Der griechische Schuldenerlass: Was hältst Du davon?

Vorschaubild: „Egal, wo man lebt. Der Bürger wird wie ein Schaf gemolken.“

Der frühere griechische Finanzminister Jianis Varoufakis hat gefordert, seinem Land die Rückzahlung der EU-Kredite zu erlassen.

„Lasst uns unsere gegenseitigen Schulden auslöschen und nach vorne schauen“,

Janis Varoufakis.

sagte Varoufakis dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Freitag-Ausgabe). Im Gegenzug könnten dann die Griechen auf Reparationen für die Folgen des Zweiten Weltkriegs verzichten. Die Enteignungen durch die Wehrmacht wurden damals formal als Kredit Griechenlands an das Deutsche Reich deklariert.

Damit begründet der Mittelmeerstaat seine im April erneuerte Forderung, Deutschland solle 290 Milliarden Euro an Griechenland zahlen.

„Ich denke nicht, dass junge Deutsche mit Schulden gegenüber den Griechen leben sollten, und genauso wenig glaube ich, dass es gerecht ist, wenn junge Griechen ihr Land verlassen müssen“, sagte der Politiker.


Der gesamte 67 seitige Bericht „Die Wahrheitskommission für die Staatsverschuldung Sonderkommission des griechischen Parlaments, Erster Bericht, Juni 2015 findet man im Netz vollständig auf deutsch. Es lohnt sich sehr den lesenswerten und fundierten Bericht der Wahrheitskommission durchzulesen.

Hier der Bericht der Wahrheitskommission: Wahrheitskommission_DE.

6 Kommentare

  1. Ich habe mit „gefällt mir“ gestimmt, auch wenn dies nicht ganz dem entspricht, was ich von dieser Sache halte. „Könnte man so machen“ ist mir zu weich. Letztendlich wäre ich „auf jeden Fall dafür“, denn mit den Griechenland in den letzten Jahren gewährten Krediten sind zum überwiegenden Teil die Schulden bei den ausländischen Gläubigern (vor allem deutsche und andere europäische Banken) getilgt worden. Und der deutsche Staat hat mit einer 2-stelligen Milliardensumme verdient. Die entsprechenden Links / Quellen kann ich bei Bedarf gerne nachliefern, die Fakten sollten aber mittlerweile hinlänglich bekannt sein und gehören nicht zu irgendwelchen „Fake-News“.

    Wo ich mir noch nicht so meine abschließende Meinung gebildet habe ist, ob es denn wirklich ein Schulden*erlass* sein sollte oder ein Schulden*schnitt* (zunächst) besser wäre. Für mich haben die demokratischen griechischen Regierungen nach der Diktatur zu dem nun erkennbaren (seit spätestens 2007/2008) Dilemma beigetragen. Problem war wohl, dass Griechenland Mitglied der EU werden sollte (auch aus Sicht der deutschen Regierung) und dies auch selbst wollte. Die Austeritätspolitik der EU und des IWF, aber auch gerade des ehemaligen deutschen Finanzministers, Herrn Schäuble, hat die Lage nicht verbessert – für die griechische Bevölkerung in keinster Weise.

    Griechenland und dem griechischen Volk ist ein schweres Unrecht durch die Greueltaten der deutschen Wehrmacht / Nazis angetan worden, das m.M. nicht durch Geld wiedergutzumachen ist.

    Und ja, das schreibe ich als Deutscher.

  2. In meinem obigen Satz „Und der deutsche Staat hat mit einer 2-stelligen Milliardensumme verdient.“ fehlt das Wort „daran“. Er soll also lauten „Und der deutsche Staat hat mit einer 2-stelligen Milliardensumme daran verdient.“

  3. Und falls jemand mit dem Wort „Greueltaten“ nichts anzufangen weiß – das ist alte Rechtschreibung. Heute muss das wohl „Gräueltaten“ geschrieben werden.

  4. Zur Lösung der Griechenland-Krise schlägt Sarah Wagenknecht einen Schuldenschnitt
    vor. Auch der deutsche Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg sei nur möglich gewesen, weil Deutschland zwei Drittel seiner alten Schulden erlassen worden seien, erinnert die Politikerin und betont: „Erst dadurch konnte das Wirtschaftswunder durchstarten. Auch bei den Griechen hatten wir damals Schulden, die nie zurückgezahlt wurden.“



    Moin und Kalimera, Griechenland hängt seit 2010 am Tropf internationaler Geldgeber. Wer über die Schulden von Griechenland redet, muss auch über die Deutsche Verbrechen und verschiedenen griechischen Entschädigungsansprüche reden, bzw. darf darüber nicht schweigen.

