Kreta pur: Das Ida-Gebirge.

Viele Tausende von Besuchern sehen zwar das Psiloritis- (in Kreuzworträtseln gerne als „Gebirge auf Kreta mit drei Buchstaben – senkrecht oder waagerecht ist da meist egal) oder „Ida“-Gebirge bei ihrer Ankunft in Heraklion aus – egal, ob sie mit dem Flugzeug oder der Fähre anreisen – das Gebirge ist allgegenwärtig.

Kreta im Winter.

Doch nur wenige machen sich auf den langen und beschwerlichen Weg zu dessen höchsten Gipfeln. All jene, die sich die Mühe trotzdem machen, werden jedoch mit unvergesslichen Ausblicken über die ganze Insel der Götter belohnt…..

Für die meisten Kreta-Touristen sind die vier großen Gebirgszüge der Insel Attraktionen, die sie gewöhnlich aus der Ferne bewundern (ist nämlich gemütlicher, so aus der Ferne….). Das Thrypti-Gebirge im Osten der Insel, abgelegen von den touristischen Zentren, ist weitgehend unbekannt; die Lefká Óri, die weißen Berge im Westen sind für viele lediglich wegen der legendären Samariá-Schlucht von Interesse, während das Dikti-Gebirge wegen seines berühmten Lassithi-Plateaus (das ist das mit den damals schönen Windmühlen) sowie den leicht zugänglichen Diktäischen Höhlen oberhalb von Psychró, wohl am häufigsten begangen wird.

Die drei großen Gebirge auf Kreta.

Beim Ida- oder Psiloritis-Gebirge, wie diese gesamte Region heute genannt wird, beschränkt man sich meist darauf, die Gipfel seiner Berge vom Meer bei Heraklion aus zu bestaunen. Und die Aussichten dort sind wirklich nicht ohne, feierten wir doch im Mai 2009 unsere Hochzeit bei geschmeidigen knappen 30 Grad dort in Kokkini Hani am Meer – mit Blick auf die schneebedeckten Berge. Hat(te) was!

Aber das Psiloritis-Gebirge ist nicht nur schön anzusehen und außerdem das höchste Gebirgsmassiv der Insel, sondern durchaus auch sehr geschichtsträchtig: es war Schauplatz eines der bedeutendsten Ereignisse des 2. Weltkrieges auf Kreta. Und auch die legendäre Entführung des Generals Heinrich Kreipe in besagtem unsäglichen 2. Weltkrieg hatte hier ihren Hauptschauplatz:

Eine Gruppe kretischer Widerstandskämpfer entführten diesen General nämlich am 26. April 1944 und hielten ihn im Psiloritis-Gebirge versteckt. Fast 2 Wochen lang brauchte die Widerstands-Gruppe, um den 30.000 Mann starken deutschen Suchtrupps zu entgehen, das Gebirge zu überqueren und schließlich die Südküste bei Rodákino und damit die U-Boote der Royal Navy zu erreichen.

Als Bergkette ist der Psiloritis weit weniger beeindruckend als das Bergmassiv des Dikti im Osten oder die felsigen weißen Berge – die Lefka Ori – im Westen. Das Hochland des Psiloritis, zwischen 1.500 und 2.000 Metern hoch gelegen, bildet zwischen Rethymnon und Heraklion eine rautenähnlich geformte Landschaft, die sich von Nordwesten bis Südosten bis zur Mitte der Insel erstreckt und etwa 60 Quadratkilometer umfasst. Die höchste Erhebung dieses Gebirgszuges ist der Berg Ida – eben auch Psiloritis genannt – mit seinen 2.456 Metern der höchste Berg Kretas.

Eine Hütte in den wilden Bergen Kretas.

Den Weg hinauf zum Gipfel des Berges sollte man nicht alleine unternehmen, es sei denn, man ist wirklich ein SEHR erfahrener Bergsteiger. Den dies Bergregionen sind meist kalt und wolkenverhangen und es kann durchaus passieren, dass man eine Nacht im Gebirge verbringen muss. Man sollte also idealerweise einen erfahrenen Bergführer mitnehmen, den man z.B. in Anógia anheuern kann und der einen auch zur Ida-Höhle begleitet. Bis zum Gipfel und zurück benötigt man ca. 7-8 Stunden.

Bergführer auf Kreta

Man kann seinen Aufstieg aber auch im Dorf Fourfourás im Amári-Tal auf der Westseite beginnen – idealerweise allerdings auch wieder mit einem lokal angeheuerten Bergführer. Oder auch vom Dorf Kamáres an der Südseite des Berges. Von hier aus dauert eine Bergtour ca. 2 Tage, ein Ausflug zur Kamáres-Höhle allerdings nur 6-8 Stunden. Zu empfehlen ist jedenfalls eine geführte Tour, die auch beim griechischen Bergsteiger-Verband gebucht werden kann.

Hat man nun die ganze akribische Planung und die Plackerei des Aufstiegs hinter sich, lässt man alles hinter sich, denn der Blick von der Kapelle Tímios Stavrós  auf dem Gipfel des Psiloritis entschädigt für alles. Hier liegt einem die ganze Insel zu Füßen und es bietet sich in allen Himmelsrichtungen ein atemberaubendes Panorama. Hat man diesen Anblick einmal an einem schönen Tag bei Sonnenaufgang erlebt, prägt er sich für immer in´s Gedächtnis ein.

Bilder von Pierre Pisano, einer der besten Bergführer auf Kreta.

Das Nida-Plateau, hoch im Osten des Psiloritis gelegen und über eine lange Bergstraße von Anogia aus zu erreichen, ist  im Sommer immer noch ein Zentrum der Schaf- und Bienenzucht. Etwas weiter im Westen gibt es mittlerweile auch ein Wintersportzentrum, so dass man hier sogar im Winter Ski fahren kann (naja, wer´s braucht…..!).

Sei es, wie es sei – das Ida-Gebirge ist sicher eines der beeindruckendsten Felsmassive dieser Insel und sicher einen Ausflug – und vielleicht sogar Aufstieg – wert!

„11 Fragen an….“: Pierre Pisano. Ein Bergführer auf Kreta.

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