Kirche versus Krematorien: Feuerbestattungen in Griechenland.

Aus einigen gegebenen und sehr traurigen Anlässen heraus mussten wir uns mal wieder mit dem Thema „Sterben“ beschäftigen. Und wenn man das so pragmatisch wie eben möglich – wenn man selbst betroffen ist – angeht, kann es für den Nord- oder Mitteleuropäer doch durchaus interessant sein. Weil so anders.

Nun ist es in allen südeuropäischen Ländern ja nun mal so, dass das alles meist ratzfatz vonstatten geht. Ein Mensch stirbt – und dabei ist es vollkommen unerheblich, ob der/diejenige an einer langen Krankheit gelitten hat, oder ganz plötzlich z.B. durch einen Unfall verstirbt – und wird eventuell sogar am selben, spätestens jedoch am nächsten Tag beerdigt. Mit allen kirchlichen Ehren und Weihen – da stehen jederzeit alle Gewehr bei Fuß.

Das mutet dem Nord- und Mitteleuropäer am Anfang erst mal sehr seltsam an, hat aber natürlich vor allem mit den eher hohen Temperaturen und althergebrachten Traditionen zu tun. Zwar gibt es mittlerweile durchaus „Kühlhäuser“, aber Tradition ist Tradition. Tot – und fertig. Hilft ja alles nix mehr.

Damit kann nicht jede(r) gut umgehen – die Artikelschreiberin reiht sich da mal locker mit ein…

Feuerbestattungen in Griechenland?

Bei der Auseinandersetzung mit dem Sterben hier in Griechenland kam natürlich auch das Thema der Feuerbestattung mit auf. Nun leben wir ja auch nicht erst seit gestern hier und sind uns durchaus dessen bewusst, dass ebendieses Thema für die griechisch-orthodoxe Kirche KEIN Thema ist (weil verboten!!!), allerdings haben Politik und das „moderne Leben“ ihr übriges getan, um Feuerbestattungen doch zumindest einmal kontrovers zu diskutieren.

Et voilà – vor knapp 13 Jahren wurde ein Gesetz bzgl. der Einäscherung und die Errichtung von Krematorien verabschiedet, doch es folgten viele Jahre der Verzögerungen, hauptsächlich aufgrund von Einwänden der griechisch-orthodoxen Kirche. Denn genau diese Kirche behauptet, dass die Einäscherung für Menschen griechisch-orthodoxen Glaubens – der überwältigenden Mehrheit des Landes – nicht zulässig ist.

Das Gesetz wurde unterzeichnet vom damaligen Umwelt- und Energieminister Giorgos Stathakis. Gleichzeitig dazu gab es den Beschluss, den Bau eines Krematoriums zuzulassen. Die Entscheidung des Ministers bestimmte den Ort und die Bedingungen, unter denen die Einrichtung betrieben werden sollte, wie sie vom Athener Bürgermeister, Giorgos Kaminis, entworfen und vorgeschlagen wurde.

„Wir haben Tausende Wellen durch ein unvollständiges gesetzliches Rahmenwerk passiert, aber schließlich haben wir es geschafft“, twitterte Kaminis. Der Bürgermeister wies darauf hin, dass die Schaffung des Krematoriums seit 2014 seine Verpflichtung sei, und der Bürgermeister fügte hinzu, dass der Staat jetzt seine Verpflichtung erfüllen kann, „die rudimentären Rechte der Bürger zu wahren“.

Weder der Minister noch der Bürgermeister gaben Auskunft darüber, wann die Bauarbeiten beginnen oder wann das Projekt abgeschlossen sein wird….

Erstmal geht es um den Bau eines Krematoriums auf einem städtischen Grundstück im Stadtteil Athen (Elaionas) sowie um einen Park und um Sportanlagen, die das Krematorium umgeben. Die Ankündigung erfolgte zwei Jahre, nachdem die Regierung angekündigt hatte, dass sie sich schnell bewegen werde, um die Einäscherung in Griechenland zu ermöglichen und zu erleichtern und das Land an die europäische Gesetzgebung anzugleichen.

Wie so oft – eher eine Kosten- als eine Glaubensfrage

Viele Griechen, die bisher vor ihrem Tod den Wunsch geäußert hatten, verbrannt zu werden, mussten für geschätzte 3.000 bis 6.000 Euro ins benachbarte Bulgarien transportiert werden – denn in Griechenland ging es ja nun mal nicht…. Dabei würde die Feuerbestattung das Problem der übervollen Friedhöfe in den großen und auch kleineren Gemeinden des Landes lösen, aber auch die betroffenen Familien von kostspieligen Bestattungen und Grabunterhaltungen befreien.

Die Kosten für die Einäscherung in Griechenland werden auf 600 bis 700 Euro geschätzt, verglichen mit den Begräbniskosten von mindestens 1.500 Euro. Plus eben der Kosten der Grabunterhaltung und späteren Umbettung in´s „Gebeinhaus“.

Die griechisch-orthodoxe Kirche äußert sich diesbezüglich dahingehend, dass sie keine religiösen Begräbnisdienste für diejenigen leisten wird, die sich für die Einäscherung entscheiden.

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2 Kommentare

  1. Ich habe schon davon gehört, dass sich Leute im Ausland kremieren lassen. Es soll wohl so günstiger sein. Die Bestattungskosten sind recht hoch. Ich könnte ein auto dafür kaufen.

  2. Ein sehr interessanter Beitrag zum Thema Feuerbestattung in Griechenland. Die Kosten erscheinen doch sehr enorm. Dass man extra in das Nachbarland muss, finde ich recht mühselig für die Angehörigen.

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