Den Caesar Salad findet man sehr häufig auf griechischen Speisekarten. Doch ist er auch eine griechische Erfindung?
Mehr dazu weiß Udo Röber:
Der Caesar Salat. Eine traurige Geschichte
Der Anfang ist bekannt, zumindest ungefähr.
Mit Julius Caesar hat der Caesar Salad nichts zu tun, und auch das berühmte Caesars Palace in Las Vegas ist nicht sein Ursprungsort. Seinen Namen verdankt er Caesar Cardini, einem italienischstämmigen Restaurantbesitzer, der in den 1920er-Jahren in Tijuana, Mexiko, ein Restaurant betrieb. Dort soll der Salat entstanden sein, angeblich eher aus der Not heraus als nach einem lange vorbereiteten Rezept.
Das macht die Geschichte sympathisch. Denn Cardini nahm offenbar das, was gerade vorhanden war, und machte daraus etwas Besonderes.
Was ursprünglich auf den Teller kam.
Der klassische Caesar Salad ist eigentlich ein erstaunlich schlichtes Gericht: Römersalat, Parmesan, Olivenöl, Ei, Zitronensaft, Knoblauch und Worcestersauce, dazu schwarzer Pfeffer und geröstetes Brot.

Das Dressing wird aus Eigelb, Zitronensaft, Worcestersauce, Knoblauch und Olivenöl zu einer cremigen Emulsion aufgeschlagen und mit Parmesan abgeschmeckt. Für die Croutons wird gutes Brot gewürfelt und mit Olivenöl und Knoblauch knusprig geröstet.
Kein Hähnchen, keine Panade, keine Fertigsauce und kein halber Supermarkt auf dem Teller.
Und heute?
Ein grüner Salat, ein paar Croutons, Parmesan und dazu panierte Hähnchenstücke oder -keulen aus der Tiefkühltruhe. Das Dressing kommt aus der Plastikflasche oder gleich aus dem Eimer.
Das Hähnchen hat mit dem ursprünglichen Rezept ohnehin wenig zu tun. Es ist eine spätere Ergänzung, die inzwischen allerdings so selbstverständlich geworden ist, dass ein Caesar Salad ohne Chicken vielen kaum noch vollständig erscheint.
Dabei war gerade die Einfachheit das Besondere: wenige Zutaten, die frisch zubereitet und miteinander abgestimmt werden.
Was ist also aus dem Caesar Salad geworden?
Natürlich dürfen sich Rezepte verändern. Aber irgendwo zwischen Tiefkühltruhe, Tüte und Fertigdressing ist aus einer einfachen Restaurantkreation ein Convenience-Produkt geworden.

Von Caesar Cardinis improvisierter Idee bleibt dabei manchmal nur noch der Name. Eine kleine kulinarische Tragödie.
Und eigentlich eine völlig unnötige. Denn einen guten Caesar Salad zuzubereiten, ist kaum aufwendiger, als eine Tüte aufzureißen.
PS: Und wie war das mit den Sardellen?
Eine kleine historische Besonderheit gibt es noch: Die Sardelle, die heute für viele geradezu zum Caesar Salad gehört, soll im ursprünglichen Rezept von Caesar Cardini gar nicht enthalten gewesen sein. Den würzigen, salzigen Geschmack lieferte dort offenbar die Worcestersauce.
Erst spätere, insbesondere amerikanische Varianten brachten Sardellen ins Spiel. Sie wurden schließlich zu einem festen Bestandteil vieler Caesar-Dressings – meist als fein zerdrückte Sardellen oder Sardellenpaste.
Und damit hat sich der Caesar Salad schon lange vor Tüte und Eimer verändert.
Die Sardelle ist also nicht das Problem. Die industrielle Version ist es.
