Unbekanntes Kreta: Die Katharó-Hochebene und Kritsá im Osten Kretas.

Die Katharó-Hochebene ist auf den meisten Karten nur dürftig oder gar nicht verzeichnet. Dass sie keine malerisch mit Segeltuch bespannten Windpumpen vorzuweisen hat, dürfte der Grund dafür sein, dass diese zauberhafte grüne Insel auf den Höhen des östlichen Randes des Dikti-Gebirges aus dem auf die Lasithi-Ebene konzentrierten touristischen Interesse ausgeklammert bleibt.

Kritsa und die Katharo-Hochebene.

Auf dem Katharó-Plateau gibt es keine Geschäfte und abgesehen von einigen nur im Sommer geöffneten Tavernen keinerlei touristischen Einrichtungen; zwischen November und Mai ist es sogar fast gänzlich unbewohnt!

Dennoch zählt diese kreisrunde, fruchtbare Ebene zu den verborgenen, kleinen Schätzen Kretas. Durch die Weiden, Obstplantagen und Gemüsefelder zieht sich der Lasíthiou, ein nach der Schneeschmelze im Frühling sprudelnder Fluss, dessen Lauf sonst allerdings trocken liegt. Eine gut befahrene Piste steigt im Westen von Kritsa über elf Kilometer bis zur Hochebene hinauf.

Auf dem Weg zur Katharo-Hochebene. Hier gibt es viele Gänsegeier.

Am östlichen Rand des Dikti-Gebirges, rund neun Kilometer von Agios Nikólaos entfernt, bietet Kritsá ein Paradebeispiel des ländlichen Lebens auf Kreta. Es ist für ein kretisches Dorf relativ groß und erstreckt sich mit einem schönen Blick nach Osten zum Golf von Mirabellou vor der Kulisse mächtiger Felswände den Hang hinauf.

„Einkaufstrasse“ in Kritsa.

Entlang der schmalen Straßen verkaufen zahlreiche Geschäfte Webereien und Handarbeiten. Ostern wird hier mit Knallkörpern, Prozessionen und Festen gefeiert und ist ein wirklich beeindruckendes Erlebnis. Jedes Jahr am 20. Mai wandert ein Großteil der männlichen Dorfbevölkerung hinauf zur einsamen Katharó-Hochebene im Westen Kritsás, wo sie sechs Monate bleiben, um ihre Gemüse- und Getreidefelder zu bestellen und Wein und Rakí herzustellen. Das bergige Gelände hinter dem Dorf bietet ideale Bedingungen für ausgedehnte Wanderungen auf den gepflasterten Kalderimi und auf uralten Wegen, die teils bis auf die Zeit der minoischen Kultur zurückgehen. Dabei sind beinahe vergessene minoische Häuser und dorische Siedlungen zu entdecken.

In Kritsá gibt es bedeutende Kirchen, von denen Panagía Kera am unteren Ortseingang die Sehenswerteste darstellt. Hier zeigen die restaurierten Fresken auf eindrucksvolle Weise den Glanz der byzantinischen Kunst auf Kreta. Die zentrale Kuppel schmückt eine Taufe Christi aus dem 13. Jahrhundert, überschwenglich voller Segeln und Fische – und im Mittelschiff balanciert Salome den Kopf Johannes des Täufers auf ihrem eigenen.

Kritsa – ein wunderschönes Dorf auf Kreta

Im Nordschiff sind die mit weißen Kapuzen bekleideten Seelen der Toten zusammengepfercht; das Südschiff zeigt eine mitleidsvolle Jungfrau Maria, wie sie neben ihrem verzweifelten Gatten trauert. Aber diese sind nur ein kleiner Teil der Schätze, welche die Kirche birgt.

Beachtenswert ist auch Agios Pnevma mit ihren alten Ikonen, auf denen unter anderem Löwendarstellungen und ein drahtiger, himmelwärts blickender Petrus zu sehen sind.

Kleiner Tipp:

Viele Kirchen sind heute aus Angst vor Ikonendieben zugesperrt. Irgendjemand hat immer den Schüssel. Aber wer?

Am wahrscheinlichsten ist es der Dorfpriester oder vielleicht auch ein speziell bestellter Aufseher. Drei Sätze können hier bei der Suche besonders hilfreich sein: pu ine o papas? (wo ist der Priester?), pu ine o filakas (der Aufseher), pu ine to klithi (der Schlüssel).

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3 Kommentare

  1. Kalispera Su,
    wir kennen die Katharò-Hochebene und das Dorf Kritsà recht gut. Vor unserem ersten Besuch haben wir über diverse Medien Informationen zu dieser malerische Landschaft zusammengetragen. Wir waren sofort restlos begeistert von dieser tollen Gegend und ihren freundlichen Menschen. Vor allem das Dörfchen Kritsà ist noch recht ursprünglich geblieben!
    Ich habe aber so meine Bedenken, dass mit der Veröffentlichung derartiger Artikel solch fantastische Gegenden bzw. Dörfer ihre Stille und Magie verlieren. Bei allem Verständnis für Information und Werbung – die relativ wenig bekannten Juwelen von Kreta möchten wir gern in ihrer Ursprünglichkeit erhalten sehen und nicht durch Massentourismus zerstört.

  2. Kalispera Hartmut, ich möchte auch das Kreta seine Ursprünglichkeit behält (beobachte da leider eine sehr negative Entwicklung in den letzten Jahren auf der Insel).

    Kritsà steht seit Jahren in jedem Kreta-Reiseführer. Die Einwohner von Kritsà haben sich mit ihren Web- und Stickarbeiten auch auf Touristen eingestellt, es gibt etliche Souvenirläden.

    Von einem Dörfchen kann man bei Kritsà auch nicht sprechen. Es hat über 2.000 Einwohner und gehört mit zu den größten Dörfern der Insel.(Unter venezianischer Besetzung im 17J. war Kritsà der größte Ort der Insel.)

    Und spätestens seitdem es Schauplatz der Verfilmung von Kazantzakis „Griechischer Passion“ durch Jules Dassin war, gilt es auch als eines der schönsten Dörfer Kretas.

    Zum Glück ist Kritsà wenn man die Hauptgasse verlässt immer noch sehr ursprüngliches Dorf. Ein Juwel wird mit diesem Artikel sicherlich nicht verraten…….

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