Ein kurzer Leserbrief…. von Sigrun Steinwender.

Liebe Susanne!

Ich nehme an, dass „Frühjahrsmüdigkeit“ kein Thema bei euch ist, ihr habt ganz sicher jede Menge anderer Probleme! Ich verfolge die wetterbedingten katastrophalen Ereignisse auf der Insel mit Schmerz und großer Besorgnis. Irritierend dabei ist, dass ich sämtliche Informationen dazu ausschließlich aus dem Internet habe, in erster Linie von Radio Kreta, einige Videos konnte ich auch dem „Kreta Forum“ entnehmen. Aber hier in Österreich: nichts!!

Kreta existiert in unseren Medien nicht, außer: vorgestern am Nachmittag zwei Sätze im Radio über den „Ausnahmezustand wegen Überflutungen in Ost-Kreta!“ Nicht ein Foto, nicht ein Video im TV! Meine Vermutung: da die Tourismus-Saison auf Kreta mit den Oster-Feiertagen beginnt (Wanderer, Mountain-Biker und Kultur-Reisende) wird jegliche diesbezüglich schadende Katastrophen-Information hintangehalten? Wie das die Reiseveranstalter halten (gegen Ende April geht ja auch der „Wander-Wahnsinn“ los), keine Ahnung wer da für Unfälle durch Felsstürze und Murenabgänge dann haften wird!

Aprll 2019. Lawinenabgang in den Weissen Bergen. 700 Meter lang und bis zu 20 Meter hoch.

Darum: ein großes DANKE an Radio Kreta für objektive Berichterstattung, so kann jeder für sich entscheiden, welches Risiko er im Urlaub eingehen will! Mir stellt sich das Problem nicht, habe ich quasi diesbezüglich Glück im Unglück: ursprünglich wollte ich, wie im vorigen Jahr, Anfang April gen Sougia reisen, aber ein allzu schmerzendes Hüftgelenk samt der hartnäckigen Ellenbogen-Entzündung bewogen mich dann, meinen Vermietern in Sougia für April abzusagen, was mich ziemlich deprimierte. Eine Woche später sah ich dann bei Radio Kreta die schaurigen Fotos und Videos und mir war sofort klar, dass ein unbeschwertes Wandern in der ganzen Region Chania (einschließlich Samaria- und Irini-Schlucht) für mich als Allein-Geher zu riskant gewesen wäre. Inzwischen habe ich gelesen, dass die Samaria-Schlucht nun doch schon am 5.Mai geöffnet werden soll – da geht es wohl um`s Geschäft, weniger um die Sicherheit der durchzuschleusenden Touristen!!

Als ich meinen April-Sougia-Urlaub absagte, buchte ich gleichzeitig einen Billig-Flug nach Kreta für 3 Wochen im Oktober, so halte ich die Hoffnung, Kreta doch noch heuer zu sehen, aufrecht, auch wenn mich das Apartment zu dieser Zeit beinahe doppelt so viel kostet als in der noch tourismusschwachen Zeit im April. Ich kann nur hoffen, dass Zeus mir gewogen ist und nicht die nächste Sintflut dann schon im Oktober schickt!

Für euer Lesefest im Juni hoffe ich, dass alle Straßen bis dahin wieder befahrbar sind und Paleochora seinem Ruf als sonnenreichste Region voll gerecht wird! Der Wetterbericht für die Zeit um das griechische Osterfest schaut ja schon sehr gut aus. Ich habe mir im Juni für meine morschen Gelenke eine heilende Schwimmtherapie in Kroatien verordnet, Gesundheit geht vor. Allerdings geht in ganz Griechenland längst „Armut“ vor allem, hoffentlich wird das nicht auch jetzt in Kreta als Folge der Wetter-Katastrophe zunehmend zum Problem! Ich habe zufällig gestern einen Dokumentar-Film von Erwin Schrümpf gesehen im Rahmen seiner Griechenland-Hilfe, Bilder aus Athen, Patras, Rhodos und Lesbos – unvorstellbar, dass so ein Sozial-Abbau in Europa stattfindet! E. Schrümpf hat auch für euren Harald mitgeholfen, ein mutiger, engagierter Mann, auch wenn sein Einsatz nur ein Tropfen auf einen heißen Stein sei kann, die effektiven Lösungen müssten von oben kommen, Politik, Banken … Ich bin nach diesem Film jedenfalls motiviert, mich an seiner Hilfe mit einer regelmäßigen Spende zu beteiligen.

Noch schnell ein Hinweis „in eigener Sache“ quasi: wie Sie wissen, habe ich ein großes Faible für den kretischen Musiker Michalis Tzouganakis und um ihn mache ich mir im Moment ähnlich Sorgen wie um Kreta im allgemeinen. Da ich nicht bei Facebook bin (in diesen Medien werde ich -zu alt- nicht heimisch), habe ich nur sporadisch Zugang zu seiner Fanseite. Sein letzter Auftritt war im Dezember, dann hätte er mit Alexandros im Februar in Athen, Kremlino/Piräus auftreten sollen, da meldete er sich via Facebook am 3.2. mit der Mitteilung, dass er sich „eine Verletzung beim Training“ (wenn ich das richtig übersetzt habe) zugezogen habe und bis auf weiteres weder im In- noch im Ausland auftreten könne. Die nächste Meldung kam am 2.3. mit Dankesworten für die seelische Unterstützung seiner Fan-Freunde, aber kein Wort über seine Genesung, nur „kali antamosi!“(?) Inzwischen ist Alexandros im Februar in Athen allein mit der Band aufgetreten, nachdem er auf Facebook mitteilte, dass sein Vater eine „kleine Verletzung“ (meine Übersetzung) erlitten hätte.

Und nun, liebe Susanne, bitte ich um Ihre Übersetzungs-Hilfe für die 2 letzten Sätze von Michalis, die er am 3.4. nun gepostet hat, Sie finden sie in griechischer Schrift dort bei Facebook, ich schreib sie Ihnen in lateinischer Schrift (in etwa) auf:

Isos den itane grafto ego na zo mazi sou …

Omos da eimai pio glikia ston kosmo anamnisi sou …

Vielleicht kann ein Facebook-Registrierter nach den … weiterlesen?, sonst weiß ich nicht, was der Text und an wen bedeutet? Für mich klingt er so, als läge er schon im Sterben und das sind seine letzten resignierten Worte! Kann auch sein, er hat sich nur mit Alexandros musikalisch auseinanderdividiert, ich denke, Alexandros will nun eigene Wege gehen mit seiner eigenen Musik, vielleicht liegt das Problem einfach dort und die „Verletzung“ von Michalis ist nur ein Vorwand?

Wenn er nicht mehr auftreten könnte, warum auch immer, wäre ich wirklich traurig, schon allein weil ich mir nur deshalb im vorigen Herbst die Mühe gemacht habe, alle meine Videos von 3 Konzerten auf Youtube zu stellen (hat mich 140 € gekostet für meinen VHS-Lehrer, der mir dabei geholfen hat), um seine Chancen zu erhöhen, dass die Fans ihn über den Winter nicht vergessen und dann im Sommer bei seinen Auftritten wieder möglichst zahlreich erscheinen.

Ich habe inzwischen, um meine musikalische Objektivität zu prüfen, die Musik der anderen derzeit aktuellen kretischen Musiker angehört (Psarantonis, Haroulis, Xilouris etc): sie haben den Vorteil, dass sie sich auch für die momentan so populäre „esoterische“ Bewegung vermarkten lassen (besonders Psarantonis klingt mit seiner- vermutlich nikotinträchtigen Stimme- so, wie man sich als romantischer Laie den alten Zeus vorstellt, wenn er in seiner kretischen Urhöhle grad aus dem Schlaf erwachend mystische Urlaute von sich gibt. Ich gebe gern zu, dass auch ich dieser Mystik anheimfalle.

Wir haben hier in Österreich einen Musiker, Hubert von Goisern, bei dem sich mir ein Vergleich mit Michalis Tz. aufdrängt: auch er hat hierzulande Volksmusik, die so oft verkitscht wird, auf seine ureigenste Art „veredelt“, vertieft und so auch quasi intellektuell aufgewertet.

Auch er ist bis heute nicht reich damit geworden, aber immer er selbst dabei geblieben. Nun hat sich ein anderer Musiker, eine Art Gegenpol zu H.v.G., bei uns etabliert, dem Zeitgeist entsprechend äußerst erfolgreich, dessen musikalische Quintessenz weibliche Münchner-Fans bei einem Interview in ein einziges Wort fassten: „Geil!“ Er füllt riesige Stadthallen in Österreich und Deutschland mit diesem Qualitäts-Wort, lederbehost, mit banalen Liedtexten und entsprechend volksnahe und verirrt sich hoffentlich nicht auch nach Kreta (da fällt mir der auch lederbehoste Harry Kucera ein, um Gottes Willen nein, den meine ich nicht, der ist in Ordnung, seine Musik macht Stimmung und Lebensfreude und hat die Leichtigkeit eines sonnendurchfluteten Sommertags am Meer, nicht mehr und nicht weniger).

Ich bitte um Vergebung, meine Briefe werden immer zu lang! Ihr seid jetzt sicher genug ausgelastet mit den Vorbereitungen zum Lesefest, für das ich euch gutes Wetter, viel Zulauf und viel freudige Stunden wünsche. Die schriftliche Zusammenfassung der literarischen Ergüsse werde ich mir später dann erwerben.

Liebe Susanne, wenn Sie mal zwischen Lesefest-Programmieren, Haustier-Betreuung, Tierschutz-Organisieren und Gartenpflege (was noch?) ein paar Minuten Zeit fänden, das Zwei-Zeilen-„Requiem“ meines geliebten Michalis ins Deutsche zu entziffern, wäre ich sehr froh. Oder vielleicht wissen Sie aus anderer Quelle noch mehr über ihn?

Sollten mich meine morschen Knochen hoffentlich dann im Oktober endlich wieder nach Kreta tragen, vielleicht könnte ich die berühmte Redaktion von Radio Kreta einmal persönlich beaugapfeln? Zum Beispiel in Chania in der Markthalle! Lustigerweise haben Sie genau auf die Mini-Taverne in der Markthalle hingewiesen, die ich seit Jahren immer als erstes besuche, bevor ich mit dem Bus nach Sougia weiterfahre! Und ich esse immer das Gleiche dort: Lammfleich in Lauchsoße, was Besseres gibt es auf ganz Kreta nicht!

Würde ich mehrere so langer Briefe schreiben, könnte ich meine maroden Gelenke des vielen krummen Sitzens wegen gar nicht mehr gebrauchen, darum: keine Angst, so schnell wird das nicht mehr passieren. Übrigens was das leidige Wetter anbelangt: bei uns in Graz ist heute der erste richtig ergiebige Regentag seit Monaten! Der Boden war schon ausgetrocknet wie in der Wüste, auch kein Schnee den ganzen Winter über. Dafür im Westen Österreichs Massen von Schnee, viele Lawinentote heuer – crazy!! Und -weil ich immer euren Paleohora-Wetterbericht mit Graz vergleiche: wir hatten an vielen Tagen seit Jahresbeginn einige Plusgrade mehr als ihr in Kreta. Einladung: nächsten Winter auf nach Österreich, zum Aufwärmen!

Foto: aus Solidarität für das vom Wetter misshandelte Kreta: ein Trauermantel – Falter

Ja sas! Liebe Grüße

Sigrun Steinwender, Graz

P.S.: Beinahe vergessen: zum Thema Musiker-Geburtstage: Bitte nicht vergessen:

Michalis Tzouganakis hat am 31.Juli seinen 50.Geburtstag!

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2 Kommentare

  1. Hallo Sigrun,

    vielen Dank für Ihren ausführlichen und recht interessanten Brief an Radio Kreta.

    Dazu nur 3 sehr kurze Anmerkungen:

    – auch wir in D bekommen (leider) nicht mit, wie das Wetter in A, DK , NL, N, S und anderswo ist … eigentlich normal, da wir regional hier leben, und nicht anderswo… auch ich habe mich als über 30ig-jähriger Kretafan im Internet informiert, da es mich interessiert…also kein Problem…

    – neben Michalis Tsouganakis gibt es auch noch Periklis Tsouganakis, den ich ebenso schätze und, sollten Sie in nicht kennen, wärmstens ans Herz lege …. seine improvisierten Darbietungen aus der Geige / Violine sind sehens- und vor allem hörenswert und unerreicht…hören Sie mal rein..

    – Andreas Gaballier (warum nennen Sie ihn nicht einfach?) ist für wahr überhaupt kein Vergleich zu HvG…
    weder intellektuell noch vom Business her … wer einmal HvG gehört hat (idealerweise mit den „Alpinkatzen“ und Zabine) weiß, wo das Herz ist …

    Ihnen eine wunderbare, einzigartige Zeit auf Kreta und das sich Ihre „morschen Knochen“ dort schnell erholen…

    Na se kala, Exardis

  2. Liebe Radio KretaRedaktion – könnt Ihr das bitte der Sigrun weiterleiten? Vielen Dank!!
    ___________________________________________________________________________
    Liebe Sigrun, das was Michalis geschrieben hat, ist eine Mantinada, die offenbar aus einem seiner Lieder entstanden ist – oder umgekehrt.
    Ich versuche mal, mit meinen sehr schlechten Griechisch-/Kretischkenntnissen zu übersetzen:
    „Obwohl es mir nicht bestimmt war, mit Dir zu leben, werde ich das Süßeste sein in Deinen Erinnerungen.“
    Das Lied dazu heißt „Κάποτε όρκο δώσαμε“ („Wir haben einmal einen Eid geleistet“). Das kennt vermutlich JEDER von ihm.
    Liebe Grüße und gute Besserung!!!
    https://www.youtube.com/watch?v=Tl5zegZFO9o

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