriegerischen Volkes, das stets allen Invasoren Kretas Widerstand geleistet hat. Daskalogiannis, der glücklose Führer der Revolte gegen die Türken im Jahr 1770, ist ihr kämpferisches Vorbild und Symbol.

Jedoch hat ihre Kühnheit und ihr Wille zur Unabhängigkeit immer wieder viele der Sfakioten-Dörfer nahezu entvölkert – zuletzt während des 2. Weltkrieges. Alte Männer tragen hier noch immer die Kleidung der Sfakioten und auch eine Pistole im Gürtel (wenn auch meist nicht sichtbar).

Bergziege in der Samaria-Schlucht.

Die Einwohner von Siteia, einem Städtchen ganz im Nordosten – also quasi dem anderen Ende – Kretas, heitere und lebensfrohe Menschen, betrachten die Sfakioten mit einer Mischung aus Bewunderung, Angst und Unverständnis.

Mit drei gleichzeitigen Gesten charakterisieren sie die Sfakioten: mit einem finsteren Blick, einer erhobenen Faust sowie einer ausladenden Bewegung, mit der sie den Zeigefinger der anderen Hand an ihre Schläfe setzen. Das sagt schon fast alles….

Die Levka Ori – wilde Berge, ungezähmte Natur, wilde und unbezähmbare Bergbewohner.

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