The story of my…. Wiedehopf.

Wie ein(?) Vogel mich einen Sommer lang auf Trab hielt.

Vom „Balkanisator“, unserem Freund Wassilis Aswestopoulos.

Seit Frühjahr 2026 habe ich einen Vogel – dachte ich zumindest. Denn seit Ende August weiß ich, dass es mehrere Vögel sind und dass sie offenbar mich haben. Denn unser Hinterhof ist ihr Pit Stop. Es begann allerdings tatsächlich mit einem einzelnen Wiedehopf.

Der griechische Name für diese sympathischen Flieger ist τσαλαπετεινός (ausgesprochen: Tsalapetinos). Der Wiedehopf ist gegenüber Menschen tolerant. Aufgrund seiner Färbung, seiner Haube und seines Verhaltens ist er mit keinem anderen Vogel zu verwechseln. Er hat kräftige Beine und offenbar eine sehr große Neugier. Wie anders ist es zu erklären, dass Ende März ein Vertreter dieser Vogelart beschloss, unseren Hinterhof zu erkunden. Es war einer der ersten warmen Tage. Die Tür zum Hof blieb auf, zum Lüften und zum Herausgucken. Einzig die Schwingtür mit dem Fliegengitter trennte uns vom Hof, dem Landeplatz des Vogels.

Der stolzierte herum, präsentierte seine Haube und spazierte furchtlos an der Katze vorbei. Nur mit Louis hatte er nicht gerechnet.

Louis

Unser Redaktionshund stieß die Schwingtür auf und stürzte sich laut bellend in Richtung Wiedehopf – weg war er. Das Spiel wiederholte sich mehrfach bis Mitte April. Ich dachte, ich hätte es mit einem einzelnen Vogel zu tun. In den Jahren zuvor hatte ich so ein Tier nie gesehen. Ergo sprach ich mit Freunden und Verwandten darüber. Ziel war es, das Tier, das so oft erschien, zu fotografieren. Aber das erwies sich als gar nicht mal so einfach. Denn beim Anblick einer Kamera war der Vogel – wir glaubten alle zu diesem Zeitpunkt, dass es nur einer war – weg.

Auch Dimitris berichtete, dass so ein Vogel auf seinem Balkon in Chalkida gelandet sei. Wobei dort auch ohne das Gebell von Louis und ohne konventionelle Kamera kein Foto möglich war. Selbst ein Mobiltelefon schien ihn zu erschrecken. Ein Vogel, der vollkommen selbstsicher in die Küche hinein stolzierte und der auf Dimitris‘ Balkon keine Ecke unerforscht ließ. So ging es bis Mitte Mai. Da rief Dimitris begeistert an: „Das sind zwei Vögel, die waren als Paar eben auf dem Balkon!“.

Es half nichts, die Vögel blieben kamerascheu. Bis eines sonnigen Tages Ende August Louis das Geheimnis lüftete, wo sich die Vögel aufhalten, wenn sie nicht in unserem Hinterhof oder auf Dimitris‘ Balkon Nahrung suchen. Wir waren im kleinen Park am Strandufer von Nea Artaki. Louis wurde unruhig, blickte die Bäume hinauf und bellte. Ich versuchte zu erkennen, was er anbellte, und sah eine Silhouette mit der charakteristischen Haube. Ich notierte mir die Zeit.

Am nächsten Tag ging ich zur gleichen Zeit in den Park – ohne Louis und ohne Kamera. Verwundert registrierte ich, dass diese auffälligen Vögel mit ihrem unverwechselbaren Aussehen eine perfekte Tarnung haben. Denn man sah sie nur, wenn man sich auf sie konzentrierte. Die Vögel, im Park zählte ich mindestens vierzehn, waren all die Wochen und Monate vor unsere Nase. Sie haben eine Vorliebe für Zikaden. Dabei schnappen sie sich die Insekten sowohl im ausgeschlüpften, reifen Zustand als Vollinsekt, als auch kurz vor dem Häuten im Larvenstadium.

Ich beobachtete sie eine Weile und beschloss, an einem der nächsten Tage mit Kamera wiederzukommen. Tatsächlich wiederholte sich das bekannte Spiel, sobald die Kamera hochgehoben wurde, waren die Vögel alarmiert und flüchteten. Allerdings sorgte die Nähe der Zikaden dafür, dass sie nicht allzu weit wegflogen. Und so gelangen endlich die ersehnten Bilder.

Bis Ende September wird sich das Gros der Vögel auf die Reise ins Winterquartier nach Afrika begeben haben. Die letzten Nachzügler sind dann im Oktober weg. Auf ein Neues, wenn sie im Frühjahr 2027 wieder zurückkommen. Hoffentlich haben wir dann weniger verrückte Zeiten als heute.

2 Kommentare

  1. In diesem Zusammenhang wäre es doch schön, wenn man endlich die Jagd auf Singvögel einstellen würde.
    Auch beim Vogelzug über Kreta fallen die Tiere den „Jägern“ regelmäßig zum Opfer …
    Ein kritischer und ehrlicher Bericht darüber wäre wünschenswert.
    VG Caro

  2. Wir haben auch so einen Vogel….

    Wir leben im Süden Kretas. Im Frühjahr dieses Jahres wurde ich recht früh von einem mir unbekannten Geräusch geweckt. Tut tut…tuttuttut..tut…
    Ich dachte gleich an eine Batterie, die ihren geringen Ladestand ankündigte oder an ein anderes Gerät, das kurz davor war, seinen Dienst einzustellen.
    Tut tut…tuttuttut..tut…
    Ich stand auf und schlich durch das Haus, der Ursache auf den Grund zu gehen. Wohnzimmer – nichts, Küche – nichts, Abstellraum – nichts, Keller – nichts, Garten und Poolraum – nichts. Und ständig tutete es mit kurzen Pausen weiter.
    Ich wurde nervös. Also weckte ich meinen Mann. “ Hörst du das?“ …Nein, er hörte nichts. Das Geräusch war weg.
    Am nächsten Morgen das gleiche Szenario. Tut tut…tuttuttut..tut…
    Ich wieder raus aus dem Bett, den selben Rundgang wiederholend. Nichts. Ich zweifelte inzwischen an meinem Verstand. Mein Mann hörte wieder nichts.
    Der dritte Morgen: Tut tut…tuttuttut..tut…
    Ich wieder raus aus dem Bett, Haus absuchen, warum immer morgens so früh??
    Nach meiner Hausrunde ging ich wieder hinaus in den Garten und sah beim Weg über das Grundstück auf einer Stromleitung einen hübschen Vogel sitzen, der passend zu dem Tut tut…tuttuttut..tut… immer mit dem Kopf wippte. Und während ich ihn beobachtete, setzte sich ein zweiter neben ihn, stellte seinen Kamm auf und tutete fleißig mit.
    Was habe ich gelacht – über die Vögel, über mich und vor allem vor Erleichterung, weil technisch im Haus doch alles in Ordnung zu sein schien.
    Im Netz fand ich schnell heraus, um welchen besonderen Gast es sich handelte. Der Wiedehopf.
    Inzwischen scheint er unseren Garten als sein Revier zu betrachten.
    Wie Wassilis beschreibt, ist er ein fleißiger und sehr geschickter Zirkadenjäger, der mit seinem langen Schnabel auch den Boden durchwühlt.
    Einziger Unterschied: „Unser“ Freund ist nicht so kamerascheu. Es gibt schon etliche Fotos von ihm.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert