Kreta im Sommer – das kennt jeder. Die vollen Strände, das türkisblaue Wasser, die Touristenbusse vor dem Palast von Knossos. Aber Kreta im Winter? Das ist eine völlig andere Insel. Eine, die sich nur denen zeigt, die bleiben, wenn die Direktflüge eingestellt werden und die letzten Mietwagen abgeholt sind. Wer das einmal erlebt hat, kommt nicht mehr davon los. Versprochen.
Die Insel wird grün. Richtig grün
Das Erste, was Dich überraschen wird: Kreta ist im Winter kein karges, ausgedörrtes Land. Im Gegenteil. Nach den ersten Regenfällen im Oktober verwandelt sich die Landschaft innerhalb weniger Wochen in ein saftig grünes Paradies.
Wiesen voller Wildblumen, Bäche, die plötzlich wieder Wasser führen, und die Berge der Lefka Ori tragen Schnee auf den Gipfeln, während Du unten am Meer bei 15 Grad in der Sonne sitzt. Dieser Kontrast – Schnee oben, Frühling unten – ist etwas, das man gesehen haben muss, um es zu glauben.
Du lernst die echten Kreter kennen
Im Sommer arbeiten die Einheimischen. Sie servieren Dir Moussaká, vermieten Dir das Zimmer und fahren Dich mit dem Boot zur Lagune von Balos. Aber im Winter? Im Winter sitzen sie im Kafenío, trinken ihren Tsikoudiá, spielen Tavli und haben Zeit. Und diese Zeit teilen sie gerne. Wenn Du Dich im Dezember in eine Dorftaverne in der Provinz Chania setzt, wirst Du Gespräche erleben, die Du im Juli nie führen würdest.
Die Wintermonate sind die Zeit der Olivenernte und des Raki-Brennens – zwei Ereignisse, die für die Kreter fast heilig sind. Wer einmal bei einer Raki-Destillation dabei sein durfte, weiß, dass dabei mehr passiert als nur Schnaps: Es wird erzählt, gelacht, gegessen und stundenlang beisammen gesessen. Das ist das Kreta, das die Touristen nicht kennen.
Die Buchungen für den Winter verdoppeln sich – aus gutem Grund
Dass immer mehr Menschen das Winter-Kreta entdecken, zeigen auch die Zahlen. Die Buchungen deutscher Reisender über DERTOUR für Griechenland haben sich in der Wintersaison 2025/2026 gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt – und Kreta war dabei die gefragteste Destination.
Etwa ein Drittel der Urlauber kann sich inzwischen vorstellen, auch in der Nebensaison zu kommen, wenn Direktflüge verfügbar sind. Der Winter auf Kreta ist kein Geheimtipp mehr. Aber ein überlaufener Ort ist er deshalb noch lange nicht.
Wandern ohne Hitzschlag
Im Sommer die Samariá-Schlucht zu laufen ist ein Abenteuer – aber eines, bei dem Du bei 38 Grad im Schatten (den es nicht gibt) ordentlich ins Schwitzen kommst. Im Winter wanderst Du bei angenehmen Temperaturen durch Schluchten, über Küstenpfade und durch Olivenhaine, ohne einen Hitzschlag zu riskieren. Der E4-Fernwanderweg, die Schlucht von Imbros, die Küstenwege rund um Paleochora – all das ist im Winter nicht nur machbar, sondern deutlich schöner. Und Du hast die Wege fast für Dich allein.

Das Licht ist weicher, die Luft klarer, und an manchen Tagen siehst Du von den Höhen der Lefka Ori bis hinüber zum libyschen Meer, ohne dass ein einziger anderer Wanderer im Blickfeld auftaucht. Wer auf Kreta im Winter wandert, versteht, warum die Kreter ihre Berge so lieben.
WLAN, Streaming und der digitale Winter
Was man vorher wissen sollte: Im Winter haben viele Hotels und Cafés außerhalb der Städte geschlossen. Das WLAN in den geöffneten Unterkünften ist oft langsamer als gewohnt, und manche Streaming-Dienste zeigen Dir plötzlich ein anderes Angebot, weil Du Dich eben nicht mehr in Deutschland einloggst.
Wer abends in der Ferienwohnung nicht auf seine gewohnten Serien verzichten möchte, sollte sich vorher ein VPN einrichten – das sorgt für eine verschlüsselte Verbindung und hilft dabei, auch von Kreta aus auf die gewohnten Inhalte zuzugreifen. Denn so schön die Abende in der Taverne auch sind: Manchmal will man einfach nur auf dem Sofa liegen und etwas Vertrautes schauen.
Kreta im Winter. Ein anderes Leben
Man lernt im Winter auf Kreta Dinge, die einem kein Reiseführer beibringen kann. Dass Regen auf Kreta kein schlechtes Wetter ist, sondern ein Segen. Dass ein Kafenío mit drei alten Männern und einer Katze der geselligste Ort der Welt sein kann. Dass die Insel nicht schläft, wenn die Touristen weg sind – sie wacht erst richtig auf. Und dass man, wenn man einmal einen Winter hier verbracht hat, den Sommer plötzlich mit ganz anderen Augen sieht.