    Berlin schuldet Athen Millionen aus den Reparationszahlungen („Zwangsanleihe“, die Deutschland ab 1942 dem griechischen Staat abgepresst hat. Diese Anleihe, die 1945 von der Reichsbank mit 476 Millionen Reichsmark beziffert wurde, was heute nach Angaben der griechischen Regierung 10,3 Mrd. Euro entsprechen soll, ist durch die Haager Landkriegsordnung als Zwangsmaßnahme definiert, da mit ihr nicht nur die erlaubten Besatzungskosten, sondern auch und vor allem der Nordafrikafeldzug finanziert wurde.)
    Auch aktuell reden viele von angeblichen „Tricks“ und Versäumnissen der griechischen Regierung sowie den griechischen Schulden. Doch in Wirklichkeit ist Deutschland der größte Schuldner in Europa und hat es mit beispielloser Raffinesse bis heute geschafft, sich aus der Verantwortung für seine Geschichte zu schleichen.

    Es ist paradox. Griechenland braucht Geld. Dabei hat es Guthaben. Das Guthaben liegt in Deutschland und – als deutsches Staatseigentum im Ausland – in verschiedenen (europäischen) Ländern. Deutschland schuldet Griechenland seit circa 70 Jahren eine Summe, die aktuell vom griechischen Parlament auf 278,7 Milliarden Euro beziffert worden ist. Es handelt sich zum einen um die Zahlungsverpflichtungen der auf der Pariser Reparationskonferenz von 1946 festgelegten Reparationen. Zum anderen schuldet Deutschland Griechenland außerdem die Rückzahlung der sogenannten „Zwangsanleihe“ von 1942.

    Deutschland ist damit der größte Schuldner Europas! Seit nunmehr 70 Jahren versucht die deutsche Regierung sich den Zahlungsverpflichtungen mit allen Tricks zu entziehen.

    Wenn alle von den griechischen Schulden reden, müssen wenigstens wir von der deutschen Schuld und den deutschen Schulden reden!

    kaló savvatokyriako, kv

    (Es gibt eine Wahrheitskommission des griechischen Parlaments für die Staatsverschuldung. Diese Kommission hatte Zoe Konstantopoulou ins Leben gerufen. Sie wurde unter anderem geleitet von Eric Toussaint, der die Entschuldung Argentiniens, Osttimor und Ecuadors bereits erfolgreich begleitet hat und auch für die Afrikanische Union tätig gewesen ist. Die Wahrheitskommission für die Staatsverschuldung wurde am 4.April 2015 durch einen Beschluss der Präsidentin des griechischen Parlaments Zoe Konstantopoulou eingerichtet. Eric Toussaint wurde mit der wissenschaftlichen Leitung beauftragt; Sofia Sakaforka, Mitglied des Europäischen Parlaments, übernahm die Kooperation zwischen der Kommission und dem Europäischen Parlament, anderen Parlamenten und internationalen Organisationen.
    Der gesamte 67 seitige Bericht „Die Wahrheitskommission für die Staatsverschuldung Sonderkommission des griechischen Parlaments, Erster Bericht, Juni 2015“ findet man im Netz vollständig auf deutsch. Es lohnt sich sehr den lesenswerten und fundierten Bericht der Wahrheitskommission durchzulesen.)

  5. Meine Frau und ich, geboren 1953 kommen seit 45 Jahren nach Paleochora die letzten 30 Jahre mit Kindern. Wir haben uns nie beschwert, weder über 8 Drachmen pro Bett noch über 50 Euro pro ZImmer später dann. Ich denke wir sind quitt was mir auch meine zahlreichen Vermieter bestätigt haben. War ja eh nicht dabei. Im
    Übrigen trage ich Schwarz als Reminiszenz an die alten Palikari. Kann man nicht mit den albernen Touristenoutfits verwechseln.

  6. Wir sind schon häufig in Griechenland mit dem Segelboot unterwegs gewesen. Wir wundern uns warum die Infrastruktur für den Segeltourismus häufig in einem katastrohalen Zustand ist oder ganz fehlt. Die sanitären Anlagen sind zum Teil gruselig . Wir fragen uns warum nicht Mittel aus dem ESF EU – Fonds genutzt werden um die Situation zu verbessern. Damit könnte mehr Geld verdient werden. Solange sich strukturell nichts verändert wird auch ein Schuldenerlass nichts ändern.

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