Moin, wer mit dem Gedanken spielt, Kreta mal im Winter zu besuchen, sollte ein paar Dinge Bedenken.
Seit einigen Jahren bin ich im November und Dezember immer in Souda/Plakias und Frangokastello. Auch schon in Paleochóra, Kalýves und im Bergdorf Kato Zaros gewesen.
Man kann natürlich einen Flug und eine Unterkunft bei einer Buchungsplattform buchen, für einen Winteraufenthalt auf Kreta gibt es aber einige Punkte zu berücksichtigen:
1. es gibt keine (oder kaum) Direktflüge im Winter nach Kreta. Man muss über Athen fliegen. Die Flüge sind relativ teuer und die Flüge gehen auch nicht jeden Tag.
2. die Touristenorte/Resort wie Loutró, Agía Rouméli, Soúgia, Kalamáki, Balí usw. sind im Winter komplett geschlossen. Orte wie Almyrida und Georgioúpolis… sind zu 90% geschlossen.
Außer den Städten, bieten sich für einen Winteraufenthalt die Orte Paleochóra, Agía Galini, Kalýves, Plakais, Frangokastello… an, die das ganze Jahr über bewohnt sind.
3. viele Unterkünfte haben im Winter geschlossen. Die Vermieter sind in Chaniá, Heráklion oder Athen.
Am besten schaut man sich schon vorher Unterkünfte für den Winter an.
4. der große Knackpunkt im Winter ist, die Heizmöglichkeit in der Unterkunft.
Die Unterkünfte sind die selben wie im Sommer, keine Isolierung und super selten eine Heizung oder Ofen/Kamin, abgesehen von der AC. Von den Temperaturen ist es draußen oft wärmer als in den Räumen.
Auch wenn im Winter tagsüber oft die Sonne scheint, ist es in der Unterkunft meistens kalt. Sobald die Sonne weg ist, kühlt es sich deutlich ab. Abends und in der Nacht ist es auch hier sehr kalt. Vom 17.12. bis zum 23.12. 2021 hat z.b. durchgehend geregnet, sehr ungemütliches Wetter bzw. Tage. Tagsüber waren es 5C – 8C. So ab November bis März, Anfang April braucht man eine Möglichkeit zum Heizen.
Einige Kreta-Freunde mieten sich jedes Jahr im Winter eine Unterkunft in Paleochóra. Einige für 5 Monate, andere für 1-3 Monate. Das Heizen ist das große Thema unter den Überwinterer in Paleochóra. In welcher Unterkunft bist du, wie heizt du?
Das Beste ist natürlich wenn es einen Ofen (Somba/Σόμπα) oder einen Kamin gibt und man einen Raum schön einheizen kann. Eine Pickup-Ladung voll Olivenholz kostet zwischen 120€ und 150€. Durch die Krise sind die Preise für Holz und Öfen sehr angestiegen.
Die andere Möglichkeit ist, einen kleinen Heizstrahler oder was es da alles so gibt sich zu besorgen. Die sind nicht teuer und man bekommt sie in Paleochóra in der Hauptgasse oder auch in den Synka Supermärkten. Der Nachtteil ist, dass diese Dinger oft viel Strom verbrauchen und zu der Langzeitmiete der Strom meistens noch dazu kommt. Der Strompreis auf Kreta ist höher als in Deutschland. Der Strompreis beträgt aktuell 8ct/kWh (Januar 2022).
Es gibt auch einige wenige Unterkünfte mit Heizung (meistens aber in Hotels in den Städten an der Nordküste). Da Öl sehr teuer auf Kreta ist, sind die Unterkünfte mit Heizung auch viel teurer. Vor der Krise betrug der Preis für Heizöl 1,25/L
Auch die Gaspreise steigen enorm. Eine 11kg Flasche kostete vor kurzem noch 16€. Anfang März 2022 kostete eine Gasflasche 26€.
Wer mit dem Gedanken spielt, den Winter auf Kreta zu verbringen, sollte die Problematik Unterkunft/Heizen im Hinterkopf haben.
Die Langzeitmiete für eine Unterkunft (Studio mit Küche) von November bis März ist auf Kreta eher günstig und lagen vor Corona und dem Ukraine Krieg/Inflation bei 300€-450€ für 1 Monat. De Preise für Mieten in Kreta sind von 2019 – 2024 um 30% gestiegen. Es gibt natürlich regionale Unterschiede. In Sitia im Nordosten sind die Mieten günstiger als in der Region Chania. Ich zahle aktuell 450€ (Strom ist extra) für ein großes Studio in Plakias und 500€ für ein Studio in Frangkastello (Stand 2026).
Den ganzen Winter oder 1-2 Monate auf Kreta zu verbringen ist eine interessante Erfahrung, eine schöne Entschleunigung. Fast jeden Tag blauer Himmel (aber auch Sturm, Regen und Schnee). Im Januar gibt es auch die Halkyonischen Tage, wo es um die 10 Tage über 20C hat. Meistens ab den 20. Januar. Die Halkyonischen Tage sorgten früher meist im Januar für „T-Shirtwetter“. Seit einigen Jahren treten sie nun später im Februar auf.
kaló chimóna (καλό χειμώνα) – einen guten Winter, kv